Zurück zur ÜbersichtFactsheet Kinder- und Jugendgesundheit: Kleinkinder (1 bis 3 Jahre)
Prof. Dr. Katharina Rathmann, Alice Hörner
Stand: Juli 2026
Die ersten Lebensjahre sind eine entscheidende Phase für die körperliche, motorische, soziale und emotionale Entwicklung eines Kindes. Im Alter von ein bis drei Jahren werden grundlegende Bewegungsfähigkeiten entwickelt und zunehmend selbstständig erprobt: Kinder laufen, klettern, springen, balancieren und entdecken ihre Umgebung.
Wie sich Kinder in dieser frühen Lebensphase entwickeln und welche Möglichkeiten sie für Bewegung haben, wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Neben individuellen Voraussetzungen spielen insbesondere die Lebensbedingungen der Familie eine wichtige Rolle. Finanzielle Belastungen, beengte Wohnverhältnisse oder ein eingeschränkter Zugang zu geeigneten Spiel- und Bewegungsräumen können die Möglichkeiten für aktive Freizeitgestaltung begrenzen. Auch soziale Ressourcen, Bildungs- und Betreuungsangebote sowie das Wohnumfeld beeinflussen, welche Erfahrungen Kinder mit Bewegung sammeln und wie selbstverständlich körperliche Aktivität in ihren Alltag integriert ist.
Eine frühzeitige Förderung kann dazu beitragen, Freude an Bewegung zu entwickeln und die Grundlagen für einen aktiven Lebensstil zu schaffen. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit, gesundheitlichen Risiken wie Bewegungsmangel und der Entwicklung von Übergewicht entgegenzuwirken. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Lebenslagen von Kindern und Familien mitzudenken.
Hinweis: Für Kleinkinder im Alter zwischen ein und drei Jahren liegen in Deutschland nur wenige repräsentative Datenbasen vor. Eine der wenigen Studien, die die soziale und gesundheitliche Lage von Kleinkindern und deren Familien bzw. Erziehungsberechtigten erfasst, ist die Studie „Kinder in Deutschland 0-3 2022 (KiD 0-3 2022)“.1 Diese ist eine bundesweit repräsentative Studie, die neben der gesundheitlichen Lage, der sozioökonomischen Situation in der Familie, auch Belastungen und Ressourcen von Familien mit Kleinkindern im Altern von bis zu drei Jahren erhebt.
Inhalt
Kurzzusammenfassung: Das folgende Factsheet beleuchtet zentrale Rahmenbedingungen und Daten zur Gesundheit und Lebenssituation von Kleinkindern im Alter von ein bis drei Jahren. Sie zeigen auf, an welchen Stellen Bewegungsförderung ansetzen kann, um gesundes Aufwachsen von Anfang an zu unterstützen.
Demografie und sozioökonomische Situation
- Nach Angaben des Zensus 2022 (Stichtag 31.12.2024) lebten insgesamt 2.242.132 Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren in Deutschland. 2
- Die 1- bis 3-Jährigen machten damit rund 2,7 Prozent der Gesamtbevölkerung von 83.577.140 Personen im Jahr 2024 in Deutschland aus. 3
- Ende 2024 (Stichtag: 31.12.2024) besaßen 367.780 Kinder zwischen 1 und 3 Jahren eine unbekannte oder nicht-deutsche Staatsangehörigkeit. 4 Das entspricht einem Anteil von 16,4 Prozent aller 1- bis 3-Jährigen. 2 3 Nach Angaben der Ausländerstatistik war Ende 2024 (Stichtag: 31.12.2024) Syrien mit 13,2 Prozent (48.405) das häufigste Herkunftsland unter den 1- bis 3-jährigen Kindern mit Migra-tionshintergrund. 4
- Nach Angaben des Mikrozensus (Stand: 2021, Altersgruppe: unter 15 Jahren) wa-ren die am häufigsten gesprochenen nichtdeutschen Familiensprachen Arabisch mit 15,4 Prozent, gefolgt von Türkisch (12,8 Prozent), Russisch (8,9 Prozent), Kurdisch (6,2 Prozent), Polnisch (5,8 Prozent), Rumänisch (5,2 Prozent) sowie Englisch (4,9 Prozent) und Albanisch (4,3 Prozent). 5
- Es liegen repräsentative Daten des Statistischen Bundesamtes zur Kindertagesbe-treuung der 1- bis 3-Jährigen vor. In Deutschland wurden laut Statistischem Bundesamt (Stand: Oktober 2025) rund 3,9 Millionen Kinder von 0 bis 14 Jahren in Tageseinrichtungen betreut. Davon entfällt ein Anteil von 17,7 Prozent (671.556) auf die Altersgruppe der 1- bis 3-Jährigen. 6
- Laut Statistischem Bundesamt lag die Betreuungsquote der 0- bis 3-Jährigen deutschlandweit (Stand: Oktober 2025) bei 37,8 Prozent. Es zeigen sich jedoch Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die niedrigste Betreuungsquote für diese Altersgruppe zeigte sich in Bremen mit 31,3 Prozent und die höchste Quote in Mecklenburg-Vorpommern mit 60,5 Prozent. 7
- Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2025 17 Prozent der Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren ganztags (durchgehende vertraglich vereinbarte Betreuungszeit von mehr als sieben Stunden pro Betreuungstag) in Kindertageseinrichtungen betreut. 8
- Die vertraglich vereinbarte Betreuungszeit lag bei 41,8 Prozent der Kinder in Kindertageseinrichtungen (0-14 Jahre) zum Stichtag 01. März 2025 bei 40 Stunden oder mehr pro Woche. 42,3 Prozent der Kinder hatten eine vertraglich vereinbarte Betreuungszeit zwischen 25 bis unter 40 Stunden pro Woche und 15,9 Prozent der Kinder unter 25 Stunden pro Woche. 9
