Zurück zur ÜbersichtFactsheet Kinder- und Jugendgesundheit: Kindergartenkinder (4 bis 6 Jahre)
Im Alter von vier bis sechs Jahren erweitern Kinder ihre Fähigkeiten und werden zunehmend selbstständiger. Bewegung spielt dabei eine zentrale Rolle: Beim Rennen, Springen, Klettern, Balancieren, Werfen oder Fangen sammeln sie vielfältige Erfahrungen mit ihrem Körper und ihrer Umwelt. Gleichzeitig lernen sie, Bewegungen gezielter zu steuern, Regeln einzuhalten und körperliche Aktivitäten gemeinsam mit anderen zu gestalten.
In dieser Altersphase gewinnt zudem die Entwicklung von Selbstvertrauen an Bedeutung. Positive Erfahrungen können Kinder darin bestärken, neue Bewegungsformen auszuprobieren, eigene Fähigkeiten einzuschätzen und gemeinsam mit anderen aktiv zu sein. Gleichzeitig kann regelmäßige Bewegung dazu beitragen, körperlichen Gesundheitsrisiken vorzubeugen und einen aktiven Lebensstil frühzeitig zu verankern.
Die Möglichkeiten, die Kinder für Bewegung und aktives Spielen haben, sind jedoch nicht für alle gleich. Sie hängen unter anderem davon ab, welche Bewegungsräume im Alltag zur Verfügung stehen, wie Familien ihre Freizeit gestalten können und welche Angebote Kindertageseinrichtungen und das Wohnumfeld bieten.
Inhalt
Kurzzusammenfassung: Das folgende Factsheet gibt einen Überblick über zentrale Daten und Rahmenbedingungen zur Gesundheit und Lebenssituation von Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren. Dabei wird deutlich, welche Faktoren ihre Bewegungsmöglichkeiten prägen und wo Ansätze für eine Bewegungsförderung bestehen.
Demografie und sozioökonomische Situation
- Laut Statistischem Bundesamt (basierend auf dem Zensus 2022, Stichtag 31.12.2024) lebten insgesamt 2.382.581 Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren in Deutschland.1
- Die 4- bis 6-Jährigen machten damit rund 2,9 Prozent der Gesamtbevölkerung von 83.577.140 Personen im Jahr 2024 in Deutschland aus.1
- Der Anteil der Mädchen in der Altersgruppe der 4- bis 6-Jährigen lag bei 48,8 Prozent (1.161.518) und bei Jungen bei 51,3 Prozent (1.221.063).2
- Laut Statistischem Bundesamt hatten Ende 2024) insgesamt 365.398 Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren eine unbekannte oder nicht-deutsche Staatsangehörigkeit. Das entspricht 15,3 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe.2 Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war Ende 2024 Syrien mit 14,8 Prozent (61.185) das häufigste Herkunftsland unter den 4- bis 6-jährigen Kindern mit Migrationshintergrund.3
- Nach Angaben des Mikrozensus (Stand: 2021, Altersgruppe: unter 15 Jahren) sind Arabisch mit 15,4 Prozent, gefolgt von Türkisch (12,8 Prozent), Russisch (8,9 Prozent), Kurdisch (6,2 Prozent), Polnisch (5,8 Prozent), Rumänisch (5,2 Prozent) sowie Englisch (4,9 Prozent) und Albanisch (4,3 Prozent) die am häufigsten gesprochenen nichtdeutschen Familiensprachen.4
- In Deutschland wurden laut Statistischem Bundesamt (Stand: März 2025) rund 3,9 Millionen Kinder von 0 bis 14 Jahren in Tageseinrichtungen betreut. Den größten Anteil bilden dabei die 3- bis 6-Jährigen mit 57 Prozent (2.234.578).5
- Laut Statistischem Bundesamt lag die Betreuungsquote der 3- bis 6-Jährigen deutschlandweit (Stand: März 2025) bei 95 Prozent. Es zeigen sich jedoch Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die niedrigste Betreuungsquote für diese Altersgruppe zeigte sich in Bremen mit 86,6 Prozent und die höchste Quote in Mecklenburg-Vorpommern mit ca. 100 Prozent.6
- Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2024 48,2 Prozent der Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren ganztags (durchgehende vertraglich vereinbarte Betreuungszeit von mehr als sieben Stunden pro Betreuungstag) in Kindertageseinrichtungen betreut.7
- Die vertraglich vereinbarte Betreuungszeit liegt bei 41,8 Prozent der Kinder in Kindertageseinrichtungen (0 bis 14 Jahre) zum Stichtag 01. März 2025 bei 40 Stunden oder mehr pro Woche. 42,3 Prozent der Kinder haben eine vertraglich vereinbarte Betreuungszeit zwischen 25 bis unter 40 Stunden pro Woche und 15,9 Prozent der Kinder unter 25 Stunden pro Woche.8
Definition Bildungsferne: Die Bildungsferne von Kindern und Jugendlichen wird im Rahmen des Mikrozensus Deutschland über den höchsten Bildungsabschluss der Eltern erfasst. Als bildungsfern werden jene Kinder definiert, deren Eltern keinen berufsqualifizierenden Bildungsabschluss haben 9 .
