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Zurück zur ÜbersichtFactsheet Kinder- und Jugendgesundheit: Grundschulkinder (6 bis 11 Jahre)

BewegungZahlen und Fakten

Prof. Dr. Katharina Rathmann, Alice Hörner


Mit dem Eintritt in die Grundschule verändert sich der Alltag von Kindern deutlich. Neben schulischen Anforderungen gewinnen Freundschaften, gemeinsames Spielen und die zunehmende Selbstständigkeit an Bedeutung. Bewegung bleibt dabei ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung. Kinder verbessern ihre Ausdauer, Kraft, Koordination und Geschicklichkeit und lernen zunehmend, komplexere Bewegungsabläufe auszuführen. Ob auf dem Schulhof, im Verein, auf dem Spielplatz oder in der Freizeit: Vielfältige Bewegungserfahrungen unterstützen nicht nur die körperliche Entwicklung, sondern auch das Selbstvertrauen und das soziale Miteinander.

Gleichzeitig nimmt der Anteil an Zeit zu, die Kinder im Sitzen verbringen. Schule, Hausaufgaben, digitale Medien und andere strukturierte Freizeitaktivitäten können den Bewegungsalltag einschränken. Wie viel und welche Möglichkeiten Kinder für körperliche Aktivität haben, hängt dabei auch von ihrem sozialen Umfeld und ihren Lebensbedingungen ab. Der Zugang zu Sportvereinen, sicheren Spiel- und Bewegungsräumen sowie die Möglichkeiten der Familie, gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen, sind wichtige Einflussfaktoren. Unterschiede in den sozialen und finanziellen Voraussetzungen können daher auch zu unterschiedlichen Chancen auf Bewegung und Teilhabe führen.

Inhalt

Kurzzusammenfassung: Das folgende Factsheet beleuchtet zentrale Daten und Rahmenbedingungen zur Gesundheit und Lebenssituation von Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren. Es zeigt auf an welchen Stellen Maßnahmen ansetzen können, um allen Kindern ein körperlich aktives Aufwachsen zu ermöglichen.

Demografie und sozioökonomische Situation

  • Nach Angaben des Zensus 2022 (Stichtag 31.12.2024) lebten insgesamt 4.817.394 Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren in Deutschland.1
  • Die 6- bis 11-Jährigen machten damit rund 5,8 Prozent der Gesamtbevölkerung von 83.577.140 Personen im Jahr 2024 in Deutschland aus.2
  • Der Anteil der Mädchen in der Altersgruppe der 6- bis 11-Jährigen lag bei 48,8 Prozent (2.348.855) und der Anteil der Jungen lag bei 51,2 Prozent (2.468.539).2
  • Nach Angaben der Ausländerstatistik im Jahr 2024 (Stichtag: 31.12.2024) besaßen 845.245 Kinder zwischen 6 und 11 Jahren eine unbekannte oder nicht-deutsche Staatsangehörigkeit.1 Das entspricht einem Anteil von 17,5 Prozent aller 6- bis 11-Jährigen.1 3 Die Ukraine war Ende 2024 mit 15,8 Prozent (134.235 Kinder zum Stichtag: 31.12.2024) das häufigste Herkunftsland der 6- bis 11-jährigen Kinder mit Migrationshintergrund. 3 
  • Nach Angaben des Mikrozensus (Stand: 2021, Altersgruppe: unter 15 Jahren) sind Arabisch mit 15,4 Prozent, gefolgt von Türkisch (12,8 Prozent), Russisch (8,9 Prozent), Kurdisch (6,2 Prozent), Polnisch (5,8 Prozent), Rumänisch (5,2 Prozent) sowie Englisch (4,9 Prozent) und Albanisch (4,3 Prozent) die am häufigsten gesprochenen nichtdeutschen Familiensprachen.4

  • Es liegen repräsentative Daten des Statistischen Bundesamtes zu Einschulungen von Grundschulkindern vor. Im Schuljahr 2024/2025 wurden 829.657 Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren in die erste Klasse eingeschult. Darunter wurden 93,2 Prozent in die Grundschule, 3,4 Prozent der Kinder in eine Förderschule, 2,5 Prozent in eine Schule mit drei Bildungsgängen (z. B. integrierte Gesamtschulen) und 0,9 Prozent in eine Freie Waldorfschule eingeschult. 5

Bildungsferne: Die Bildungsferne von Kindern und Jugendlichen wird im Rahmen des Mikrozensus Deutschland über den höchsten Bildungsabschluss der Eltern erfasst. Als bildungsfern werden jene Kinder erachtet, deren Eltern keinen berufsqualifizierenden Bildungsabschluss haben. 6

  • Die Bildung der Eltern zählt zu den zentralen sozioökonomischen Determinanten der Kindergesundheit.7
  • Nach Angaben des Mikrozensus ist der Anteil an bildungsfernen Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren zwischen 2011 (11,3 Prozent) und 2021 (17,7 Prozent) gestiegen.6
  • Im Jahr 2021 lebten 5,5 Prozent der Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren in Haushalten, in denen die Eltern über keinen Schulabschluss verfügten. Weitere 5,0 Prozent der Kinder hatten Eltern mit höchstens einem Hauptschulabschluss. Bei 4,1 Prozent der Kinder lag der höchste elterliche Bildungsabschluss auf Realschulniveau. Zudem wiesen 3,1 Prozent mindestens einen Elternteil mit Hochschulreife, jedoch ohne berufsqualifizierenden Abschluss auf.6