Bildungsferne
Die Bildungsferne von Kindern und Jugendlichen wird im Rahmen des Mikrozensus Deutschland über den höchsten Bildungsabschluss der Eltern erfasst. Als bildungsfern werden jene Kinder definiert, deren Eltern keinen berufsqualifizierenden Bildungsabschluss haben. 10
- Die Bildung der Eltern zählt zu den zentralen sozioökonomischen Determinanten der Kindergesundheit.11
- Nach Angaben des Mikrozensus ist der Anteil der Kinder unter sechs Jahren, die in bildungsfernen Familien leben, zwischen 2011 und 2021 gestiegen.10 Im Jahr 2021 lebten 5,1 Prozent der Kinder in Haushalten, in denen die Eltern keinen Schulabschluss besitzen.10 Weitere 4,1 Prozent wuchsen in Familien auf, in denen der Hauptschulabschluss der höchste Bildungsabschluss ist. Bei 3,7 Prozent war der höchste Abschluss der Eltern ein Realschulabschluss, und ebenfalls 3,7 Prozent der Kinder lebten in Haushalten, in denen mindestens ein Elternteil über eine Hochschulreife ohne berufsqualifizierenden Abschluss verfügt.10 Insgesamt waren im Jahr 2021 rund 1,31 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern als bildungsfern einzustufen, was 15,7 Prozent aller Familien entspricht.10
- Für Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren liegen kaum repräsentative Angaben zur Armutsgefährdung vor. Das Statistische Bundesamt erhebt entsprechende Kennzahlen zwar für alle Minderjährigen unter 18 Jahren, differenziert diese jedoch nicht nach einzelnen Altersgruppen.9
- Laut Sozialbericht 2024 lebten im Jahr 2023 etwa 72 Prozent der minderjährigen Kinder (unter 18 Jahren) bei Ehepaaren, 17 Prozent bei einem alleinerziehenden Elternteil und 11 Prozent bei unverheirateten Paaren.12
- Ergebnisse des Mikrozensus verdeutlichen, dass der überwiegende Teil der Kinder in Deutschland gemeinsam mit mindestens einem Geschwisterkind aufwachsen ist (Stand: 2024). Rund 30 Prozent lebten ohne Geschwister, 44 Prozent mit einem Geschwisterkind, 18 Prozent mit zwei Geschwistern und 8 Prozent mit drei oder mehr Geschwistern im selben Haushalt.9
Definition Armutsgefährdungsquote: Die Armutsgefährdungsquote gibt den Anteil der Personen an, deren verfügbares Äquivalenzeinkommen (sog. Median-Einkommen im Haushalt) unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt. Diese Schwelle entspricht 60 Prozent des Median-Äquivalenzeinkommens und wird aus dem bedarfsgewichteten Haushaltseinkommen des Vorjahres berechnet (modifizierte Skala der „Organization for Economic Co-operation and Development“ (OECD, dt.: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.13
- Für Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren liegen keine Angaben zur Armutsgefährdung vor.14 Das Statistische Bundesamt erfasst jedoch die Armutsgefährdung für alle Minderjährigen unter 18 Jahren. Im Jahr 2024 waren in Deutschland 15,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen armutsgefährdet, was etwa 2,2 Millionen Minderjährigen entspricht. Dieser Wert liegt leicht unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (15,5 Prozent) und unter dem Europäischen Mittel (19,3 Prozent).14
- Ein niedriger Bildungsabschluss der Eltern geht dabei mit einer erhöhten Armutsgefährdung der Kinder einher. Kinder unter 18 Jahren von Eltern mit einem niedrigen Bildungsabschluss waren zu 41,8 Prozent armutsgefährdet, bei einem mittleren Abschluss lag die Quote bei 15,2 Prozent, und bei einem hohen Abschluss bei 7,2 Prozent.14
- Auch Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren) mit Einwanderungsgeschichte sind häufiger von Armutsgefährdung betroffen. 31,9 Prozent der Minderjährigen mit Einwanderungsgeschichte wiesen im Jahr 2024 eine Armutsgefährdung auf (7,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen ohne Einwanderungsgeschichte).14
- Armutsrisiko/Grundsicherung SGB II-Bezug: Ein konkreter Indikator für Armut ist der Bezug von staatlichen Leistungen zur Grundsicherung.15 Ergebnisse der Studie „Kinder in Deutschland 0-3 2022“ verdeutlichen, dass 10,3 Prozent der befragten Familien angaben, staatliche Grundsicherungsleistungen zu beziehen, und gelten daher als arm. Besonders betroffen waren Alleinerziehende (44,9 Prozent von ihnen lebten in Armut) sowie Familien mit niedrigem Bildungsniveau (54,6 Prozent).1 Die Armutsquote unter Alleinerziehenden war überdurchschnittlich hoch (fast 49 Prozent erhalten staatliche Grundsicherung).16
- Ein Armutsrisiko ist oftmals mit einem höheren Unterstützungsbedarf verbunden, da sie häufig mit weiteren Belastungen einhergehen.17 Diese Belastungen kön-nen sich negativ auf die kindliche Gesundheit und Entwicklung auswirken – teils mit lebenslang andauernden Folgen.15
Gesundheit der 1- bis 3-Jährigen
- Datenquellen zur gesundheitlichen Lage von Säuglingen (1.-12. Monat) und Kleinkindern (im Alter von 1-3 Jahren) sind in Deutschland bislang rar oder basieren auf Angaben von Ärztinnen, Ärzten oder Fachpersonen.