- Die Bildung der Eltern zählt zu den zentralen sozioökonomischen Determinanten der Kindergesundheit.10
- Im Jahr 2021 lebten 5,1 Prozent der Kinder in Haushalten, in denen die Eltern keinen Schulabschluss besitzen.9 Weitere 4,1 Prozent wuchsen in Familien auf, in denen der Hauptschulabschluss der höchste Bildungsabschluss ist. Bei 3,7 Prozent ist der höchste Abschluss deren Eltern ein Realschulabschluss. Ebenfalls 3,7 Prozent der Kinder lebten in Haushalten, in denen mindestens ein Elternteil über eine Hochschulreife ohne berufsqualifizierenden Abschluss verfügt.9 Insgesamt waren im Jahr 2021 rund 1,31 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern als bildungsfern einzustufen, was 15,7 Prozent aller Familien entspricht.9
- Der Anteil der Kinder unter sechs Jahren, die in bildungsfernen Familien leben, ist (laut Mikrozensus) zwischen 2011 und 2021 gestiegen.9
- Regionale Daten aus den Schuleingangsuntersuchungen (exemplarisch für Aachen in den Jahren 2015 bis 2019) zeigen, dass Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsabschluss ein 26 Prozent erhöhtes Risiko aufweisen, einen sonderpädagogischen Förderbedarf empfohlen zu bekommen, der mit dem Besuch einer Förderschule einhergeht.10 11 Im Gegensatz dazu sind es bei Familien mit hohem Bildungsabschluss der Erziehungsberechtigten sechs Prozent.11 Die häufigsten Förderbedarfe werden in den Bereichen Lernen, Sprache, geistige sowie emotionale und soziale Entwicklung ausgesprochen.11
- Laut Statistischem Bundesamt wurden zum Schuljahr 2024/2025 3,4 Prozent der Schulanfängerinnen und -anfänger (28.256 Kinder) in einer Förderschule eingeschult, davon waren 68,8 Prozent männlich und 31,2 Prozent weiblich.12
- Laut Sozialbericht 2024 lebten im Jahr 2023 etwa 72 Prozent der minderjährigen Kinder (unter 18 Jahren) bei Ehepaaren, 17 Prozent bei einem alleinerziehenden Elternteil und 11 Prozent bei unverheirateten Paaren. 13
- Ergebnisse des Mikrozensus verdeutlichen, dass der überwiegende Teil der Kinder in Deutschland gemeinsam mit mindestens einem Geschwisterkind aufwuchs (Stand: 2024). Rund 30 Prozent lebten ohne Geschwister, 44 Prozent mit einem Geschwisterkind, 18 Prozent mit zwei Geschwistern und 8 Prozent mit drei oder mehr Geschwistern im selben Haushalt. 14
Definition Armutsgefährdungsquote: Die Armutsgefährdungsquote gibt den Anteil der Personen an, deren verfügbares Äquivalenzeinkommen (sog. Median-Einkommen im Haushalt) unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt. Diese Schwelle entspricht 60 Prozent des Median-Äquivalenzeinkommens und wird aus dem bedarfsgewichteten Haushaltseinkommen des Vorjahres berechnet (modifizierte Skala der „Organization for Economic Cooperation and Development“ (OECD, dt.: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.15
- Für Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren liegen keine repräsentativen Daten zur Armutsgefährdung vor.12 Das Statistische Bundesamt erfasst jedoch die Armutsgefährdung für alle Minderjährigen unter 18 Jahren. Im Jahr 2024 waren in Deutschland 15,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen armutsgefährdet, was etwa 2,2 Millionen Minderjährigen entspricht. Dieser Wert liegt leicht unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (15,5 Prozent) und unter dem Europäischen Mittel (19,3 Prozent).12
- Ein niedriger Bildungsabschluss der Eltern geht dabei mit einer erhöhten Armutsgefährdung der Kinder einher. Kinder unter 18 Jahren von Eltern mit einem niedrigen Bildungsabschluss waren zu 41,8 Prozent armutsgefährdet, bei einem mittleren Abschluss lag die Quote bei 15,2 Prozent, und bei einem hohen Abschluss bei 7,2 Prozent.12
- Auch Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren) mit Einwanderungsgeschichte sind häufiger von Armutsgefährdung betroffen. 31,9 Prozent der Minderjährigen mit Einwanderungsgeschichte wiesen im Jahr 2024 eine Armutsgefährdung auf, nur 7,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen ohne Einwanderungsgeschichte.12
- Eine Armutsgefährdung im Kindesalter hat sowohl kurz- als auch langfristige Auswirkungen auf die soziale, psychische, ökonomische und gesundheitliche Entwicklung der Heranwachsenden.16
Gesundheit der 4- bis 6-Jährigen
- Das Vorschul- bzw. Kindergartenalter ist im Vergleich zu anderen Altersgruppen eine überwiegend gesunde Lebensphase. Dennoch zeigen sich für die Altersgruppe der 4-6-Jährigen bereits typische Gesundheitszustände und Erkrankungen wie auch soziale Ungleichheiten in der gesundheitlichen Lage. 17