  • Der Mikrozensus 2023 erhob Angaben zur familiären Situation minderjähriger Personen in Deutschland, darunter auch Daten zur Altersgruppe der 6- bis 14-Jährigen, in die die 6- bis 11-Jährigen eingeordnet sind.8 Den Ergebnissen zufolge entfiel die Hälfte aller in deutschen Haushalten lebenden minderjährigen Kinder auf die Altersgruppe der 6- bis 14-Jährigen. Unterschiede zeigen sich dabei nach Familienform: In Ehepaarhaushalten sind 50 Prozent der minderjährigen Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren. In Lebensgemeinschaften liegt dieser Anteil bei 43 Prozent, während in Haushalten Alleinerziehender ein Anteil von 55 Prozent dieser Altersgruppe zugeordnet ist. 8
  • Ergebnisse des Mikrozensus 2023 weisen darauf hin, dass der überwiegende Teil der Kinder in Deutschland gemeinsam mit mindestens einem Geschwisterkind aufwuchs. Rund 30 Prozent lebten ohne Geschwister, 44 Prozent mit einem Geschwisterkind, 18 Prozent mit zwei Geschwistern und 8 Prozent mit drei oder mehr Geschwistern im selben Haushalt. 9

Definition Armutsgefährdungsquote: Die Armutsgefährdungsquote gibt den Anteil der Personen an, deren verfügbares Äquivalenzeinkommen (sog. Median-Einkommen im Haushalt) unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt. Diese Schwelle entspricht 60 Prozent des Median-Äquivalenzeinkommens und wird aus dem bedarfsgewichteten Haushaltseinkommen des Vorjahres berechnet (modifizierte Skala der „Organization for Economic Co-operation and Development“, OECD, dt.: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). 10

  • Für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren liegen keine repräsentativen Daten zur Armutsgefährdung vor.11 Das Statistische Bundesamt erfasst jedoch die Armutsgefährdung für alle Minderjährigen unter 18 Jahren. Im Jahr 2024 waren in Deutschland 15,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen armutsgefährdet, was etwa 2,2 Millionen Minderjährigen entspricht. Dieser Wert liegt leicht unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (15,5 Prozent) und unter dem Europäischen Mittel (19,3 Prozent). 11
  • Ein niedriger Bildungsabschluss der Eltern geht dabei mit einer erhöhten Armutsgefährdung der Kinder einher: Kinder unter 18 Jahren von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss waren zu 41,8 Prozent armutsgefährdet, bei einem mittleren Abschluss lag die Quote bei 15,2 Prozent, und bei einem hohen Abschluss bei 7,2 Prozent. 10
  • Auch Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren) mit Einwanderungsgeschichte sind häufiger von Armutsgefährdung betroffen. 31,9 Prozent der Minderjährigen mit Einwanderungsgeschichte wiesen im Jahr 2024 eine Armutsgefährdung auf, nur 7,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen ohne Einwanderungsgeschichte.11
  • Eine Armutsgefährdung im Kindesalter hat sowohl kurz- als auch langfristige Auswirkungen auf die soziale, psychische, ökonomische und gesundheitliche Entwicklung der Heranwachsenden.12

Gesundheit der 6- bis 11-Jährigen

  • Das Grundschulalter ist im Vergleich zu anderen Altersgruppen eine überwiegend gesunde Lebensphase. Dennoch zeigen sich für die Altersgruppe der 4- bis 6-Jährigen bereits typische Gesundheitszustände und Erkrankungen wie auch soziale Ungleichheiten in der gesundheitlichen Lage. 13
  • Der subjektive Gesundheitszustand von Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren wird in mehreren deutschen Studien überwiegend positiv eingeschätzt. Dies zeigen die „KiGGS - Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (Altersgruppe 3 bis 17 Jahre 14, der „Präventionsradar - Kinder- und Jugendgesundheit in Schulen“ (9 bis 17 Jahre) 16, sowie die deutsche „Health Behavior in School-aged Children“-Studie (HBSC; 11-, 13- und 15-Jährige. 15
    • In der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) bewerteten Eltern den Gesundheitszustand von 95,7 Prozent der 3- bis 17-Jährigen als „sehr gut“ oder „gut“, wobei die Anteile in der Altersgruppe der 7- bis 10-Jährigen mit 97,3 bei Mädchen und 95,6 Prozent bei Jungen besonders hoch ausfielen.14 Ergänzend zeigen Selbstauskünfte aus dem Präventionsradar (Schuljahr 2024/2025), dass 70 Prozent der 9- bis 17-jährigen Schülerinnen und Schüler ihren Gesundheitszustand als „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten. 16 Auch in der „HBSC“-Studie (Erhebungswelle 2022) schätzten 88,8 Prozent der befragten 11-Jährigen ihre subjektive Gesundheit als „eher gut“ ein.15
  • Bereits im Grundschulalter zeigen sich soziale Ungleichheiten in der objektiven und subjektiven Gesundheit der Kinder. 17
  • Ergebnisse der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) verdeutlichen Unterschiede in der subjektiven Gesundheit nach dem sozioökonomischen Status (SES) in der Altersgruppe von 3 bis 17 Jahren: Je höher der SES, desto häufiger bewerteten die Eltern den Gesundheitszustand von Mädchen und Jungen als „sehr gut“ oder „gut“.14 Bei Mädchen im Alter von 3 bis 17 Jahren mit einem niedrigen SES lag der Anteil eines „sehr guten“ bzw. „guten“ Gesundheitszustands bei 93,2 Prozent, 96,1 Prozent bei einem mittleren SES und 98,9 Prozent bei einem hohen SES. Bei Jungen in derselben Altersgruppe betrugen die entsprechenden Anteile 91,5 Prozent (niedriger SES), 95,7 Prozent (mittlerer SES) und 98,3 Prozent (hoher SES).14
  • Die Ergebnisse des AOK-Kindergesundheitsatlas geben zudem Hinweise darauf, dass der subjektive Gesundheitszustand bei chronisch erkrankten Kindern deutlich schlechter eingeschätzt wird. Nur 45 Prozent der Eltern von 0- bis 17-Jährigen mit einer chronischen Erkrankung gaben eine „sehr gute“ Gesundheit an, bei Kindern ohne chronische Erkrankung war es 66 Prozent.18 Die Daten stellen zwar keine repräsentativen Angaben für Deutschland dar, verdeutlichen jedoch die erhöhte Belastung bei chronisch erkrankten Kindern.18

 

 

Morbidität: Morbidität ist definiert als Häufigkeit, mit der eine Erkrankung in einer definierten Population (Bevölkerungsgruppe) und innerhalb eines definierten Zeitraums auftritt.19

Chronische Erkrankungen und Behinderung

Chronische Erkrankungen: Eine einheitliche Definition von chronischen Erkrankungen gibt es nicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) definiert chronische Erkrankungen als „lang andauernde Krankheiten, die nicht vollständig geheilt werden können und eine andauernde oder wiederkehrend erhöhte Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems nach sich ziehen“.20

Behinderung: „Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können“ (§2 Abs. 1 S. 1 SGB IX).