- Das Kleinkindalter ist im Vergleich zu anderen Altersgruppen eine überwiegend gesunde Lebensphase. Dennoch zeigen sich für das Kleinkindalter typische Gesundheitszustände und Erkrankungen wie auch soziale Ungleichheiten in der gesundheitlichen Lage. 18 19
- Die bundesweit repräsentative Studie „Kinder in Deutschland 0-3“ (KiD 0-3, 2022) untersucht die gesundheitliche und entwicklungsbezogene Situation von Säuglingen (erstes Lebensjahr) und Kleinkindern (Alter: 1-3 Jahre) sowie deren familiäre Rahmenbedingungen.16 Datengrundlage sind Erhebungen von 7.818 Familien sowie die Einschätzungen von 258 Kinderärztinnen und -ärzten. Hinzu kommen Befragungen von 5.591 Eltern zu familiären Ressourcen und Belastungen. Für die gesundheitlichen Daten wurden Fragebögen im Rahmen regulärer Früherkennungsuntersuchungen (U3-U7a) erhoben und mit den sozialen Daten der Eltern verknüpft.16
- Gesundheitszustand (aus Sicht der Kinderärztinnen und -ärzte): Ergebnisse der repräsentativen Studie „Kinder in Deutschland 0-3“ (KiD 0-3 2022) zeigen, dass die große Mehrheit der Säuglinge (1.-12. Monat) und Kleinkinder (Alter 1-3 Jahre) in Deutschland einen „sehr guten“ Gesundheitszustand aufwiesen 16: Für 77,8 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder (Durchschnitt), für 79,2 Prozent der Säuglinge und 76,5 Prozent der Kleinkinder wurde der Gesundheitszustand als „sehr gut“ eingestuft. Bei armutsbelasteten Kindern fiel der Anteil mit „sehr gutem“ Gesundheitsstatus mit 64 Prozent geringer aus. Auch die Familienform spielt eine Rolle: Kinder alleinerziehender Elternteile wiesen einen deutlich geringeren Anteil in dem „sehr guten“ Gesundheitszustand (62 Prozent) im Vergleich zu Paarfamilien (79 Prozent) auf.16
- Die Ergebnisse des AOK-Kindergesundheitsatlas 20 geben zudem Hinweise auf gesundheitliche Belastungen, insbesondere bei chronisch erkrankten Kindern. Auf Basis von Elternangaben wurde der subjektive Gesundheitszustand bei chronisch erkrankten Kindern deutlich schlechter eingeschätzt: Nur 45 Prozent der Eltern von 0- bis 17-Jährigen mit einer chronischen Erkrankung gaben eine „sehr gute“ Gesundheit an, bei Kindern ohne chronische Erkrankung waren es 66 Prozent.20
Belastungen und Ressourcen in Familien mit Säuglingen und Kleinkindern
- Die bundesweit repräsentative Studie „Kinder in Deutschland 0-3“ (KiD 0-3, 2022) befragte 7.818 Familien mit Kleinkindern (0-3 Jahre) auch zu ihren Belastungen und Ressourcen.1
- Zu den häufigsten (psychosozialen) Belastungen in Familien mit Kleinkindern zählen: Finanzielle Sorgen, Sorgen um den Arbeitsplatz, Sorgen um Nachteile für das eigene Kind, starke Belastung durch die Corona-Pandemie, negative Kindheitserfahrungen, Anzeichen für psychische Probleme sowie Unterschiede bei Merkmalen wie beengte Wohnverhältnisse und fehlende soziale Unterstützung. 1
- Die Ergebnisse zeigen:
- Die Belastung mindestens eines Elternteils wirkte sich ungünstig auf die Entwicklung des Kindes aus: 20 Prozent der Kinder aus diesen Familien waren nach ärztlicher Einschätzung zumindest teilweise entwicklungsverzögert im Vergleich zu Kindern in psychisch unbelasteten Familien (14 Prozent).1
- Multiple Belastungen: 46,4 Prozent aller Familien in Armutslagen wiesen vier oder mehr psychosoziale Belastungsmerkmale (z. B. Gewalt in der Kindheit erlebt) auf, wohingegen dies nur 17,5 Prozent der Familien ohne Armut betraf.1
- Kumulation von Faktoren: Mehr als ein Drittel (43,1 Prozent) armutsbetroffener Familien hatten eine ungeplante Schwangerschaft, gegenüber 12,9 Prozent in Familien ohne Armutslage.1
- Die COVID-19-Pandemie hat bei den Familien bzw. Elternteilen vielfach zu zusätzlicher Belastung geführt, jedoch zugleich gezeigt, dass viele Familien in Deutschland resiliente Bewältigungsstrategien aufweisen. Dennoch zeigen sich Hinweise, dass pandemiebedingte Belastungen bestehende gesundheitliche Ungleichheiten eher verstärkt haben.16 21
Morbidität: Morbidität ist definiert als Häufigkeit, mit der eine Erkrankung in einer definierten Population (Bevölkerungsgruppe) und innerhalb eines definierten Zeitraums auftritt.22
Chronische Erkrankungen und Behinderung
Chronische Erkrankungen: Eine einheitliche Definition von chronischen Erkrankungen gibt es nicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) definiert chronische Erkrankungen als „lang andauernde Krankheiten, die nicht vollständig geheilt werden können und eine andauernde oder wiederkehrend erhöhte Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems nach sich ziehen“.23
Behinderung: „Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können“ (§2 Abs. 1 S. 1 SGB IX).
Beeinträchtigung: „Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung zu erwarten ist“ (§2 Abs. 1 S. 2 SGB IX).
Schwerbehinderung: „Menschen sind schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt“ (§2 Abs. 2 SGB IX).