- Der subjektive Gesundheitszustand von Kindern wird sowohl im Quartalsbericht der aktuellen Studie zur „Kindergesundheit in Deutschland aktuell“ 8 als auch in älteren Untersuchungen wie der Studie zur „Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS-Studie, Welle 2, 2014-2017) überwiegend positiv eingeschätzt.18 19
- Sowohl die KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) als auch die KIDA-Studie8 zeigen einen überwiegend positiven elterlich eingeschätzten Gesundheitszustand von Kindern im frühen Kindesalter. In der KiGGS-Studie bewerteten Eltern den Gesundheitszustand von 95,9 bis 97,2 Prozent der 3- bis 6-Jährigen als „sehr gut“ oder „gut“, während in der KIDA-Studie 8 91,3 Prozent der Eltern den Gesundheitszustand ihrer 3- bis 15-jährigen Kinder als „(sehr) gut“ einschätzten.18 19
- Bereits im Vorschul- bzw. Kindergartenalter zeigen sich soziale Ungleichheiten in der objektiven und subjektiven Gesundheit der Kinder.10 17 20
- Ergebnisse der KiGGS-Studie (Welle 2, 2024-2017) verdeutlichen Unterschiede in der subjektiven Gesundheit nach dem sozioökonomischen Status (SES) in der Altersgruppe von 3 bis 17 Jahren: Je höher der SES, desto häufiger bewerteten die Eltern den Gesundheitszustand von Mädchen und Jungen als „sehr gut“ oder „gut“.19 Bei Mädchen im Alter von 3 bis 17 Jahren mit einem niedrigen SES lag der Anteil eines „sehr guten“ bzw. „guten“ Gesundheitszustands bei 93,2 Prozent, 96,1 Prozent bei einem mittleren SES und 98,9 Prozent bei einem hohen SES. Bei Jungen in derselben Altersgruppe betrugen die entsprechenden Anteile 91,5 Prozent (niedriger SES), 95,7 Prozent (mittlerer SES) und 98,3 Prozent (hoher SES).19
- Die Ergebnisse des AOK-Kindergesundheitsatlas geben zudem Hinweise darauf, dass der subjektive Gesundheitszustand bei chronisch erkrankten Kindern deutlich schlechter eingeschätzt wird.21 Nur 45 Prozent der Eltern von 0- bis 17-Jährigen mit einer chronischen Erkrankung gaben eine „sehr gute“ Gesundheit an, bei Kindern ohne chronische Erkrankung waren es 66 Prozent.21 Die Daten sind zwar keine repräsentativen Angaben für Deutschland, verdeutlichen jedoch die erhöhte Belastung bei chronisch erkrankten Kindern.21
Morbidität: Morbidität ist definiert als Häufigkeit, mit der eine Erkrankung in einer definierten Population (Bevölkerungsgruppe) und innerhalb eines definierten Zeitraums auftritt. 22
Chronische Erkrankungen und Behinderung
Chronische Erkrankungen: Eine einheitliche Definition von chronischen Erkrankungen gibt es nicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) definiert chronische Erkrankungen als „lang andauernde Krankheiten, die nicht vollständig geheilt werden können und eine andauernde oder wiederkehrend erhöhte Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems nach sich ziehen“. 23
Behinderung: „Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können“ (§2 Abs. 1 S. 1 SGB IX).
Beeinträchtigung: „Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung zu erwarten ist“ (§2 Abs. 1 S. 2 SGB IX).
Schwerbehinderung: „Menschen sind schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt“ (§2 Abs. 2 SGB IX).
- Laut statistischem Bundesamt hatten in Deutschland 20.000 Kinder im Alter von 4 bis unter 6 Jahren Ende 2023 eine Schwerbehinderung, d. h. einen Grad der Behinderung von wenigstens 50. 24
- Nach nicht repräsentativen Daten des AOK-Kindergesundheitsatlas 2024 (AOK Rheinland/Hamburg) waren 49 Prozent der 3- bis 6-Jährigen (nach Einschätzung der Eltern) von mindestens einer der abgefragten chronischen Erkrankungen, wie Entwicklungsstörungen (14 Prozent), Neurodermitis (12 Prozent) und Sehschwächen/Sehstörungen (12 Prozent) betroffen.21 Im Durchschnitt berichteten die Eltern von 2,2 chronischen Erkrankungen pro betroffenes Kind in dieser Altersgruppe.21
Übergewicht und Adipositas
Übergewicht: In der KiGGS-Studie (Basiserhebung: 2003-2006, Welle 2: 2014-2017) wird Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mithilfe alters- und geschlechtsspezifischer BMI-Perzentile nach Kromeyer-Hauschild bestimmt.25 26 Der Body-Mass-Index (BMI) ergibt sich aus dem Körpergewicht, das durch die Körpergröße im Quadrat geteilt wird (kg/m²). Liegt dieser Wert über dem 90. Perzentil der entsprechenden Referenzkurve, wird ein Kind als übergewichtig eingestuft.26
