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Augenärzte als Partner: Gemeinsam das Sehvermögen erhalten

Prof. Dr. med. Bernd Bertram

1. Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands

Wenn Menschen erfahren, dass sie an einer Augenkrankheit leiden, dann ist Verunsicherung eine normale Reaktion. „Was bedeutet die Diagnose für mein künftiges Leben? Ist die Krankheit heil- oder behandelbar? Muss ich mich mit einem Sehverlust abfinden?“ Nachdem sie die Diagnose erfahren haben, sind sie vielleicht zu aufgeregt, den Ausführungen des Arztes zu folgen. Viele Fragen, die sie stellen möchten, fallen ihnen erst ein, nachdem sie das Sprechzimmer verlassen haben. Da ist ein weiterer Termin für ein persönliches Gespräch oft sinnvoll.

Meistens kann die Augenärztin oder der Augenarzt helfen: Am einfachsten ist es bei der Alterssichtigkeit - die Betroffenen erhalten eine Brillenverordnung. Der Graue Star, die häufigste Augenkrankheit im Alter, kann mit einer meist ambulant ausgeführten Operation geheilt werden.

Bei anderen Krankheiten ist die Diagnose der Beginn einer andauernden Partnerschaft von Augenarzt und Patient: Gemeinsam können sie chronische Krankheiten wie das Glaukom, diabetische Netzhauterkrankungen und auch die feuchte Altersabhängige Makula-Degeneration in den Griff bekommen und einen Sehverlust stoppen oder ganz vermeiden. Mit modernen Untersuchungsmethoden kann die Augenärztin oder der Augenarzt den Verlauf der Krankheit detailliert verfolgen und bei Bedarf die Therapie anpassen. Dafür ist es wichtig, dass die Betroffenen die Termine für Kontrolluntersuchungen zuverlässig wahrnehmen. Im Falle der feuchten AMD etwa stehen sie alle vier Wochen an. Die Patientinnen und Patienten können selbst viel für die Gesundheit ihrer Augen tun, indem sie die Therapieanweisungen sorgfältig befolgen. So werden beim Glaukom oft mehrfach am Tag Medikamente ins Auge getropft. Wer das zuverlässig macht, hat die Chance, über Jahre hinweg sein Sehvermögen zu erhalten. Viele Dinge, die für die Lebensqualität im Alter wichtig sind, bleiben dann möglich: mobil bleiben, lesen, seinen Hobbys nachgehen.

Die Behandlung chronischer Augenkrankheiten ist eine Herausforderung für Augenärztinnen und -ärzte: Der Bedarf an Beratung ist groß und die Betreuung der Patienten aufwendig. Moderne Untersuchungsgeräte liefern wertvolle Informationen über den Krankheitsverlauf und den Erfolg der Behandlung, doch hier stellt sich oftmals die Frage der Kostenübernahme.

Schließlich gibt es Fälle, bei denen die Augenärztinnen und Augenärzte an die Grenzen ihrer Möglichkeiten kommen: Dann können sie Kontakte zu Beratungsstellen und Selbsthilfeorganisationen herstellen. Diese zeigen Wege auf, wie auch mit einer Sehbehinderung oder Blindheit ein eigenständiges, erfülltes Leben möglich ist.