- Laut statistischem Bundesamt hatten in Deutschland 15.820 Kinder und Jugendliche im Alter von unter 4 Jahren Ende 2023 (Stichtag: 31.12.2023) eine Schwerbehinderung, d. h. einen Grad der Behinderung von wenigstens 50.24
- Grunderkrankungen: 10 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder (Durchschnitt) hatten eine Grunderkrankung (8,4 Prozent der Säuglinge, 12,0 Prozent der Kleinkinder). Besonders häufig sind chronische Erkrankungen (Durchschnitt: 6,3 Prozent; Säuglinge: 5,2 Prozent; Kleinkinder: 7,4 Prozent) und Entwicklungsstörungen (Durchschnitt: 3,2 Prozent; Säuglinge: 2,4 Prozent; Kleinkinder: 4,0 Prozent).16
- Entwicklungsverzögerung (körperlich, sozial, Stimmung/Affekt): 13,9 Prozent (Durchschnitt) waren mindestens in einem Bereich (körperlich, sozial, emotional) mindestens teilweise nicht altersgerecht entwickelt (11,5 Prozent der Säuglinge; 16,1 Prozent der Kleinkinder).16 Auffällig ist, dass Kinder aus Familien mit Armut deutlich häufiger Entwicklungsverzögerungen (21 Prozent) zeigten als Kinder ohne Armutsbelastung (14 Prozent) – dieser Unterschied ist bei Kleinkindern stärker ausgeprägt als bei Säuglingen.16
- Behinderungen: 1,5 Prozent (Durchschnitt) haben eine körperliche Behinderung (1,1 Prozent der Säuglinge; 1,9 Prozent der Kleinkinder) und 0,3 Prozent (Durchschnitt) eine Geistige Behinderung (0,1 Prozent der Säuglinge, 0,5 Prozent der Kleinkinder).16
Übergewicht: In der KiGGS-Studie (Basiserhebung: 2003-2006, Welle 2: 2014-2017) wird Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mithilfe alters- und geschlechtsspezifischer BMI-Perzentile nach Kromeyer-Hauschild bestimmt.25 26 Der Body-Mass-Index (BMI) ergibt sich aus dem Körpergewicht, das durch die Körpergröße im Quadrat geteilt wird (kg/m²). Liegt dieser Wert über dem 90. Perzentil der entsprechenden Referenzkurve, wird ein Kind als übergewichtig eingestuft.26
Adipositas: Adipositas bei Personen unter 18 Jahren wird gemäß KiGGS (Welle 2, 2014-2017) anhand derselben BMI-Referenzkurven erfasst und liegt vor, wenn der berechnete BMI oberhalb des 97. Perzentils liegt. Damit gelten Kinder und Jugendliche mit besonders stark erhöhtem BMI im Vergleich zur Referenzpopulation als adipös.26
- In Deutschland liegen keine eigenständigen Statistiken zur Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern im Alter von 1-3 Jahren vor. Es gibt jedoch Studien, in deren Rahmen entsprechende Daten für Kinder im Kleinkind- und (Vor-) Schulalter (0-5 bzw. 3-6 Jahre) erhoben wurden, aus denen sich Rückschlüsse auf die Altersgruppe 1-3 Jahre ziehen lassen.27 Diese Daten zeigen, dass bereits im Vorschulalter ein relevanter Anteil der Kinder von Übergewicht und Adipositas betroffen ist.27 28 29 30
Prävalenz von Adipositas und Übergewicht
Spezifische, nationale Prävalenzdaten nur für 1‑ bis 3‑Jährige sind begrenzt; verfügbar sind v. a. Daten für Kinder von 0-5 Jahren bzw. 3-6 Jahren, aus denen sich die Situation im Kleinkindalter ableiten lässt. 29
- Schwangere: Bei schwangeren Frauen zeigt sich bei der Erstuntersuchung eine kontinuierliche Zunahme der Übergewichtsprävalenz (2007: 34,1 Prozent; 2022: 43,9 Prozent). Unter anderem kann eine Unter- bzw. Überversorgung des ungeborenen Kindes mit Energie und Nährstoffen seine gesundheitliche Entwicklung bis ins Erwachsenenalter negativ beeinflussen.29
- Neugeborene: Die Prävalenz für ein erhöhtes Geburtsgewicht ist seit 2007 bis 2024 unverändert. 10,3 Prozent der Säuglinge kamen mit einem erhöhten Geburtsgewicht von ≥ 4.000 g auf die Welt. Darunter waren 1,2 Prozent mit einem sehr hohen Geburtsgewicht von ≥ 4.500 g. Ein erhöhtes Geburtsgewicht kann langfristig (im Lebensverlauf) ungünstige gesundheitliche Folgen für das Kind haben, beispielsweise Übergewicht und Adipositas, Typ-2-Diabetes, arterielle Hypertonie, metabolisches Syndrom sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.29
- Kinder und Jugendliche: Zur Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen verweisen die Fachleute auf die KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017). Demnach waren 15,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig, davon waren 5,9 Prozent adipös.26 Laut Auswertungen der KiGGS-Daten (Welle 2, 2014-2017) waren bei den 3‑ bis 6‑jährigen Mädchen 10,8 Prozent übergewichtig und 3,2 Prozent adipös; bei Jungen 7,3 Prozent übergewichtig und 1,0 Prozent adipös.26 29
- Ergänzende Auswertungen (CrescNet-Register) zeigen, dass bei etwa der Hälfte der Jugendlichen mit Adipositas der stärkste Gewichtszuwachs bereits im Kleinkind- und Vorschulalter (2 bis 6 Jahre) stattgefunden hat.29
- Nach dem WHO-Referenzsystem waren in Deutschland rund 3,2 Prozent der Kinder unter fünf Jahren übergewichtig; Mädchen waren mit 5,9 Prozent deutlich häufiger betroffen als Jungen mit 0,7 Prozent.30
Einordnung für das Kleinkindalter 1-3 Jahre
- Die verfügbare Evidenz legt nahe, dass ein kleiner, aber relevanter Anteil der Kinder bereits im Alter von 1-3 Jahren Übergewicht entwickelt und dass diese Kinder ein erhöhtes Risiko für persistierende Adipositas im Kindes- und Jugendalter tragen.26
- Die Prävalenzen für Übergewicht und Adipositas nehmen mit steigendem Alter zu.26 29 Da die Auswertungen mit den KiGGS-Daten (Welle 2, 2014-2017) einen Anstieg der Prävalenzen mit dem Alter innerhalb der Gruppe der 3‑ bis 6‑Jährigen zeigten, ist anzunehmen, dass die Häufigkeit bei 1‑ bis 3‑Jährigen niedriger ist, aber die Phase des raschen, teils überschießenden Gewichtsanstiegs häufig in dieses Zeitfenster fällt.