Beeinträchtigung: „Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung zu erwarten ist“ (§2 Abs. 1 S. 2 SGB IX).

Schwerbehinderung: „Menschen sind schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt“ (§2 Abs. 2 SGB IX).

  • Laut statistischem Bundesamt hatten in Deutschland 129.310 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis unter 15 Jahren Ende 2023 (Stichtag: 31.12.2023) eine Schwerbehinderung, d. h. einen Grad der Behinderung von wenigstens 50.21
  • Nach nicht repräsentativen Daten des AOK-Kindergesundheitsatlas 18 zufolge wurden bei 51 Prozent der Kinder im Alter von 7 bis 10 Jahren mindestens einer der abgefragten chronischen Erkrankungen von den Eltern vermutet bzw. diagnostiziert.18 Die von den Eltern am häufigste vermutete bzw. als diagnostiziert angegebene chronischen Erkrankungen ihrer 7- bis 10-jährigen Kinder waren die Sehschwäche bzw. Sehstörung (14 Prozent) und die psychischen Erkrankungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (14 Prozent).18 Im Durchschnitt berichteten die Eltern von 2,2 chronischen Erkrankungen pro betroffenes Kind in dieser Altersgruppe.18

Übergewicht und Adipositas

Übergewicht: In der KiGGS-Studie (Basiserhebung: 2003-2006, Welle 2: 2014-2017) wird Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mithilfe alters- und geschlechtsspezifischer BMI-Perzentile nach Kromeyer-Hauschild bestimmt. 22 23 Der Body-Mass-Index (BMI) ergibt sich aus dem Körpergewicht, das durch die Körpergröße im Quadrat geteilt wird (kg/m²). Liegt dieser Wert über dem 90. Perzentil der entsprechenden Referenzkurve, wird ein Kind als übergewichtig eingestuft. 23

Adipositas: Adipositas bei Personen unter 18 Jahren wird gemäß KiGGS (Welle 2, 2014-2017) anhand derselben BMI-Referenzkurven erfasst und liegt vor, wenn der berechnete BMI oberhalb des 97. Perzentils liegt. Damit gelten Kinder und Jugendliche mit besonders stark erhöhtem BMI im Vergleich zur Referenzpopulation als adipös. 23

  • Da in Deutschland keine Statistik zur Verbreitung von Übergewicht und Adipositas geführt wird, liegen hierzu keine offiziellen Daten vor. Es gibt jedoch Studien, in deren Rahmen entsprechende Daten für Grundschulkinder erhoben wurden und die Rückschlüsse auf die entsprechenden Prävalenzen zulassen. 24 25 26 27
  • Es liegen repräsentative Studienergebnisse der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zu Übergewicht und Adipositas von Kindern im Alter von 7 bis 10 Jahren vor. Der Anteil an Kindern im Alter von 7 bis 10 Jahren mit Übergewicht und Adipositas lag bei 15,4 Prozent (Mädchen: 14,9 Prozent; Jungen: 16,1 Prozent). 27
  • Weiterhin berichtet eine nicht repräsentativen Elternbefragung im Rahmen des AOK-Kindergesundheitsatlas über diagnostiziertes und von Eltern vermutetes starkes Übergewicht bzw. Adipositas. Dabei gaben 1 Prozent der Eltern von 7- bis 10-Jährigen an, dass ihr Kind mit Adipositas oder starkes Übergewicht diagnostiziert wurde, während 3 Prozent der Eltern eine Adipositas oder starkes Übergewicht bei ihren 7- bis 10-jährigen Kindern vermuteten. 18
  • Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind nachweislich besonders häufig von Übergewicht und Adipositas betroffen.23 Hierzu liegen Daten der repräsentativen KiGGS-Studie (Basiserhebung, 2003-2006; 2. Welle 2014-2017) sowie zu Schuleingangsuntersuchungen der Bundesländer Berlin und Niedersachsen vor 7 23 28 29 30: 
    • Die repräsentative KiGGS-Basiserhebung (2003-2006) zeigt soziale Unterschiede in der Adipositasprävalenz: Mit 9,8 Prozent waren 7- bis 10-jährige Kinder mit einem niedrigen Sozialstatus häufiger von Adipositas betroffen als Gleichaltrige mit einem hohen Sozialstatus (3 Prozent).29
    • In der repräsentativen KiGGS-Studie (Welle 2: 2014-2017) liegen keine Daten für die sozialen Unterschiede der Übergewichts- und Adipositasprävalenz für die Altersgruppe 6 bis 11 Jahren vor. Für die Altersgruppe der 3- bis 17-Jährigen zeigt sich ein sozialer Unterschied in der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas: Mit 24,2 Prozent (bei Jungen) bis 27 Prozent (bei Mädchen) wiesen 3- bis 17-Jährige mit niedrigem Sozialstatus häufiger Übergewicht (einschließlich Adipositas) auf, im Vergleich zu Gleichaltrigen mit einem hohen Sozialstatus (6,5 Prozent bei Mädchen; 8,9 Prozent bei Jungen). 23
    • Die Schuleingangsuntersuchung des Bundeslandes Niedersachsen aus dem Jahr 2022 berichtet, dass Schulanfängerinnen und -anfänger aus Familien mit einem bildungsfernen Hintergrund mit 17,4 Prozent häufiger Übergewicht bzw. mit 9,8 Prozent häufiger Adipositas aufwiesen, als Schulanfänge*innen und -anfänger aus Familien mit einem bildungsnahen Hintergrund (Übergewicht: 6,5 Prozent; Adipositas: 2,4 Prozent).28
    • Die Schuleingangsuntersuchung des Bundeslandes Berlin aus dem Jahr 2017 berichtet, dass Schulanfängerinnen und -anfänger (4 bis 7 Jahre) aus Familien mit einem niedrigen sozialen Status („untere Statusgruppe“) mit 9,0 Prozent häufiger Übergewicht, bzw. mit 7,9 Prozent häufiger Adipositas aufwiesen als Schulanfängerinnen und -anfänger aus Familien mit einem hohen sozialen Status („obere Statusgruppe“; Übergewicht: 3,0 Prozent; Adipositas: 1,2 Prozent).31