Adipositas: Adipositas bei Personen unter 18 Jahren wird gemäß KiGGS (Welle 2, 2014-2017) anhand derselben BMI-Referenzkurven erfasst und liegt vor, wenn der berechnete BMI oberhalb des 97. Perzentils liegt. Damit gelten Kinder und Jugendliche mit besonders stark erhöhtem BMI im Vergleich zur Referenzpopulation als adipös. 26
- Da in Deutschland keine Statistik zur Verbreitung von Übergewicht und Adipositas geführt wird, liegen hierzu keine offiziellen Daten vor. Es gibt jedoch Studien, in deren Rahmen entsprechende Daten für Kinder im Kleinkind- und (Vor-)Schulalter erhoben wurden und die Rückschlüsse auf die entsprechenden Prävalenzen zulassen. 27 28 29 30
- Aus der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) liegen repräsentative Daten für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren zu Übergewicht und Adipositas vor.26
- Ergebnisse der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigen, dass der Anteil an Kindern zwischen 3 bis 6 Jahren mit Übergewicht bei 7,3 Prozent (Jungen) bis 10,8 Prozent (Mädchen) lag. Die Adipositasprävalenz liegt bei 3- bis 6-jährigen Mädchen bei 3,2 Prozent und bei Jungen bei 1,0 Prozent.26
- Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind nachweislich besonders häufig von Übergewicht und Adipositas betroffen. Die KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigt für 3- bis 17-Jährige deutliche sozialbedingte Unterschiede 26:
- Für Übergewicht zeigt sich, dass 27,0 Prozent der Mädchen aus Haushalten mit niedrigem SES übergewichtig oder adipös waren, gegenüber 6,5 Prozent mit hohem SES. Bei Jungen liegen die Werte bei 24,2 Prozent (niedriger SES) und 8,2 Prozent (hoher SES). 26
- Für Adipositas zeigen die Ergebnisse der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) für Mädchen (3 bis 17 Jahre) mit niedrigem SES eine Adipositasprävalenz von 8,1 Prozent auf, im Vergleich zu 2,0 Prozent bei Mädchen mit hohem SES. Für Jungen (3 bis 17 Jahre) betrug die Prävalenz 11,4 Prozent im niedrigen und 2,6 Prozent im hohen SES. 26
Psychische Gesundheit
Psychische Gesundheit: Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) beschreibt psychische Gesundheit als einen Zustand des psychischen Wohlbefindens, der es Menschen ermöglicht, mit den Belastungen des Lebens umzugehen, ihre Fähigkeiten zu entfalten, gut zu lernen und zu arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft zu leisten. Psychische Gesundheit hat einen intrinsischen und instrumentellen Wert und ist ein grundlegendes Menschenrecht. 32
Psychosomatische Beschwerden
Psychosomatische Beschwerden: Psychosomatische Beschwerden beziehen sich bei Kindern im Alter von 0 bis 5 Jahren auf körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit, Nervosität oder Einschlafprobleme, die auf psychische Belastungen oder Einschränkungen des kindlichen Wohlbefindens hinweisen. 32
- Für Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren existieren nur eingeschränkt Daten zu psychosomatischen Beschwerden. 33
- Die „Corona-KiTa“-Studie aus dem Jahr 2022 gibt zwar erste Hinweise, basiert jedoch nicht auf einer repräsentativen Stichprobe.32 Verlässliche Prävalenzen liegen erst ab dem Schulalter durch Studien wie „Health Behaviour in School-aged Children” (HBSC) und den „Präventionsradar“ vor.34 35
- Die „Corona-KiTa“-Studie analysierte auf Basis der Elternbefragung der Kinderbetreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts (KiBS) (Stand: Januar bis Mai 2022) psychosomatische Beschwerden bei Kindern bis zum Schuleintritt. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder im Alter von 0 bis 5 Jahren am häufigsten von Reizbarkeit (70 Prozent), Einschlafproblemen (44 Prozent), Bauchschmerzen (32 Prozent), Niedergeschlagenheit (25 Prozent, Nervosität (21 Prozent) und Kopfschmerzen (11 Prozent) betroffen waren.32
Psychische Auffälligkeiten
Psychische Auffälligkeiten: Psychische Auffälligkeiten bei Kindern liegen vor, wenn Verhalten oder emotionales Erleben deutlich vom altersgerechten Entwicklungsstand sowie von gesellschaftlichen Erwartungen abweichen. 36 In der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) werden psychische Auffälligkeiten als Probleme in einem oder mehreren der folgenden Bereiche definiert: emotionale Probleme, Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen, Verhaltensprobleme sowie Hyperaktivität bzw. Unaufmerksamkeit. 37
- Für psychische Auffälligkeiten liegen repräsentative Daten für die Altersgruppe 3 bis 8 Jahren aus der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) und zusätzliche Daten zur Altersgruppe 3 bis 6 Jahren aus dem AOK-Kindergesundheitsatlas 2024 vor.