- Registerauswertungen (CrescNet) deuten zudem darauf hin, dass bei etwa der Hälfte der Jugendlichen mit Adipositas der stärkste Gewichtszuwachs bereits im Vorschulalter (2-6 Jahre) stattgefunden hat, was die Relevanz von Übergewicht und Adipositas in der Altersgruppe der 1-3-Jährigen unterstreicht.29
- Spezifische bundesweite Prävalenzschätzungen ausschließlich für 1- bis 3‑Jährige liegen kaum vor; epidemiologische Analysen verweisen jedoch darauf, dass der kritische Anstieg von BMI und Übergewicht typischerweise im Kleinkind‑ (1-3 Jahre) und Vorschulalter (3-6 Jahre) beginnt.
- Auch zeigen sich Unterschiede nach dem sozioökonomischen Status (SES) und dem Vorliegen eines Migrationshintergrundes in der frühkindlichen Prävalenz von Übergewicht und Adipositas 26 29, zu Ungunsten von Kindern mit niedrigem SES und Vorliegen eines Migrationshintergrundes.
Determinanten und Risikofaktoren
Mehrere, teils schon im Säuglingsalter wirksame Faktoren beeinflussen die Entstehung von Übergewicht und Adipositas im Kleinkindalter. Dazu gehören insbesondere:
Ernährungs- und Bewegungsverhalten 31
- Energie- und zuckerreiche Kost, frühzeitiger und häufiger Verzehr von Süßgetränken und stark verarbeiteten Lebensmitteln.
- Kurze oder fehlende Stilldauer und frühe Einführung hochkalorischer Beikost.
- Geringe körperliche Aktivität und vermehrtes Sitzen, oft kombiniert mit hohem Bildschirmkonsum schon im Kleinkindalter.
Soziale und umweltbezogene Faktoren
- Kinder aus Familien mit niedrigem SES waren in allen Altersgruppen deutlich häufiger von Adipositas betroffen; dies gilt auch für das Vorschulalter.27
- Städtische, sozial benachteiligte Wohnquartiere wiesen höhere Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas, zumindest für Kinder im Vorschulalter, auf.27 Für Kleinkinder im Alter von 1-3 Jahren fehlen hierzu jedoch Daten bzw. Auswertungen.
Gesundheitliche Folgen
Übergewicht und Adipositas im Kleinkindalter sind mit unmittelbaren und langfristigen Gesundheitsrisiken verbunden 27:
- Kurzfristig treten häufiger orthopädische Probleme, Atemstörungen (z. B. obstruktive Schlafapnoe), frühe kardiometabolische Auffälligkeiten (erhöhte Blutdruck- und Blutfettwerte) und psychosoziale Belastungen auf. 32
- Langfristig besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, dass Übergewicht bis ins Jugend- und Erwachsenenalter persistiert und mit einem erhöhten Risiko für Typ‑2‑Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen einhergeht.27 33
- Da der stärkste Gewichtszuwachs bei einem großen Teil der später adipösen Jugendlichen bereits zwischen 2 und 6 Jahren auftrat, gilt das Kleinkindalter als kritisches Zeitfenster für Prävention.28
Prävention im Kleinkindalter
- Auf Bevölkerungsebene wird Übergewicht und Adipositas im Kindesalter in Deutschland als erhebliches Public-Health-Problem eingestuft; die Prävalenzen haben sich seit den 2000er‑Jahren auf hohem Niveau stabilisiert.26 27
- Prävention setzt idealerweise im Kleinkindalter an und umfasst eine Kombination aus gesundheitsförderlicher Ernährung (z. B. Vermeidung energiedichter, stark verarbeiteter Lebensmittel), Förderung regelmäßiger Bewegung, Begrenzung von Bildschirmzeit sowie elternorientierter Beratung in U‑Untersuchungen, Kitas und Familienzentren.28
- Politische Strategien wie Setting‑bezogene Programme in Kitas, Qualitätsstandards für Gemeinschaftsverpflegung und bevölkerungsweite Maßnahmen zur Förderung gesunder Lebenswelten werden als zentrale Hebel gesehen, um die Entstehung von Übergewicht bereits bei 1-3‑Jährigen zu verhindern.34
- Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet in ihrem Bericht „Ending Childhood Obesity“ Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter als „komplexes und multidimensionales Problem".35
- Maßnahmen zu individuellen Verhaltensänderungen führen demnach nur begrenzt zur Lösung des Problems: Es sollten vielmehr verhältnispräventive Ansätze, die bei der Veränderung des zunehmenden Übergewichts und Adipositas begünstigenden Lebensumfeldes ansetzen, durchgeführt und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden.26 35
- Nationale Strategien betonen die Primärprävention bereits im frühen Kindesalter zu beginnen, z. B. durch folgende Maßnahmen: Förderung des Stillens, qualitätsgesicherte Beikost- und Ernährungsberatung im U‑Untersuchungsprogramm, Bewegungsförderung in Kita und Familie sowie strukturverändernde Maßnahmen (z. B. verbesserte Lebensmittelumgebung).28