 

Psychische Gesundheit 

Psychische Gesundheit: Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) beschreibt psychische Gesundheit als einen Zustand des psychischen Wohlbefindens, der es Menschen ermöglicht, mit den Belastungen des Lebens umzugehen, ihre Fähigkeiten zu entfalten, gut zu lernen und zu arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft zu leisten. Psychische Gesundheit hat einen intrinsischen und instrumentellen Wert und ist ein grundlegendes Menschenrecht.32

Psychosomatische Beschwerden

Psychosomatische Beschwerden: Psychosomatische Beschwerden stellen eine wichtige Schnittstelle zwischen psychischen Belastungen und dem physischen Wohlbefinden dar (16). Sie äußern sich unter anderem in Symptomen wie Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafproblemen oder Erschöpfung und können bei Kindern und Jugendliche Hinweise auf Überforderung, Stress oder das Vorliegen einer psychischen Erkrankungen sein.16

  • Die aktuelle HBSC-Studie (für 11-, 13- und 15-Jährige) (15) und der Präventionsradar (für 9- bis 17-Jährige) 16 zeigen deutlich, dass psychosomatische Beschwerden bereits im Kindesalter weit verbreitet sind:
    • Nach Daten der HBSC-Studie (Erhebungswelle 2022) berichteten 31,5 Prozent der 11-Jährigen von „multiplen psychosomatische Beschwerden“. 15
    • Im Präventionsradar (Schuljahres 2024/2025) werden Schlafprobleme und Erschöpfung als die am häufigsten berichteten psychosomatischen Beschwerden genannt. Unter den 9- bis 13-Jährigen berichteten 37,4 Prozent mindestens wöchentlich von Schlafprobleme (wöchentlich: 11 Prozent; mehrmals wöchentlich: 26,4 Prozent) und 57,3 Prozent von regelmäßiger Erschöpfung (wöchentlich: 18,8 Prozent; mehrmals wöchentlich: 38,5 Prozent).16

 

Psychische Auffälligkeiten

Psychische Auffälligkeiten: Psychische Auffälligkeiten bei Kindern liegen vor, wenn Verhalten oder emotionales Erleben deutlich vom altersgerechten Entwicklungsstand sowie von gesellschaftlichen Erwartungen abweichen.33 In der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) werden psychische Auffälligkeiten als Probleme in einem oder mehreren der folgenden Bereiche definiert: emotionale Probleme, Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen, Verhaltensprobleme sowie Hyperaktivität bzw. Unaufmerksamkeit. 34

  • Die KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) legt repräsentative Daten für psychische Auffälligkeiten von Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren vor. Es wurden für 13,8 Prozent (Mädchen) bis 22,3 Prozent (Jungen) der 6- bis 8-Jährigen und für 16,4 (Mädchen) bis 22,2 Prozent (Jungen) der 9- bis 11-Jährigen Kinder psychische Auffälligkeiten festgestellt.34
  • Es liegen keine Daten für soziale Unterschiede in den psychischen Auffälligkeiten in der Altersgruppe der 6- bis 11- Jährigen vor. Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 17 Jahren mit einem niedrigen SES waren mit etwa 23 Prozent bei Mädchen und etwa 29 Prozent bei Jungen signifikant häufiger betroffen als solche mit einem mittleren (Mädchen: etwa 14 Prozent; Jungen: etwa 18 Prozent) oder hohen SES (Mädchen: etwa 7 Prozent; Jungen: etwa 13 Prozent).34
  • Die KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) verdeutlicht, dass bei Jungen häufiger externalisierte Auffälligkeiten (z. B. Aggressivität und Unaufmerksamkeit) auftreten als bei Mädchen. Bei Mädchen sind es häufiger internalisierte Auffälligkeiten (z. B. Depression und Angst). Für Mädchen stellt der Übergang vom Grundschulalter (9 bis 11 Jahre) zum Ende der Jugendzeit (15 bis 17 Jahre) eine sensible Lebensphase dar. In dieser Zeit bleiben die Häufigkeiten an emotionalen und verhaltensbezogenen Problemen häufiger bestehen als bei Jungen. 33
  • Weitere Ergebnisse aus der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigen, dass Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 17 Jahren mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Beeinträchtigung oder Behinderung eine 5-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit für psychische Auffälligkeiten aufwiesen. Unter anderem weisen sie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für spezifische Probleme, wie emotionale Probleme (Odds Ratio: 4,42), Beziehungsprobleme mit Gleichaltrigen (z. B. lieber allein zu sein als mit Gleichaltrigen, sich lieber mit sich selbst beschäftigen) (Odds Ratio: 4,61) und Unaufmerksamkeit/Hyperaktivität (Odds Ratio: 3,95) auf 35