- Im Rahmen der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigten 13,9 Prozent (Mädchen) bis 20,9 Prozent (Jungen) der 3- bis 5-Jährigen sowie 13,8 Prozent (Mädchen) bis 22,3 Prozent (Jungen) der 6- bis 8-Jährigen psychische Auffälligkeiten. Jungen waren dabei durchgängig häufiger betroffen als Mädchen. 37
- Die KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) macht deutlich, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede im Auftreten psychischer Auffälligkeiten bei 3- bis 17-Jährigen gibt. Jungen zeigen häufiger externalisierte Verhaltensprobleme wie Aggressivität oder Unaufmerksamkeit, während Mädchen tendenziell stärker von internalisierten Problemen wie Ängsten und depressiven Symptomen betroffen sind. Hierzu liegen jedoch keine prozentualen Prävalenzangaben vor. 36
- Ergebnisse des AOK-Kindergesundheitsatlas zeigen, dass bei 3 Prozent der 3- bis 6-Jährigen eine diagnostizierte psychische Erkrankung, Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung vorliegt. Bei 8 Prozent dieser Altersgruppe besteht ein Verdacht auf psychische Erkrankungen, Persönlichkeits- oder Verhaltensstörungen.21
- Die Ergebnisse der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigen einen deutlichen sozialen Gradienten. Kinder mit niedrigem SES (26,0 Prozent) wiesen deutlich häufiger psychische Auffälligkeiten auf als Gleichaltrige aus Familien mit mittlerem (16,1 Prozent) oder hohem SES (9,7 Prozent).37
- Weitere Ergebnisse aus der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigen, dass Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 17 Jahren mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Beeinträchtigung oder Behinderung eine 5-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit für psychische Auffälligkeiten aufweisen. Unter anderem weisen sie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für spezifische Probleme wie emotionale Probleme (Odds Ratio: 4,42), Beziehungsprobleme mit Gleichaltrigen (z. B. lieber allein zu sein als mit Gleichaltrigen, sich lieber mit sich selbst beschäftigen) (Odds Ratio: 4,61) und Unaufmerksamkeit/Hyperaktivität (Odds Ratio: 3,95) auf.38
Einsamkeit
- Laut der Studie „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten (AID:A)“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) berichteten im Jahr 2023 insgesamt 22 Prozent der 5- bis 11-jährigen Kinder, dass sie sich manchmal einsam fühlen. Davon gaben 17 Prozent an, sich „manchmal“ und 5 Prozent, sich „häufig oder ganz oft“ alleine zu fühlen.39
- Die Ergebnisse der AID:A-Studie zeigen auch, dass Einsamkeit bei 5- bis 11-Jährigen Kindern aus Ein-Eltern-Haushalten (28 Prozent) und Stieffamilien (34 Prozent) deutlich häufiger auftritt als bei Kindern aus Kernfamilien (22 Prozent).39 Auch geht eine finanzielle Deprivation in Haushalten mit höheren Einsamkeitswerten bei der 5-11-Jährigen einher (29 Prozent vs. 21 Prozent bei Kindern finanzielle oder materielle Einschränkungen).39
- Kinder (5 bis 11 Jahre), die von ihren Eltern in der AID:A-Studie als verhaltensauffällig eingeschätzt wurden, berichteten häufiger von Einsamkeit als Kinder ohne Auffälligkeiten. 25 Prozent der verhaltensauffälligen Kinder (vs. 17 Prozent) fühlen sich manchmal einsam im Vergleich zu 17 Prozent der Kinder ohne Auffälligkeiten, während 9 Prozent der verhaltensauffälligen Kinder sich häufig oder ganz oft einsam fühlen im Vergleich zu 5 Prozent der Kinder ohne Auffälligkeiten. 39
Allergien
- Für allergische Erkrankungen (wie Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma) liegen repräsentative Daten aus der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) für die Altersspanne von 3 bis 6 Jahren vor. Die Ergebnisse der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) verdeutlichen, dass bei 12,4 Prozent Neurodermitis, 4,5 Prozent Heuschnupfen, 3,6 Prozent Asthma und bei 1,9 Prozent allergisches Kontaktekzem vorlagen. 40
Mortalität: Der Begriff Mortalität bezieht sich auf die Häufigkeit von Todesfällen in einer Population (Bevölkerungsgruppe) in einem bestimmten Zeitraum. 22
- Im Jahr 2024 sind in Deutschland 229 Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren gestorben.41 Bezogen auf die 4- bis 6-jährige Bevölkerung im Jahr 2024 (2.373.397 Kinder) entspricht dies einer Sterberate von 9,65 Todesfällen je 100.000 Kindern bzw. einem Anteil von 0,01 Prozent der 4- bis 6-Jährigen.
- Die häufigste Todesursache in Deutschland, trotz rückläufigen Trends, ist die Unfallverletzung 42 in häuslichen Bereichen und im Straßenverkehr.43
Gesundheitskompetenz: Gesundheitskompetenz (GK) wird als die Fähigkeit, das Wissen und die Motivation definiert, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden. 44 45
- Für Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren liegen derzeit keine Daten zur allgemeinen Gesundheitskompetenz (GK) in Deutschland vor. Die bisherige Forschung setzt in der Regel erst ab dem Grundschulalter an und fokussiert vor allem ältere Kinder und Jugendliche.17
- In internationalen Studien wird aufgezeigt, dass die Gesundheitskompetenz der Eltern mit der Gesundheit ihrer Kinder zusammenhängt. Sie beeinflusst maßgeblich das Gesundheitsverhalten und die Gesundheitschancen der Kinder.46
- Der AOK-Kindergesundheitsatlas bestätigt dies und betont, dass früh einsetzende Maßnahmen zur Stärkung der elterlichen Gesundheitskompetenz entscheidend sind, da sie durch zugängliche Informationen zur körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit die Gesundheitschancen von Kindern bereits im Vorschulalter nachhaltig verbessern können.21