- Ein gesunder Lebensstil in der frühen Kindheit gilt als ein Schlüsselfaktor zur Vorbeugung von Übergewicht.28 Dazu zählen insbesondere das Stillen als günstiger Start in die Ernährung, eine ausgewogene und altersgerechte Optimierte Mischkost (OMK), ausreichend Bewegung sowie die Vermeidung von langem Sitzen, etwa durch Medienkonsum.36 Zusätzlich beeinflussen Stress, emotionale Faktoren, ausreichender Schlaf und Entspannungsphasen die Gewichtsentwicklung von Kindern. Um ungesunde Essgewohnheiten nicht zu fördern, sollte der Kontakt zu Lebensmittelwerbung im frühen Kindesalter möglichst eingeschränkt werden.28
- Allergien im Kleinkindalter (1-3 Jahre) sind in Deutschland häufig und umfassen v. a. atopische Dermatitis, Nahrungsmittelallergien (insbesondere gegen Hühnerei, Kuhmilch, Weizen, Erdnuss) sowie früh manifestierende Atemwegsallergien und allergisches Asthma im Vorschulalte.37 38
- Die Entstehung von Allergien ist multifaktoriell bedingt: genetische Disposition, frühe Umwelt und Ernährungsfaktoren sowie Lebensstil Einflüsse interagieren eng und bestimmen sowohl das individuelle Risiko als auch den Erkrankungsverlauf.39
- Ursachen von Allergien: Allergien entstehen durch eine fehlgeleitete Immunreaktion, bei der das Immunsystem auf eigentlich harmlose Umweltstoffe (Allergene) überemp-findlich reagiert. Nach einer ersten Sensibilisierung bildet der Körper spezifische Antikörper, die bei erneutem Kontakt Entzündungsreaktionen auslösen.40
- Risikofaktoren: Zentrale Risikofaktoren sind eine genetische Veranlagung sowie Umwelt- und Lebensstilfaktoren wie Luftverschmutzung, Tabakrauch und veränderte Ernährungsbedingungen. Insgesamt beruhen Allergien auf einem komplexen Zusam-menspiel von genetischen und umweltbedingten Einflüssen.39
- Hygiene- bzw. Bauernhofhypothese: Zudem wird angenommen, dass ein sehr hygi-enisches Umfeld das Immunsystem weniger trainiert und die Allergieentstehung begünstigt (Hygienehypothese, auch Bauernhof- oder Urwaldhypothese genannt). Dies beruht auf der Beobachtung, dass Allergien v. a. unter Stadtbewohnenden zunehmen.39 40
- Allergien werden nicht vererbt, aber das Risiko, an einer Allergie zu erkranken, ist zu einem großen Teil erblich bedingt: Immer mehr Kinder werden mit einer erhöhten Anfälligkeit geboren. So liegt das Erkrankungsrisiko eines Säuglings mit einem betroffenen Elternteil bei etwa 20 Prozent, wenn beide Eltern betroffen sind und die gleiche Allergie haben, sogar bei über 30 Prozent.37
- Klimawandel und Allergien: Allergische Erkrankungen, v. a. Inhalationsallergien, haben ein epidemisches Ausmaß erreicht, und Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle bei ihrer Entstehung. Der Klimawandel beeinflusst Auftreten, Häufigkeit und Schwere allergischer Erkrankungen, wie Pollen- und Inhalationsallergene sowie Aus-wirkungen des Klimawandels auf das Krankheitsbild der Neurodermitis.41
Epidemiologie und Krankheitslast
- In Deutschland waren bis 2024 mehr als zwei Millionen Kinder im Alter von 0-17 Jahren (d. h. 20 Prozent) von allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, allergischem Asthma, Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien betroffen; ein erheblicher Teil dieser Erkrankungen beginnt im Säuglings‑ und Kleinkindalter. 42
- Auf Basis der Auswertung von KiGGS Welle 2 (2014-2017) zu allergischen Erkrankungen bei Kindern lassen sich für die Altersgruppen 0-2 Jahre und 3-6 Jahre differenzierte Prävalenzen (Lebenszeit- und 12-Monats-Prävalenz) berichten 38:
- Bereits im Säuglings- und Kleinkindalter (0-2 Jahre) waren allergische Erkrankungen verbreitet, insbesondere Neurodermitis (~10-11 Prozent).
- Im Vorschulalter (3-6 Jahre) stiegen v. a. die Prävalenzen von Asthma und Heuschnupfen, während Neurodermitis weiterhin häufig blieb.
- Insgesamt zeigte sich ein früher Beginn allergischer Erkrankungen mit einer altersabhängigen Verschiebung von Hautmanifestationen hin zu respiratorischen Allergien. Während Neurodermitis oft im Kleinkindalter begann, nahmen Pollenallergien im Schulalter zu.
- Geschlechts- und Altersunterschiede: Jungen waren im Kindesalter häufiger betroffen als Mädchen. Die Häufigkeit von Asthma nahm bei Kindern leicht zu, insbesondere bei 0- bis 6-Jährigen.
