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ULA Un-Abhängigkeit und Lebensqualität im Alter

Sucht kennt keine Altersgrenzen. Die Zahl der älteren Personen, die Missbrauch oder eine Abhängigkeit von Alkohol, Tabak oder psychoaktiven Medikamenten aufweisen, geht in die Millionen. Bislang erhalten aber nur wenig Betroffene angemessene fachliche Hilfen. Die Suchtberatung Freiburg hat sich auf den Weg gemacht, mit dem Projekt „ULA - Un-Abhängigkeit und Lebensqualität im Alter“ diese Angebotslücke zu schließen.

Die Interviewfragen stellten wir Herrn Thomas Hodel (Diplom-Sozialarbeiter, Leiter der Suchtberatungsstelle).

1. Wie kam es zur Idee Ihres Angebotes?

Unsere Beratungsstelle beschäftigte sich schon seit vielen Jahren immer wieder mit dieser Zielgruppe. Neu angestoßen wurden wir durch das DHS-Jahresthema „Unabhängig im Alter“ im Jahr 2006. Im Jahr 2009 gab es dann durch die Baden-Württemberg-Stiftung eine Ausschreibung zum Thema „Sucht im Alter“. Wir bewarben uns und erhielten einen Zuschlag.

2. Was macht dieses Angebot in Ihren Augen so wichtig?

Die deutsche Suchthilfestatistik zeigt, dass über 60-Jährige nur wenig Zugang in die Suchthilfe finden. Aus demoskopischen Gründen handelt es sich aber um eine immer größer werdende Bevölkerungsgruppe.

3. Wie gehen Sie vor, um älteren Menschen einen möglichst leichten Zugang zum Angebot zu ermöglichen? (Niedrigschwelligkeit)

Wir haben ein niederschwelliges auf die Zielgruppe zugeschnittenes Angebot: eine offene Motivationsgruppe für Klientinnen und Klienten ab 60 Jahren unter Leitung einer hauptamtlichen Mitarbeiterin und eines Ehrenamtlichen (ein ehemals Abhängiger). Die Gruppe findet einmal wöchentlich nachmittags (14.30 bis 15.30 Uhr) statt.

Um die Teilnahme suchtkranker älterer Menschen  zu fördern, ist…

  • die Teilnahme bedarf keiner vorherigen Anmeldung,
  • die Teilnahme ist nicht verbindlich,
  • eine Kostenzusage durch einen Kostenträger ist keine Teilnahmevoraussetzung,
  • eine Abstinenz von Suchtmittel wird nicht vorausgesetzt.

Wir erwarten lediglich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht angetrunken sind bzw. so unter Medikamente stehen, dass sie dem Gespräch nicht folgen können. Inhaltlich geht es um die Themen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mitbringen: individuelle Befindlichkeiten, ihre Erlebnisse ist dem letzten Termin, offene Fragen etc. Wir selbst versuchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer Veränderung des Konsumverhaltens (Reduktion oder Abstinenz von Suchtmitteln) zu motivieren.

Um auf das Angebot aufmerksam zu machen, streuen wir immer wieder Informationen, bspw. mit Hilfe von Flyern, zum Thema Sucht ein. Die Gruppe wird sehr gut angenommen. Durchschnittlich sind sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer anwesend.

4. Streben Sie an, dass Ihr Angebot über die Projektlaufzeit bestehen bleib? Wenn ja, wie verfolgen Sie dieses Ziel?

Das Gesamtprojekt ist bereits beendet. Es bestand aus mehreren Bausteinen: Öffentlichkeitsarbeit, Wissenstransfer (Vorträge, Schulungen, Fachtag zum Thema Sucht im Alter, zielgruppenspezifische Angebote (aufsuchende Suchtberatung in einer Einrichtung der offenen Altenhilfe, Telefonberatung, Motivationsgruppe). Die offene Motivationsgruppe, konnte in das Regelangebot unserer Beratungsstelle übernommen werden, da sie sich sehr bewährt hatte und der Aufwand für uns machbar ist.

5. Nennen Sie uns einmal fördernde sowie hemmende Faktoren bei der Umsetzung Ihres Angebotes?

Fördernde Faktoren
Ein großes Interesse der allgemeinen Öffentlichkeit trägt zum Gelingen eines solchen Projektes/Angebotes bei. Zudem erweisen sich gute Erfolge bei der Zielgruppe als Erfolgsfaktor.

Hemmende Faktoren
Allgemein bestehen Vorurteile gegenüber möglicher Erfolge der Suchthilfe. Zudem kommen Vorurteile gegenüber der Veränderungsfähigkeit älterer Menschen, insbesondere gegenüber älteren Suchtkranken. Hier wird auch die Sinnhaftigkeit in Frage gestellt („Warum will man dem armen alten Mann oder der armen alten Frau sein / ihr Glas Wein wegnehmen?“). Zudem tun sich ältere Menschen aktuell noch schwer psychosoziale Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Nach wie vor besteht eine Schnittstellenproblematik zwischen der Sucht- und Altenhilfe.

6. Was geben Sie denen auf Weg mit, die ähnliches planen?

Es lohnt sich! Für die Schnittstelle zur Altenhilfe braucht es einen langen Atem.

Bei weiteren Fragen zum Angebot kontaktieren Sie gerne Herrn Thomas Hodel

Suchtberatung Freiburg
Oberau 23
79102 Freiburg
Tel. : 0761/207620, Fax : 0761/2076213
Mail:  suchtberatung-freiburg(at)agj-freiburg.de
Web: www.suchtberatung-freiburg.de