- Für Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren werden die U8- und U9-Früherkennungsuntersuchungen empfohlen. Sie sollen sicherstellen, dass sich Kinder gesund und altersgerecht entwickeln.47
- Repräsentative Befunde aus der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017, Alter: 3 bis 17 Jahre) zeigen, dass die U8 (im Alter von etwa 4 Jahren) von 98,0 Prozent der Kinder in Anspruch genommen wurde. Rund ein Jahr später folgt die U9 (im Alter von etwa 5 Jahren), die letzte große Vorsorgeuntersuchung vor der Einschulung, welche von 98,1 Prozent der Kinder wahrgenommen wurde. 47 Kinder aus Familien mit niedrigem SES (U8: 95,8 Prozent und U9: 96,3 Prozent) und Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund (U8: 94,3 Prozent und U9: 95,2 Prozent) nahmen dabei seltener an den U-Untersuchungen teil.47
- Vor der Einschulung wird jedes Kind im Alter von etwa 5 bis 6 Jahren im Rahmen der verpflichtenden Schuleingangsuntersuchung ärztlich untersucht. Ziel der Untersuchung ist es, festzustellen, ob das Kind körperlich, geistig, seelisch und sozial schulreif ist und ob eventuell Förderbedarf besteht. Die Schuleingangsuntersuchung ersetzt nicht die U9-Vorsorgeuntersuchung, sondern ergänzt sie, da sie speziell auf die Schulreife und die individuelle Unterstützung des Kindes ausgerichtet ist.48
- Kurz vor der Einschulung (d. h. im Alter von 5 bis 6 Jahren) weisen Kinder aus Familien mit niedrigem SES (insbesondere Kinder von Eltern mit einem geringen Bildungsstatus und einem nicht vorhandenen Erwerbsstatus) häufiger körperliche, kognitive, emotionale, sprachliche und motorische Entwicklungsdefizite auf als Kinder aus Familien mit mittleren bis hohen SES.11 20 49
- Der Impfkalender 2026 der Ständigen Impfkommission (STIKO) sieht für 4- bis 6-Jährige vor allem die erste Kombi-Auffrischimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis vor (50). Laut repräsentativen Daten der Schuleingangsuntersuchungen (Geburtsjahrgänge 2012-2015) sind 92,2 bis 92,6 Prozent der Kinder im Alter von 4 bis 7 Jahren gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis geimpft. 51
- Laut repräsentativen Daten der Schuleingangsuntersuchungen (Geburtsjahrgänge 2012-2015) haben im Alter von 4 bis 7 Jahren 93,2 Prozent der Kinder die vollständige Grundimmunisierung (zwei Impfungen) gegen Masern erhalten. 51
- Laut Auswertungen der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) erreichten 21,3 Prozent der 2- bis 6-Jährigen nicht die empfohlene Zahnputzhäufigkeit (d. h. zwei Mal pro Tag mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta). Das Risiko ist bei Jungen, mit zunehmendem Alter, bei niedrigem SES sowie bei beidseitigem Migrationshintergrund deutlich erhöht. 13 Prozent der 3 bis 5-Jährigen erreichten die empfohlene Inanspruchnahme zahnärztlicher Vorsorgeuntersuchungen nicht (d. h. bei Kindern bis 5 Jahren mindestens einmal im Jahr, danach (bis zum Ende des 18. Lebensjahres) zwei Mal pro Jahr).52
- Weitere Auswertungen der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigen, dass ein niedriger SES der Familie mit einem erhöhten Risiko für Zahnschmerzen bei 3- bis 17-Jährigen assoziiert ist.53 Kinder aus Familien mit niedrigem SES haben ein 1,5-fach höheres Risiko im Vergleich zur Gruppe mit einem hohem SES.53
- Die 3- bis 17-Jährigen mit Behinderungen berichteten in der KiGGS Welle 2 (2014-2017) häufiger von Zahnschmerzen (23,5 Prozent) als Gleichaltrige ohne Behinderung (15,9 Prozent).53
- Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren haben Anspruch auf die kostenlosen zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen Z1 bis Z6. Dabei werden die Zähne, die Mundschleimhaut sowie das Wachstum von Kiefer und Gebiss untersucht. Die Untersuchungen können in folgenden Alterszeiträumen wahrgenommen werden 54:
- Z4: 34. bis 48. Lebensmonat (zweieinhalb bis vier Jahre)
- Z5: 49. bis 60. Lebensmonat (4 bis 5 Jahre)
- Z6: 61. bis 72. Lebensmonat (5 bis 6 Jahre)
- Fachgremien, wie die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), empfehlen bei 4-Jährigen durchschnittlich etwa 12 Stunden Schlaf pro Tag; bis zum 6. Lebensjahr reduziert sich der Bedarf auf rund 11 Stunden. Die tatsächliche Schlafdauer schwankt jedoch.55 56 57
- Der Tagesschlaf (z. B. Mittagsschlaf) wird mit zunehmendem Alter deutlich seltener. Rund 35 Prozent der 4-Jährigen schlafen tagsüber, bei 5- bis 6-Jährigen sind es nur noch 8 Prozent bzw. 5 Prozent.56
- Fehlt bei Kindern ohne Bedarf an Mittagsschlaf der natürliche Schlafdruck, kann ein erzwungener Mittagsschlaf das Einschlafen am Abend verzögern; umgekehrt kann ein fortbestehender Tagesschlaf bei älteren Kindern auf nächtliche Schlafstörungen hinweisen.56
Gesundheitsverhalten der 4- bis 6-Jährigen mit Schwerpunkt Bewegung
Gesundheitsverhalten: „Als Gesundheitsverhalten werden Handlungen von gesunden Menschen bezeichnet, die das Risiko von Erkrankungen nachweislich senken oder die Chance für den Erhalt der Gesundheit erhöhen“. 58
- Bewegung stellt einen wesentlichen Bestandteil für ein gesundes Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen dar.59
- Es zeigen sich bereits für 4- bis 6-Jährige soziale Ungleichheiten im Bewegungsverhalten. 10 17 20
