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Wie eine Depression behandelt wird

Eine depressive Erkrankung kann auch im Alter gut behandelt werden. Die zwei wichtigsten Bausteine sind die Behandlung mit Medikamenten und mit Psychotherapie.

Wer eine Depression behandelt

  • Meist erfolgt die Behandlung durch den Hausarzt bzw. die Hausärztin.
  • Es kann sinnvoll sein, einen Facharzt oder eine Fachärztin aufzusuchen. Denn Begleiterkrankungen und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten machen die Behandlung möglicherweise komplizierter. Zuständig sind hier Psychiater und Psychiaterinnen sowie Nervenärzte und Nervenärztinnen. Sie können sowohl medikamentös als auch psychotherapeutisch behandeln.
  • Eine Psychotherapie wird häufig auch durch Psychologische Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen durchgeführt, d. h. Psychologen mit einer speziellen Ausbildung.
  • Manche Depressionen können ambulant nicht ausreichend behandelt werden. Dann kann eine vorübergehende Behandlung in einer Psychiatrischen Klinik oder Tagesklinik ratsam sein. Hier werden die Patienten und Patientinnen durch ein Team aus verschiedenen Berufsgruppen betreut und erhalten meist ein vielfältiges Behandlungsangebot. Dieses besteht u. a. aus Arzneimitteltherapie, Psychotherapie, Ergo-, Physio- und Kunsttherapie.

Die Kosten dieser Behandlungen werden in der Regel von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Behandlung mit Medikamenten

Meist erfolgt die Behandlung mit sogenannten Antidepressiva. Diese bringen die depressiven Krankheitsphasen zum Abklingen und können das Risiko um etwa 70 Prozent verringern, dass eine depressive Episode wieder auftritt. Im Gegensatz zu einem Teil der Schlaf- und Beruhigungsmittel machen Antidepressiva nicht süchtig und verändern auch nicht Ihre Persönlichkeit.

Antidepressiva müssen regelmäßig eingenommen werden, um ihre Wirkung zu entfalten. In der Regel dauert es zwei Wochen, bis die Wirkung eintritt. Bei älteren Menschen kann dies auch bis zu vier Wochen dauern. Nicht immer wirkt bereits der erste Behandlungsversuch mit einem Antidepressivum. Manchmal wird auch das Medikament nicht vertragen. Dann muss ein erneuter Anlauf mit einem anderen Arzneimittel oder einer anderen -kombination erfolgen. In den allermeisten Fällen gelingt es jedoch, Medikamente zu finden, die wirken und auch vertragen werden.

Nach dem Abklingen der depressiven Symptome sollten Antidepressiva nicht sofort abgesetzt werden. Sie wirken nicht nur gegen die Depression, sondern verringern auch deutlich die Möglichkeit eines Rückfalls oder eines Wiederauftretens der Depression. Gemeinsam mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin sollten Sie besprechen, wie lange eine rückfallverhütende Behandlung in Ihrem Fall zu empfehlen ist.

Behandlung mit Psychotherapie

Unter den verschiedenen Psychotherapieformen ist die Wirksamkeit der sogenannten Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) mit Abstand am besten belegt. In regelmäßigen Sitzungen mit einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin lernen Sie hier zum Beispiel, einerseits mit belastenden Situationen des Alltags besser umzugehen und Selbstüberforderungen zu vermeiden, andererseits auch negative Gedankenmuster und endloses Grübeln zu verändern. In Deutschland werden die Kosten auf Antrag bei der Krankenkasse in der Regel übernommen.

Bei einer Psychotherapie ist es – ähnlich wie bei den Medikamenten – wichtig, dass Sie regelmäßig teilnehmen und aktiv mitarbeiten. Nur so kann eine Wirkung erzielt werden. Die Dauer einer Psychotherapie ist von Fall zu Fall verschieden. Meist erstreckt sie sich über mindestens zwölf Sitzungen (mit ein oder zwei Sitzungen pro Woche), oft auch deutlich länger. Bevor Sie eine Psychotherapie beginnen, findet für gewöhnlich zunächst eine Sprechstunde mit dem Psychotherapeuten oder der Psychotherapeutin statt. Bei diesem Gespräch kann eine erste Diagnose gestellt werden. Weiterhin wird entschieden, ob eine ambulante Psychotherapie ratsam ist oder ob z. B. eine Behandlung in einer Klinik hilfreicher wäre.

Im Anschluss erfolgen zwei bis vier sogenannte „probatorische Sitzungen“, die in jedem Fall von der Krankenkasse bezahlt werden. Diese Sitzungen bieten Ihnen und dem Therapeuten bzw. der Therapeutin die Möglichkeit, sich kennenzulernen und zu entscheiden, ob eine Therapie bei der Kasse beantragt werden soll.

Eine Psychotherapie kann als Einzeltherapie, als Gruppentherapie oder als Kombination aus beidem beantragt werden. Gruppentherapien werden jedoch nicht in jeder psychotherapeutischen Praxis angeboten.

Andere Behandlungsmöglichkeiten

Neben der Behandlung mit Medikamenten und mit Psychotherapie gibt es einige weitere, gut bewährte Möglichkeiten der Therapie. Am häufigsten werden sie in Kliniken angewendet und dort auch von der Krankenkasse bezahlt.

Bei der Wachtherapie (auch „Schlafentzugstherapie“) bleiben die Patienten bzw. Patientinnen meistens in der zweiten Nachthälfte wach, manchmal auch die ganze Nacht. Das führt bei der Mehrheit der Betroffenen zu einer plötzlichen und deutlichen Stimmungsverbesserung in den frühen Morgenstunden. Diese hält den nächsten Tag an. Nach dem Schlaf in der darauffolgenden Nacht kehrt die Depression jedoch meist zurück.

Die Lichttherapie (auch „Phototherapie“) kommt vor allem bei der sogenannten Winterdepression („saisonal abhängige Depression“) zum Einsatz, also bei jahreszeitlich bedingten depressiven Erkrankungen. Der Patient bzw. die Patientin setzt sich dabei täglich für etwa eine halbe Stunde vor eine spezielle Lampe, die sehr helles Licht abgibt. Eine erste Verbesserung zeigt sich meist nach ca. einer Woche.

Die Elektroheilbehandlung (auch „Elektrokonvulsionstherapie“ oder „Elektrokrampftherapie“) wird vor allem bei schweren Depressionen eingesetzt bzw. bei Depressionsformen, die nicht auf eine Behandlung ansprechen. Die Methode ist sehr wirksam und erzielt vor allem bei älteren Betroffenen gute Erfolge. Auch bei völlig verzweifelten Patienten, die seit vielen Monaten unter schwersten Depressionen leiden, bringt sie die Krankheit zum Abklingen.

Bei dieser Behandlung erhält der Patient bzw. die Patientin zunächst eine Kurznarkose und ein muskelentspannendes Mittel. Über Elektroden (also elektrisch leitende Klebeplättchen) an der Kopfhaut werden nun Stromimpulse geleitet, die einen Krampfanfall wie bei einer Epilepsie auslösen. Durch das muskelentspannende Mittel nimmt der Patient bzw. die Patientin diesen Krampfanfall in der Narkose nicht wahr, auch äußerlich ist er kaum sichtbar. Die Elektroheilbehandlung wird im Verlauf der folgenden Wochen mehrfach wiederholt. Wie bei anderen medizinischen Eingriffen auch findet vorher ein eingehendes Gespräch über diese Behandlungsform mit dem Patienten bzw. der Patientin statt, meist auch mit den Angehörigen.

Hinweis: Weiterführende Informationen für Betroffene finden Sie hier