Einsamkeit

  • Es liegen repräsentative Ergebnisse für das Empfinden von Einsamkeit von Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 15 Jahren vor. Nach Angaben der Studie „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) erlebten 22 Prozent der 5- bis 11-Jährigen Einsamkeit (36). Bei 9- bis 13-Jährigen waren es, laut dem Präventionsradar (Schuljahr 2024/2025), 32 Prozent. 16
  • Ein erhöhtes Einsamkeitsempfinden kann bereits im Grundschulalter beobachtet werden (36) und nimmt mit zunehmendem Alter zu. So berichteten in der HBSC-Studie zwischen 7,2 und 10,3 Prozent der 11-Jährigen von Einsamkeit. 37 Auch der Präventionsradar zeigt hohe Prävalenzen, mit 32 Prozent bei 9- bis 13-Jährigen und 34 Prozent bei 14- bis 17-Jährigen 16
  • Das Einsamkeitsempfinden von Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 15 Jahren unterscheidet sich signifikant nach Geschlecht und nach dem SES.16 37 Mädchen (22,3 bis 41 Prozent) und Kinder und Jugendliche, die sich dem diversen Geschlecht zuordnen (45,3 Prozent), fühlten sich häufiger einsam als Jungen (9,1 bis 25 Prozent).16 Kinder und Jugendliche mit einem niedrigen SES (16 bis 49 Prozent) erlebten häufiger Einsamkeit als Kinder und Jugendliche mit einem hohen SES (7,8 bis 29 Prozent).16 37 Weiterhin erlebten Kinder aus einer deprivierten Familie häufiger Einsamkeit als solche aus einer nicht deprivierten Familie (29 Prozent vs. 21 Prozent). 36
  • Die Ergebnisse der AID:A-Studie zeigen auch, dass Einsamkeit bei 5- bis 11-jährigen Kindern aus Ein-Eltern-Haushalten (28 Prozent) und Stieffamilien (34 Prozent) deutlich häufiger auftritt als bei Kindern aus Kernfamilien (22 Prozent).36 Auch finanzielle Deprivationgeht mit höheren Einsamkeitswerten einher (29 Prozent vs. 21 Prozent bei Kindern ohne materielle Einschränkungen). 36
  • Kinder (5 bis 11 Jahre), die von ihren Eltern in der AID:A Umfrage als verhaltensauffällig eingeschätzt werden, berichteten häufiger von Einsamkeit als Kinder ohne Auffälligkeiten. 25 Prozent der verhaltensauffälligen Kinder (vs. 17 Prozent) fühlen sich manchmal einsam im Vergleich zu 17 Prozent der Kinder ohne Auffälligkeiten, während 9 Prozent der verhaltensauffälligen Kinder sich häufig oder ganz oft einsam fühlen im Vergleich zu 5 Prozent der Kinder ohne Auffälligkeiten. 36

Allergien

  • Die KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) legt repräsentative Studienergebnisse für die allergischen Erkrankungen Asthma bronchiale, Heuschnupfen, Neurodermitis und das allergisches Kontaktekzem bei Kindern im Alter von 7 bis 10 Jahren dar. Bei 6,3 Prozent der 7- bis 10-Jährigen lag Asthma vor, bei 10,8 Prozent Heuschnupfen, bei 13,6 Prozent Neurodermitis und bei 3,0 Prozent ein allergisches Kontaktekzem.38
  • In der „S3-Leitlinie Allergieprävention“ sind Empfehlungen zur Allergieprävention im Kindesalter zu finden.39

Mortalität: Der Begriff Mortalität bezieht sich auf die Häufigkeit von Todesfällen in einer Population (Bevölkerungsgruppe) in einem bestimmten Zeitraum.19

  • Im Jahr 2024 sind in Deutschland 405 Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren gestorben. 9 Bezogen auf die 6- bis 11-jährige Bevölkerung im Jahr 2024 (4.817.394 Kinder) entspricht dies einer Sterberate von 8,41 Todesfällen je 100.000 Kindern bzw. einem Anteil von 0,008 Prozent der 6- bis 11-Jährigen. 
  • Als häufigste Todesursache sind in Deutschland, trotz rückläufigen Trends, Unfallverletzungen 40, wie Verkehrsumfälle (0,7 Todesfälle pro 100 000 Einwohnern bei 5- bis 14-Jährigen) oder Heim- und Freizeitumfälle (0,6 Todesfälle pro 100.000 Einwohnern bei 5- bis 14-Jährigen) zu nennen. 41

Gesundheitskompetenz: Gesundheitskompetenz (GK) wird als die Fähigkeit, das Wissen und die Motivation definiert, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden. 42 43

  • Die bisherige Studienlage macht deutlich, dass bislang nur ausgewählte Ergebnisse zur allgemeinen GK von Kindern für die Alterspanne der 6- bis 11-Jährigen vorliegen. 16 44 45
  • Eine der wenigen Studien zur GK von Grundschülerinnen und Grundschülern (Alter: 8 bis 11 Jahre) berichtet nur geringe Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen: 15,1 Prozent gaben eine inadäquate bzw. problematische GK an, 84,9 Prozent berichteten eine ausreichende bzw. exzellente GK. 44
  • Die motivationale Komponente der GK, welche das Interesse am Thema Gesundheit und die Motivation sich mit Gesundheit zu beschäftigen und gesund zu leben umfasst, ist bei 9- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen nach den Erhebungen des Präventionsradars im Schuljahr 2024/2025 überwiegend niedrig oder moderat ausgeprägt (84 Prozent). 16
  • Zudem ist ein deutlicher sozialer Gradient in der GK erkennbar 7 13: 
    • Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums im Alter von 9 bis 17 Jahren gaben mit 18,9 Prozent häufiger eine hohe motivationale GK an als Gleichaltrige anderer Schulformen (13,7 Prozent). 16
    • Dies bestätigt sich auch entlang des SES für Kinder im Alter von 9 bis 17 Jahren: Kinder mit niedrigerem SES wiesen mit 11,9 Prozent seltener eine hohe GK (11,9 Prozent) auf als jene mit mittlerem oder hohem SES (16,2 Prozent). 16
  • Ergebnisse eines internationalen, systematischen Reviews verdeutlichen, dass die GK der Eltern mit der Gesundheit ihrer Kinder zusammenhängt. Sie beeinflusst maßgeblich das Gesundheitsverhalten und die Gesundheitschancen der Kinder. 46