Körperliche Aktivität: Körperliche Aktivität ist ein Oberbegriff und bezieht sich auf „jede körperliche Bewegung, die durch die Skelettmuskulatur produziert wird und den Energieverbrauch über den Grundumsatz anhebt“.60 Zu alltäglicher körperlichen Aktivität (Alltagsbewegung) gehört körperliche Aktivität im Rahmen der Hausarbeit oder der Mobilität (z. B. Radfahren, Gehen).60 Zu sportlicher Aktivität gehört insbesondere der Spaß an der Bewegung, körperliche Leistung und Wettkampf, darunter z. B. das Schwimmen, Fußballspielen und Turnen. Sportliche Aktivität kann in Sportvereinen (organisierter Sport) und außerhalb von Sportvereinen (unorganisierter Sport) stattfinden.61 62
- Im Kindesalter (4-7 Jahre) trägt körperliche Aktivität wesentlich zur körperlichen, kardiometabolischen, kognitiven, emotionalen und sozialen Gesundheit bei und senkt zudem das Risiko für Adipositas, wie sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 31 als auch die „Motorik-Modul“ Studie (MoMo, Welle 3, 2018-2022) hervorheben.63
- Ab dem 4. Lebensjahr wird durch das Zusammenspiel von Bewegung und motorischer Entwicklung die Grundlage für spätere Leistungsfähigkeit gelegt, frühe Bewegungsförderung ist daher entscheidend.63
Bewegungsempfehlungen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Kindern zwischen 5 und 17 Jahren über die Woche hinweg eine durchschnittliche Bewegungszeit von mindestens 60 Minuten am Tag, mit einer moderaten bis hohen Intensität, die insbesondere die Ausdauer fördern. Zusätzlich sollen an mindestens drei Tagen pro Woche Aktivitäten mit einer höheren Intensität ausgeübt werden, welche die Ausdauer, aber auch die Muskeln und die Knochen stärken.31 Die nationalen Bewegungsempfehlungen in Deutschland raten Kindergartenkindern im Alter von 4 bis 6 Jahren zu einer täglichen Bewegungszeit von mindestens 3 Stunden (180 Minuten) pro Tag, durch angeleitete Aktivitäten (z. B. im Sportverein) oder nicht-angeleitete Aktivitäten. Bei 4- bis 6-Jährigen sollte die vermeidbare Sitzzeit auf so wenig wie möglich, maximal 30 Minuten pro Tag reduziert werden. 64 65
- Für die Altersgruppe der 4- bis 6-Jährigen liegen nur wenige Datenquellen zum Bewegungsverhalten vor.61 Repräsentative Studien wie KiGGS (Welle 2, 2014-2017) und MoMo (Welle 3, 2018-2022) zeigen jedoch, dass 42,5 bis 48,9 Prozent der 3- bis 6-Jährigen die von der WHO empfohlenen Bewegungszeit erfüllen.66 Während der Pandemie sank dieser Anteil bei den 3- bis 5-Jährigen auf 26,7 Prozent.67
- Daten aus der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, die Bewegungsempfehlungen zu erfüllen, mit zunehmendem Alter sinkt.66 Während noch etwa 45 Prozent der 3- bis 6-Jährigen ausreichend körperlich aktiv waren, erfüllten im Grundschulalter (6 bis 10 Jahre) nur noch 25 bis 30 Prozent die Empfehlungen.66
- Laut der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) erfüllten Jungen im Alter von 4 bis 6 Jahren etwas häufiger die WHO-Bewegungsempfehlungen als Mädchen.66 Mit 4 Jahren lag der Anteil bei etwa 55 Prozent der Jungen gegenüber 48 Prozent der Mädchen, mit 5 Jahren bei 46 Prozent versus 41 Prozent und mit 6 Jahren bei 36 Prozent gegenüber 33 Prozent. Die Unterschiede sind dabei moderat, zeigen aber, dass Jungen in dieser Altersgruppe tendenziell etwas aktiver sind als Mädchen.66
- Soziale Ungleichheiten im Bewegungsverhalten zeigen sich laut MoMo-Studie (Welle 3, 2018-2022) im Alter von 4 bis 17 Jahren bei einem niedrigen familiären SES. Die Kinder trieben seltener Freizeitsport, waren seltener in Sportvereinen aktiv und wiesen kurz vor der Einschulung häufiger körperliche, kognitive und motorische Entwicklungsdefizite auf.68
Medienempfehlung: Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (ehemals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) 69 empfiehlt für Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren eine tägliche Medienzeit von maximal 30 Minuten unter Beaufsichtigung der Eltern. Zu den berücksichtigten Medien zählen Fernseher, Spielekonsolen, Tablets und Smartphones, die schulische Mediennutzung ist dabei ausgenommen. Eltern wird geraten gemeinsam mit ihren Kindern feste Regeln für den Medienumgang zu entwickeln und dieses aktiv einzuüben. Dazu gehören unter anderem die Vereinbarung fester Medienzeiten (z. B. tägliche und wöchentliche Gesamtzeiten) und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen (z. B. Verzicht auf eigene Geräte wie Fernseher, Spielekonsole oder Computer im Kinderzimmer sowie die Vorbildfunktion der Eltern durch eine reflektierte eigene Mediennutzung). Zudem sollten Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder begleiten, indem sie auf altersgerechte Inhalte achten, Sicherheitseinstellungen zum Schutz der Privatsphäre nutzen und ungeeignete Inhalte vermeiden.69 Bei Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren wird empfohlen, Bildschirmmedien (wie Fernseher, Handy und Tablet) während der Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen zu vermeiden.57 69 70 71 72 73 Bildschirmmedien sollten nicht zur Belohnung, Bestrafung oder Beruhigung eingesetzte werden. Während des Essens, insbesondere der gemeinsamen Mahlzeiten, sollten keine Bildschirmmedien genutzt werden. 73
- Laut der repräsentative Basisuntersuchung zum Medienumgang 2- bis 5-Jähriger in Deutschland 2023, kurz „miniKIM“-Studie 74, wachsen Kinder in diesem Alter mit einem breitem Medienangebot, wie (smarte) Fernseher, Handys, Tablets, Computer, Radios, Spielekonsolen, CD-/MP3-/Kassetten-Player sowie Bücher und Zeitungen, auf.