- Sozioökonomische Unterschiede in der Häufigkeit allergischer Erkrankungen: Im Kindes- und insbesondere im Kleinkindalter zeigen die Auswertungen der KiGGS Welle 2 (2014-2017) sozioökonomische Unterschiede in der Prävalenz allergischer Erkrankungen, die je nach Erkrankung, Alter und sozialem Kontext variieren und nicht durchgängig zulasten sozialer benachteiligter Gruppen ausgeprägt sind 38:
- Neurodermitis (atopische Dermatitis) trat im Kindesalter häufiger bei Kindern aus Familien mit hohem SES auf als bei Kindern aus Familien mit niedrigem SES. Dieser soziale Gradient ist bereits im frühen Kindesalter erkennbar und wird u. a. mit Unterschieden in Umweltbedingungen, Hygiene, Wohnverhältnissen und Gesundheitsverhalten diskutiert.
- Asthma bronchiale zeigte demgegenüber eher eine inverse soziale Verteilung: Kinder aus Familien mit niedrigem SES waren häufiger betroffen, insbesondere im Vorschul- alter (ab 3 Jahren).
- Heuschnupfen wies nur geringe SES-Unterschiede im frühen Kindesalter auf; soziale Gradienten wurden erst im späteren Kindes- und Jugendalter deutlicher.
Verbreitung
- Kinder im Alter von 0-2 Jahren38:
- In dieser Altersgruppe war bis 2018 insbesondere die Neurodermitis verbreitet (Lebenszeitprävalenz: 11,2 Prozent, 12-Monats-Prävalenz: 10,0 Prozent).
- Heuschnupfen traten mit 3,0 Prozent (12-Monats-Prävalenz: 2,8 Prozent) vergleichsweise selten auf.
- Asthma bronchiale lag bei 1,1 Prozent (12-Monats-Prävalenz: ebenfalls 1,1 Prozent).
- Ein allergisches Kontaktekzem wurde bei 2,1 Prozent der Kinder jemals diagnostiziert (12-Monatsprävalenz: 1,6 Prozent).
- Kinder im Alter von 3-6 Jahren38:
- Neurodermitis war bis 2018 mit Abstand die häufigste Allergie im Alter von 3-6 Jahren (Lebenszeitprävalenz: 12,4 Prozent; 12-Monats-Prävalenz: 8,0 Prozent).
- Mit zunehmendem Alter stiegen insbesondere die Prävalenzen von Asthma und Heuschnupfen.
- Heuschnupfen lagen bei 4,5 Prozent (12-Monats-Prävalenz: 3,3 Prozent) vor.
- Asthma bronchiale weist eine Lebenszeitprävalenz von 3,6 Prozent (12-Monats-Prävalenz: 2,6 Prozent) auf.
- Die chronisch entzündliche Hauterkrankung Neurodermitis ist mit 1,9 Prozent (12-Monats-Prävalenz: 0,9 Prozent) dagegen bei 3-6-Jährigen vergleichsweise selten.
- Insgesamt haben Allergien in der gesamten Bevölkerung in Deutschland seit den 1970er Jahren stark zugenommen, sich aber in den letzten zehn Jahren auf hohem Niveau stabilisiert.42
- Allergieauslöser und allergische Reaktionen: Allergene sind chemisch sehr unterschiedliche, im Allgemeinen harmlose Stoffe, die bei sensibilisierten Personen eine überschießende, immunologisch vermittelte Reaktion auslösen und sich in mehrere Gruppen wie Inhalations-, Nahrungsmittel-, Kontakt-, Arzneimittel- und Insektengift-Allergene einteilen lassen. Die Kenntnis der auslösenden Substanz ist entscheidend für Diagnostik und Vermeidungsstrategien zur Linderung der Beschwerden. 43
Empfehlungen der Leitlinie zur Allergieprävention im Kleinkindalter
- Auf Basis der S3-Leitlinie Allergieprävention 44 und dem Allergieninformationsdienst Helmholtz Zentrum München 45 lassen sich evidenzbasierte Empfehlungen zur (Primär-)Prävention allergischer Erkrankungen ableiten, die insbesondere die Schwangerschaft sowie das Säuglings- und frühe Kindesalter adressieren.
- Zusammenfassend betonen diese Empfehlungen einen Paradigmenwechsel von strikter Allergenvermeidung hin zur frühen Toleranzförderung durch Stillen, vielfältige Ernährung und kontrollierte Allergenexposition, ergänzt durch die Reduktion schädlicher Umweltfaktoren.44
- Folgende Maßnahmen bilden die Grundlage einer evidenzbasierten Allergieprävention im Kleinkindalter44:
- Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit: Während Schwangerschaft und Stillzeit wird eine ausgewogene, abwechslungsreiche und bedarfsdeckende Ernährung empfohlen, die unter anderem Gemüse, Obst, Milch und Milchprodukte (einschließlich fermentierter Produkte), Nüsse, Eier und Fisch einschließt. Diätetische Restriktionen, insbesondere die Meidung potenzieller Nahrungsmittelallergene, sollen aus Gründen der Allergieprävention nicht erfolgen.
- Säuglingsernährung (erste Lebensmonate): Für die ersten sechs Lebensmonate wird nach Möglichkeit ausschließliches bzw. überwiegendes Stillen empfohlen. Auch mit Einführung der Beikost – spätestens ab Beginn des siebten Lebensmonats – soll weitergestillt werden. Die insgesamte Stilldauer soll mindestens 12 Monate andauern.46 Eine Zufütterung kuhmilchbasierter Formula-Nahrung in den ersten Lebenstagen sollte bei bestehendem Stillwunsch vermieden werden. Kann nicht oder nicht ausreichend gestillt werden, soll eine Säuglingsanfangsnahrung gegeben werden; für Risikokinder ist zu prüfen, ob eine in Studien wirksame Nahrung verfügbar ist. Sojabasierte Produkte, andere Tiermilchen oder Getreidedrinks sind zur Allergieprävention nicht geeignet.