Für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren können neben den regelhaften kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen zusätzlich die Untersuchungen U10 (etwa im Alter von 7 bis 8 Jahren) und U11 (etwa im Alter von 9 bis 10 Jahren) in Anspruch genommen werden, die als ergänzende Früherkennungsangebote konzipiert sind und je nach Krankenkasse als freiwillige Zusatzleitung angeboten werden.47 Für die bundesweite Inanspruchnahme von U10 und U11 liegen keine aktuellen repräsentativen Daten vor.48

  • Der Impfkalender 2026 der Ständigen Impfkommission (STIKO) sieht Für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren vor allem Auffrischimpfungen des bereits im frühen Kindesalter aufgebauten Impfschutzes, insbesondere gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis. 49
  • Aktuelle bundesweite Daten zur Auffrischimpfung bei Kindern im Schulalter sind begrenzt verfügbar. Auf Basis der KiGGS-Studie zeigt sich, dass unter den 7- bis 10-jährigen Kindern 77,7 Prozent eine Auffrischungsimpfung gegen Tetanus, 77,6 Prozent gegen Diphterie und 76,3 Prozent gegen Pertussis nachweisen konnten. 50
  • Die KiGGS-Studie berichtet, dass über 96 Prozent der 3- bis 17-Jährigen mindestens eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) erhalten haben. Zudem liegt die Quote für die zweite MMR-Impfung gegen Masern insgesamt bei 93,6 Prozent. 50

  • Die KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) legt repräsentative Studienergebnisse zur Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 10 Jahren vor. Aus den befragten Kindern zwischen 7 bis 10 Jahren erreichten 20,2 Prozent nicht die empfohlene Zahnputzhäufigkeit von zweimal Zähneputzen am Tag. 51
  • Weiterhin zeichnen sich soziale Unterschiede in der empfohlenen Zahnputzhäufigkeit ab: Insbesondere Jungen zwischen 0 bis 17 Jahren (25,5 Prozent; Mädchen: 19,0 Prozent), bei Kindern mit zunehmendem Alter (14 bis 17 Jahre: 26,8 Prozent; 11 bis 13 Jahre: 23,0 Prozent), Kinder mit einem niedrigen SES (34,3 Prozent; hoher SES: 14,0 Prozent), sowie Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund (35,0 Prozent; einseitiger Migrationshintergrund: 26,8 Prozent; ohne Migrationshintergrund: 18,7 Prozent) erreichten die empfohlene Zahnputzhäufigkeit häufiger nicht. 51
  • Laut der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) erreichten 19,7 Prozent der 7- bis 10-Jährigen nicht die empfohlene Inanspruchnahme zahnärztlicher Vorsorgeuntersuchungen von zweimal im Jahr. 51
  • Nach Angaben der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) ging ein niedriger SES von Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren mit einem erhöhten Risiko für berichtete Zahnschmerzen (in den letzten drei Monaten ab Erhebungszeitpunkt) einher.52  Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem SES haben ein 1,5-fach höheres Risiko einmalig oder wiederholt Zahnschmerzen zu haben, im Vergleich zur hohen SES-Gruppe. 52
  • Die KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigt, dass Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 17 Jahren mit Behinderungen häufiger über Zahnschmerzen berichteten (23,5 Prozent) als Gleichaltrige ohne Behinderung (15,9 Prozent). Vermittelt wird dieser Zusammenhang vor allem durch eine zu geringe Zahnputzfrequenz und einen niedrigen SES. 52

  • Die empfohlene Schlafdauer liegt für 6- bis 12-Jährige bei 9 bis 12 Stunden täglich. 53 54
  • Für die Schlafdauer liegen keine nationalen repräsentativen Daten für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren vor. 
  • Auswertungen des Präventionsradars im Schuljahr 2024/2025 zeigen, dass 9- bis 13-Jährige zu 11 Prozent wöchentlich und 26,4 Prozent mehrmals pro Woche von Schlafproblemen berichten. 16

Gesundheitsverhalten der 6- bis 11-Jährigen mit Schwerpunkt Bewegung

Gesundheitsverhalten: „Als Gesundheitsverhalten werden Handlungen von gesunden Menschen bezeichnet, die das Risiko von Erkrankungen nachweislich senken oder die Chance für den Erhalt der Gesundheit erhöhen“. 55

 

  • Bewegung stellt einen wesentlichen Bestandteil für ein gesundes Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen dar.56
  • Es zeigen sich soziale Ungleichheiten im Bewegungsverhalten von Kindern im Alter von 6-11 Jahren. 17

Bewegungsempfehlungen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Kindern zwischen 5 und 17 Jahren über die Woche hinweg eine durchschnittliche Bewegungszeit von mindestens 60 Minuten am Tag, mit einer moderaten bis hohen Intensität, die insbesondere die Ausdauer fördern. Zusätzlich sollen an mindestens drei Tagen pro Woche Aktivitäten mit einer höheren Intensität ausgeübt werden, welche die Ausdauer, aber auch die Muskeln und die Knochen stärken.57 Die nationalen Bewegungsempfehlungen in Deutschland raten Kindern im Grundschulalter zu einer tägliche Bewegungszeit von 90 Minuten pro Tag, bei moderater bis hoher Intensität. Davon können 60 Minuten auch alltägliche körperliche Aktivität, wie das Gehen sein.58

  • Zum Einhalten der Bewegungsempfehlungen gibt es bevölkerungsrepräsentative Studien aus Deutschland. Nach Angaben der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) sowie der „Motorik-Modul (MoMo)“-Studie erfüllten 22,8 bis 30 Prozent (95 Prozent Konfidenzintervall (KI) 20,1-25,8) der 6- bis 10-Jährigen die WHO-Bewegungsempfehlungen in den Jahren 2020 bis 2021.58 60 Nach der Coronapandemie (2023) waren die Prävalenzen im Vergleich zum Jahr 2021 etwa gleichbleibend. 61
  • 6- bis 10-jährige Jungen bewegten sich durchschnittlich mehr als gleichaltrige Mädchen.62 Nach der MoMo-Studie 2019 erreichten weniger Mädchen (38,5 Prozent) als Jungen (65,5 Prozent) die Bewegungsempfehlungen der WHO.63 Ähnliche Muster zeigen auch die Ergebnisse der KiGGS Welle 2014/2017 64: Bei 11-jährigen Kindern waren es laut der HBSC-Studie 2022 mit 14,7 Prozent (95 Prozent KI 12,3-17,6) ebenfalls weniger Mädchen als Jungen (26,5 Prozent; 95 Prozent KI 23,0-30,4), die die WHO-Bewegungsempfehlungen erreichten. 65
  • Nach Angaben der MoMo-Studie 2023 erreichten Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren mit niedrigem SES im Gegensatz zu einem hohen SES seltener die WHO-Empfehlung (5,6 Prozent vs. 18,0 Prozent) und trieben weniger Freizeitsport (4,9 Min/Tag vs. 9,5 Min/Tag).61