- Die meisten 4- bis 5-Jährigen nutzen regelmäßig digitale audiovisuelle Medien, wie Fernseher, Handy und Tablet: 60 Prozent schauen mindestens einmal pro Woche kostenpflichtige Streamingdienste, 40 Prozent klassisches Fernsehen. Täglich greifen 22 Prozent auf kostenpflichtiges Streaming und 14 Prozent auf klassisches Fernsehen zurück.74
- Die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer der 4- bis 5-Jährigen lag bei 26 Minuten für Streamingdienste und 16 Minuten für klassisches Fernsehen.74
- Tablets und Handys werden ebenfalls regelmäßig von den 4- bis 5-Jährigen genutzt: 41 Prozent verwendeten wöchentlich ein Tablet, 21 Prozent ein Handy/Smartphone; 7 Prozent nutzten täglich ein Handy/Smartphone.74
- Laut Ergebnissen der MoMo-Studie (Welle 3, 2018-2022) geht eine hohe Bildschirmzeit mit insgesamt geringerer Bewegung einher.68
- Die Datenlage zum Ernährungsverhalten in der Altersgruppe der 4- bis 6-Jährigen ist für Deutschland als gering einzuschätzen.
- Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft das Konzept der Optimierten Mischkost (OMK) als besonders richtungsgebend für die Erstellung lebensmittelbasierter Ernährungsempfehlung (Food-Based Dietary Guidelines, FBDG) für Kinder ein.75
Das Konzept der Optimierten Mischkost (OMK) wurde in den 1990er vom Forschungsinstitut für Kinderernährung erarbeitet und im Jahr 2017 überarbeitet. Das Konzept stellt sicher, dass der Energie- und Nährstoffbedarf von Kindern und Jugendlichen durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung gedeckt wird. Die OMK legt einen besonderen Fokus aus einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel (36 Prozent der täglichen Gesamtzufuhr), einen maßvollen Konsum tierischer Produkte (22 Prozent der täglichen Gesamtzufuhr) und einen sparsamen Umgang mit geduldeten Lebensmitteln wie Süßigkeiten und Softdrinks (maximal 10 Energieprozent).76
- Das Ernährungsverhalten der Eltern wirkt sich entscheidend darauf aus, wie Kinder und Jugendliche sich ernähren.77
- Laut der deutschlandweiten repräsentativen Kinder-Ernährungsstudie zur Erfassung des Lebensmittelverzehrs (2024), kurz „KiESEL-Studie“, konsumierten 4- bis 5-Jährige deutlich mehr „geduldete Lebensmittel“, d. h. zuckerhaltige Lebensmittel wie Süßigkeiten, Gebäck, Cerealienspezialitäten, Limonade, Knabbergebäck sowie Kartoffelchips, als die empfohlenen 10 Energieprozent. Jungen konsumierten im Durchschnitt 35,9 Energieprozent und Mädchen 31,7 Energieprozent an geduldeten Lebensmitteln. Über 95 Prozent der 4- bis 5-jährigen Kinder überschritten die Empfehlung um mindestens das 1,7-fache. Insgesamt fällt der Überkonsum von ungünstigen Lebensmitteln bei den 4- bis 5-Jährigen stärker aus als bei jüngeren Kleinkindern. 78
- Zudem zeigte sich in der KiESEL-Studie, dass in der Altersgruppe der 4- bis 5-Jährigen über 95 Prozent einen zu geringer Gemüseverzehr (Empfehlung: 12 Prozent der täglichen Gesamtaufnahme) aufweisen. Jungen nahmen im Durchschnitt lediglich 4,6 Prozent und Mädchen 4,9 Prozent der Gesamtzufuhr über Gemüse auf. 78
- Beim Fleischkonsum zeigte sich für die 4- bis 5-Jährigen hingegen ein Überkonsum (Empfehlung: 2 Prozent der täglichen Gesamtaufnahme). Jungen nahmen im Durchschnitt 3,5 Prozent und Mädchen 3,4 Prozent der Gesamtzufuhr über Fleisch und Fleischprodukte auf.78
- Empfehlungen für das Ernährungsverhalten im Vorschul- bzw. Kindergartenalter legen nahe, dass gemeinsame Familienmahlzeiten (mit Vorbildwirkung) ein gesundheitsförderliches Essverhalten fördern. Mahlzeiten sollten zudem regelmäßig sowie in ruhiger, freundlicher Atmosphäre ohne Bildschirmmedien oder andere Reize eingenommen werden.71 79
- Die Verpflegung von Kindern in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen sollte sich nach den Qualitätsstandards in der Gemeinschaftsverpflegung von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) richten.29 71 80 Für Kinder im Vorschul- bzw. Kindergartenalter sollte in der Gemeinschaftsverpflegung insbesondere der DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas herangezogen werden.81
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