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Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Nahrungsmitteln

Nicht nur Wechselwirkungen mit Medikamenten, sondern auch mit Nahrungsmitteln sind von Bedeutung und sollten genauso ernst genommen werden. Medikamente können unterschiedlich wirken, wenn sie mit dem Essen oder mit Getränken eingenommen werden. Die Wirkung des Medikaments kann sich verstärken oder abgeschwächt werden. So gilt generell, dass durch eine entsprechende Auswahl der Nahrungsmittel sowie der richtigen Einnahmezeit eines Medikaments die Wirkung positiv beeinflusst werden kann.

Auch sollte während der Einnahme von Medikamenten auf Genussmittel wie Alkohol verzichtet werden. Die Wirkung kann auf unkontrollierte Weise verstärkt oder vermindert werden. Zudem können Nebenwirkungen durch den gleichzeitigen Genuss von Alkohol verstärkt auftreten.

Hinweise für die richtige Einnahme von Medikamenten finden sich in der Packungsbeilage. Auch der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin und der Apotheker oder die Apothekerin können Informationen zur richtigen Einnahme geben.

Allgemeine Einflussfaktoren der Nahrung auf die Medikamente

Der Einfluss der Nahrung auf die Wirksamkeit von Medikamenten kann von verschiedenen Faktoren abhängig sein:

  • der chemischen Struktur des Wirkstoffes,
  • dem pH-Wert des Wirkstoffes,
  • der Dosis,
  • der Wirkstoffform (Tablette, Dragee, Tropfen etc.),
  • der Menge, Konsistenz und Zusammensetzung der Nahrung,
  • dem zeitlichen Abstand zwischen der Medikamenteneinnahme und der Nahrungszufuhr.

Daneben spielt auch die Geschwindigkeit, mit der der Magen entleert wird, eine wichtige Rolle. Sie entscheidet darüber, wann das Medikament den Dünndarm erreicht und von wo es vom Körper aufgenommen werden kann.

Sehr fetthaltiges oder sehr heißes Essen aber auch eiskalte Getränke können dazu führen, dass der Speisebrei überdurchschnittlich lange im Magen verweilt. Dadurch gelangen gleichzeitig eingenommene Medikamente erst viel später in den Darm und ihre Wirkung setzt verlangsamt ein.

Viele Antibiotika wie beispielweise Penicilline und Cephalosporine werden nüchtern eingenommen, damit ihre Wirkung schnell einsetzen kann. Neuere Antibiotika wie Pivampicillin oder Bacampicillin können jedoch auch mit der Mahlzeit eingenommen werden, ohne dass sie an Wirkung verlieren. Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt wie Durchfall oder Übelkeit können dadurch verringert oder sogar vermieden werden. Bei dem Antibiotikum Erythromycin ist eine gleichzeitige Nahrungsaufnahme sogar von Vorteil, da es nicht nur verträglicher ist, sondern auch der Wirkeintritt schneller erfolgt.

Gleiches gilt auch für Betablocker wie Metoprolol und Propranolol, die durch eine Mahlzeit an Wirkung gewinnen.

Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett

Nicht nur die Nahrungsaufnahme allein, sondern auch die Zusammensetzung der jeweiligen Nahrungsbestandteile spielt eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Wechselwirkungen.

So führt kohlenhydratreiches Essen (Nudeln, Reis, Brot, Kartoffeln u.a.) zu einer Wirkverstärkung von Theophyllin, ein Mittel, welches aufgrund seiner bronchienerweiternden Wirkung bei Asthma und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung eingesetzt wird. Indometacin, ein Schmerzmittel, wird hingegen bei einer kohlenhydratreichen Ernährung schlechter vom Körper aufgenommen als bei einer eiweißreichen Mahlzeit. Griseofulvin, ein „fettliebender“ Wirkstoff gegen Pilzerkrankungen, wird gerade bei einer fettreichen Mahlzeit besonders gut vom Körper verarbeitet.

Wichtige Wechselwirkungen auf einen Blick

Nahrungsmittel

Medikament und AnwendungsgebietEffekt
Kaffee, Tee (Gerbstoffe)eisenhaltige Medikamente zur Behandlung des EisenmangelsVerminderung der Medikamentenwirkung
Lakritzebestimmte blutdrucksenkende Medikamente (harntreibende Diuretika)erhöhte Gefahr für unerwünschte Wirkungen (z.B. Muskelschwäche, Herzbeschwerden)
Wein, Käse (tyraminhaltige Lebensmittel)Medikamente zur Behandlung von Depressionen
(MAO-Hemmer)
erhöhte Gefahr für unerwünschte Wirkungen

Grapefruit(saft)

bestimmte blutdrucksenkende Medikamente (z.B. Amlodipin, Felodipin, Nifedipin), cholesterinsenkende Mittel (Statine wie Simvastatin) und Medikamente, die die Reaktion des Immunsystems beeinflussen (Immunsuppressiva)verlangsamter Abbau der Wirkstoffe, dadurch verstärkte Wirkung und verstärkte unerwünschte Nebenwirkungen möglich
Milch und MilchprodukteMedikamente zur Behandlung bakterieller Infektionen (Antibiotika) und zur Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung (Schilddrüsenhormone), Medikamente zur Behandlung der Osteoporose (Bisphosphonate), Mittel zur Vorbeugung von Karies (Fluoride)Hemmung der Medikamentenaufnahme und Verringerung der Wirksamkeit
Vitamin K-
haltige Lebensmittel
blutgerinnungshemmende MedikamenteRisiko für unerwünschte Blutungen kann steigen
Vitamin C-
haltige Getränke (Orangensaft)
eisenhaltige Medikamente zur Behandlung des Eisenmangelsverbesserte Aufnahme des Eisens
BallaststoffeMedikamente zur Behandlung der Depression, cholesterinsenkende Mittel (Statine) und Medikamente zur Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung (L-Thyroxin), Herzmedikamente (Digoxin) sowie Schmerzmittel (Paracetamol)Verschlechterte Aufnahme der Wirkstoffe
AlkoholSchlaf- und Beruhigungsmittelverstärkte Wirkung