Körperliche Aktivität: Körperliche Aktivität ist ein Oberbegriff und bezieht sich auf „jede körperliche Bewegung, die durch die Skelettmuskulatur produziert wird und den Energieverbrauch über den Grundumsatz anhebt“.58 Zu alltäglicher körperlichen Aktivität (Alltagsbewegung) gehört körperliche Aktivität im Rahmen der Hausarbeit oder der Mobilität (z. B. Radfahren, Gehen).58 Zu sportlicher Aktivität gehört insbesondere der Spaß an der Bewegung, körperliche Leistung und Wettkampf, darunter z. B. das Schwimmen, Fußballspielen und Turnen. Sportliche Aktivität kann in Sportvereinen (organisierter Sport) und außerhalb von Sportvereinen (unorganisierter Sport) stattfinden.62 67

  • Körperliche Aktivität im Kindes- und Jugendalter (im Alter von 5 bis 17 Jahre) hat positive Auswirkungen auf die körperliche Fitness (darunter die Herz-Lungen- und die muskuläre Fitness), die kardiometabolische Gesundheit (darunter zählt der Blutdruck, Cholesterinspiegel, Glukose- und Insulinstoffwechsel), die Gesundheit der Knochen, die kognitive Gesundheit (u. a. die schulischen Leistungen), die mentale Gesundheit sowie die Reduzierung des Adipositasrisikos.57
  • Zur körperlichen Aktivität, darunter der Alltagsbewegung und sportlichen Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland liegen repräsentative Daten vor: Die „Motorik-Modul“ Studie 60 zeigt, dass knapp 60 Prozent der Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren im Rahmen der Alltagsbewegung einen aktiven Weg (d. h. zu Fuß laufen oder Fahrradfahren) zur Grundschule bestreiteten. 62
  • Mädchen wiesen bei einer durchschnittlichen moderat bis anstrengenden körperlichen Aktivität eine kürzere Aktivitätszeit als Jungen (MoMo-Studie 2019: Mädchen: 56,6 Minuten/Tag; Jungen: 72,3 Minuten/Tag) 63 sowie einen geringeren Teilnahme-Anteil am organisierten Sport auf. 62 In der Alltagsbewegung zeigten sich Mädchen im Alter von 6 bis 10 Jahren aktiver als Jungen. 62 63
  • Nach Angaben der MoMo-Studie 2020 nahmen etwa 60 Prozent bis 70 Prozent der Kinder zwischen 6 und 10 Jahren zwischen 2013 und 2020 an Angeboten des organisierten Sports (Vereinssport) teil.62

Medienempfehlung: Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (ehemals: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) empfiehlt für Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren eine tägliche Medienzeit von maximal 45 Minuten und für 9- bis 11-Jährige maximal 60 Minuten. Zu den berücksichtigten Medien zählen Fernseher, Spielekonsolen, Tablets und Smartphones. Die schulische Mediennutzung ist dabei ausgenommen. Eltern wird geraten gemeinsam mit ihren Kindern feste Regeln für den Medienumgang zu entwickeln und dieses aktiv einzuüben. Dazu gehören unter anderem die Vereinbarung fester Medienzeiten (z. B. tägliche und wöchentliche Gesamtzeiten) und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen (z. B. Verzicht auf eigene Geräte wie Fernseher, Spielekonsole oder Computer im Kinderzimmer sowie die Vorbildfunktion der Eltern durch eine reflektierte eigene Mediennutzung). Zudem sollten Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder begleiten, indem sie auf altersgerechte Inhalte achten, Sicherheitseinstellungen zum Schutz der Privatsphäre nutzen und ungeeignete Inhalte vermeiden.53 68 Bildschirmmedien sollten nicht zur Belohnung, Bestrafung oder Beruhigung eingesetzte werden. Während des Essens, insbesondere der gemeinsamen Mahlzeiten, sollten keine Bildschirmmedien genutzt werden.24

  • (Digitale) Medien werden im Alter von 6-11 Jahren überwiegend im familiären Kontext genutzt und ergänzen klassische Freizeitbeschäftigungen, wie draußen sein. 12
  • Die „KIM – Kindheit, Internet, Medien“- Studie-Studie 69 zeigt für Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren, dass digitale Medien, wie Computer, Smartphone oder Online-Anwendungen im Laufe der Grundschulzeit eine immer wichtigere Rolle in der Freizeit der Kinder spielen. Mit zunehmendem Alter nutzten sie auch das Internet häufiger: Bei den 6- bis 7-Jährigen sind es 37 Prozent, bei den 8-bis 9-Jährigen 67 Prozent und bei den 10-bis 11-Jährigen 88 Prozent. In der ältesten Altersgruppe (12- bis 13-Jährige) ist jedes zweite Kind täglich online (69 Prozent). 
  • Nach Einschätzung der Erziehungsberechtigten verbringen die Kinder werktags dabei durchschnittlich etwa 45 Minuten pro Tag im Internet. 69
  • Kinder und Jugendliche spielten in ihrer Freizeit überwiegend mit dem Handy bzw. Smartphone (6-7 Jahre: 49 Prozent; 8-9 Jahre: 74 Prozent; 10-11 Jahre: 83 Prozent) oder mit dem Tablet (6-7 Jahre: 58 Prozent; 8-9 Jahre: 63 Prozent; 10-11 Jahre: 69 Prozent). Weiterhin schauten sie Fernsehen (6-7 Jahre: 50 Prozent; 8-9 Jahre: 53 Prozent; 10-11 Jahre: 54 Prozent) oder Online Videos, Serien oder Filme (6-7 Jahre: 35 Prozent; 8-9 Jahre: 45 Prozent; 10-11 Jahre: 58 Prozent). 69

  • Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft das Konzept der Optimierten Mischkost (OMK) als besonders richtungsgebend für die Erstellung lebensmittelbasierter Ernährungsempfehlung (Food-Based Dietary Guidelines) für Kinder ein.70

Das Konzept der Optimierten Mischkost (OMK) wurde in den 1990er vom Forschungsinstitut für Kinderernährung erarbeitet und im Jahr 2017 überarbeitet. Das Konzept stellt sicher, dass der Energie- und Nährstoffbedarf von Kindern und Jugendlichen durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung gedeckt wird. Die OMK legt einen besonderen Fokus aus einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel (36 Prozent der täglichen Gesamtzufuhr), einen maßvollen Konsum tierischer Produkte (22 Prozent der täglichen Gesamtzufuhr) und einen sparsamen Umgang mit geduldeten Lebensmitteln wie Süßigkeiten (maximal 10 Energieprozent).70

  • Das Ernährungsverhalten der Eltern wirkt sich entscheidend darauf aus, wie Kinder und Jugendliche sich ernähren.70
  • Die „Ernährungsstudie als KiGGS-Modul“ (EsKiMo II, Welle 2, 2015-2017; 6- bis 17-Jährige) 71 legt repräsentative Ergebnisse zum Ernährungsverhalten der Kinder dar: Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 11 Jahren verzehrten nach den Empfehlungen der OMK weniger als die Hälfte der empfohlenen Menge pflanzlicher Lebensmittel, wie Obst (Mädchen: 60 Prozent; Jungen: 62 Prozent) und Gemüse (Mädchen: 80 Prozent; Jungen: 81 Prozent). 71 
  • Zudem erreichten die Mädchen und Jungen dieser Altersgruppe auch die Empfehlungen für kohlenhydratreiche Lebensmittel nicht vollständig: Ein großer Anteil lag hier zwischen 50,0 Prozent und unter 100 Prozent der empfohlenen Zufuhr (Mädchen: 65 Prozent; Jungen: 69 Prozent). 71
  • Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren konsumierten deutlich zu viel der sogenannten „geduldeten Lebensmittel“, wie Süßigkeiten, Limonaden und Knabbereien, die maximal 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr ausmachen sollten: 80 Prozent der Mädchen und 83 Prozent der Jungen überschritten diese OMK-Empfehlung mindestens um das 1,5-fache. 71
  • Jüngere Kinder zwischen 6 und 11 Jahren nehmen deutlich häufiger an gemeinsamen Familienmahlzeiten teil als Jugendliche zwischen 12 bis 17 Jahren: Fast alle Kinder aßen mindestens einmal am Tag mit einem Familienmitglied zusammen, wobei das gemeinsame Abendessen am häufigsten vorkam (96,4 Prozent). Die Häufigkeit gemeinsamer Mahlzeiten weist einen sozialen Gradienten auf, da in Familien mit höherem SES häufiger gemeinsam gefrühstückt (72,9 Prozent) und zu Abend gegessen wurde (92,9 Prozent) als in Familien mit niedrigerem SES (Frühstück: 40,4 Prozent; Abendessen: 80,1 Prozent). 71
  • Etwa 84,4 Prozent der Kinder zwischen 6 und 11 Jahren hatten in der Schule Zugang zu einer warmen Mittagsmahlzeit. Rund 38,6 Prozent der Kinder nutzten dieses Angebot mindestens dreimal pro Woche. 71

 

[ 1 ]

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[ 9 ] Statistisches Bundesamt. (2025e). Pressemitteilung Nr. 222 vom 23. Juni 2025: Gut ein Viertel der Kinder lebte 2024 in kinderreichen Familien.

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[ 17 ] Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit. (2024). Zur gesundheitlichen Lage sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher: Eine Handreichung des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit.

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[ 22 ] Kromeyer-Hauschild, K., Wabitsch, M., Kunze, D., Geller, F., Geiß, H. C., Hesse, V., von Hippel, A., Jaeger, U., Johnsen, D., Korte, W., Menner, K., Müller, G., Müller, J. M., Niemann-Pilatus, A., Remer, T., Schaefer, F., Wittchen, H.-U., Zabransky, S., Zellner, K., Ziegler, A., & Hebebrand, J. (2001). Perzentile für den Body-mass-Index für das Kindes- und Jugendalter unter Heranziehung verschiedener deutscher Stichproben. Monatsschrift Kinderheilkunde, 149(8), 807–818.

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[ 24 ] AWMF. (2019). Evidenzbasierte (S3-) Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AWMF-Nr. 050-002, Version August 2019). AWMF.

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[ 25 ] Deutsche Gesellschaft für Ernährung. (2024). 15. DGE-Ernährungsbericht. DGE.

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[ 26 ] Deutscher Bundestag. (2019). Sachstand: Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen (Aktenzeichen: WD 9 - 3000 - 042/19). Fachbereich WD 9: Gesundheit, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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[ 28 ] Hespe-Jungesblut, K., Reißner, K., & Zühlke, C. (2024). Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung: Vergleich von Daten ausgewählter Kommunen vor, während und nach der Covid-19-Pandemie. Niedersachsen. Niedersächsisches Landesgesundheitsamt.

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[ 29 ] Kurth, B.-M., & Schaffrath Rosario, A. (2007). Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Ergebnisse des bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 50, 736–743.

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[ 71 ] Mensink, G. B. M., Haftenberger, M., Barbosa, C. L., Brettschneider, A., Lehmann, F., Frank, M., Heide, K., Moosburger, R., Patelakis, E., & Perlitz, H. (2020). EsKiMo II – Die Ernährungsstudie als KiGGS-Modul: Forschungsbericht.

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