- Beikosteinführung (frühestens ab 5. und spätestens ab 7. Lebensmonat): Die Einführung der Beikost sollte frühestens ab Beginn des fünften und spätestens ab Beginn des siebten Lebensmonats erfolgen. Eine vielfältige Ernährung im ersten Lebensjahr wird als protektiv eingeschätzt. Eine Meidung potenzieller Allergene im ersten Lebensjahr wird nicht empfohlen. Zur Prävention der Hühnereiallergie soll durcherhitztes Hühnerei (z. B. verbacken oder hartgekocht) regelmäßig eingeführt werden. Bei Säuglingen mit Neurodermitis kann in Familien mit regelmäßigem Erdnusskonsum eine altersgerechte Einführung von Erdnussprodukten erwogen werden, wobei zuvor eine Erdnussallergie ausgeschlossen werden sollte.
- Nahrungsergänzungsmittel: Für Prä- und Probiotika sowie für Vitamin-D- oder andere Vitaminsupplemente besteht keine ausreichende Evidenz zur Allergieprävention. Entsprechend sollen diese weder Schwangeren noch Säuglingen oder Kindern gezielt zur Allergieprävention verabreicht werden (mit Ausnahme der etablierten Vitamin-D-Prophylaxe zur Rachitisprävention). Für Omega-3-Fettsäuren zeigen einzelne Studien mögliche protektive Effekte, eine klare Empfehlung kann jedoch aufgrund heterogener Datenlage nicht ausgesprochen werden.
- Umwelt- und Lebensstilfaktoren: Aktive und passive Tabakrauchexposition soll bereits in der Schwangerschaft strikt vermieden werden. Ebenso sollte die Belastung durch Innenraumluftschadstoffe, Feuchtigkeit und Schimmel sowie durch verkehrsbedingte Emissionen (Feinstaub, Stickoxide, Ozon) möglichst gering gehalten werden. Interventionen zur Reduktion von Hausstaubmilbenallergenen im Haushalt werden nicht zur Primärprävention empfohlen.
- Haustiere und Biodiversität: In Familien ohne erhöhtes Allergierisiko soll die Haltung von Katzen oder Hunden nicht eingeschränkt werden. Familien mit erhöhtem Allergierisiko oder Kindern mit Neurodermitis sollten keine Katze neu anschaffen, während von Hundehaltung nicht abgeraten wird. Zudem zeigen Daten, dass das Aufwachsen in einer biodiversitätsreichen Umgebung (z. B. Bauernhof) mit einem geringeren Allergierisiko verbunden ist.
- Medizinische Faktoren: Alle Kinder, auch Risikokinder, sollen entsprechend den geltenden Impfempfehlungen geimpft werden, da Impfungen das Allergierisiko nicht erhöhen und möglicherweise sogar senken. Bei der Beratung zum Geburtsmodus sollte berücksichtigt werden, dass elektive Kaiserschnitte mit einem leicht erhöhten Asthmarisiko assoziiert sind. Der Einsatz von Antibiotika im frühen Kindesalter sollte zurückhaltend erfolgen, da er mit einem erhöhten Allergierisiko in Verbindung steht.
Mortalität: Der Begriff Mortalität bezieht sich auf die Häufigkeit von Todesfällen in einer Population (Bevölkerungsgruppe) in einem bestimmten Zeitraum.22
- Im Jahr 2024 sind in Deutschland 370 Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren gestorben.47 Bezogen auf die 1- bis 3-jährige Bevölkerung im Jahr 2024 (2.242.132 Kinder) entspricht dies einer Sterberate von 16,5 Todesfällen je 100.000 Kindern bzw. einem Anteil von 0,02 Prozent der 1- bis 3-Jährigen.
- Die häufigste Todesursache bei Kindern zwischen 1 und 4 Jahren sowie Säuglingen (unter 1 Jahr) in Deutschland ist, trotz rückläufigen Trends, die Unfallverletzung 48 im Heim- und Freizeitbereich 49.
- Die Nutzung von Vorsorge- und Unterstützungsangeboten in der Schwangerschaft oder in den ersten drei Lebensjahren, wie das Angebot der Frühen Hilfen, stellen wichtige Ressourcen und den Zugang zu weiteren Hilfen für Familien in Deutschland dar.17 50
- Sowohl universell-präventive Angebote (u. a. Wochenbettbetreuung) als auch die selektiv-präventiven Angebote (z. B. Schwangerschaftsberatung oder die Längerfristigen aufsuchenden Betreuung und Begleitung (LaB)) für Schwangere und Familien stehen vor der Herausforderung, (auch) Familien mit hohem Unterstützungsbedarf zu adressieren. Gerade Familien, die von der Nutzung eines Angebotes besonders profitieren könnten (insbesondere Familien und Eltern in Armutslagen), werden jedoch oftmals nicht erreicht (sog. Präventionsdilemma). Ziel der Frühen Hilfen ist es, das „Präventionsdilemma“ durch einen niedrigschwelligen Zugang und Unterstützungsangebote zu verbessern.17
- Im Jahr 2023 nahmen 82,1 Prozent aller Eltern die Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme in Anspruch, 13 Prozent nutzten das Angebot trotz Kenntnis nicht und nur 4,9 Prozent kannten das Angebot nicht.17
- Auch die Schwangerschaftsvorsorge durch eine Hebamme wurde von 63,1 Prozent der befragten Eltern im Jahr 2023 genutzt (keine Kenntnis: 6,8 Prozent).
- Universelle Angebote im Bereich der Familienbildung (z. B. Eltern-Kind-Gruppen) wurden – auch aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie – seltener, aber wurden bis 2024 von bis zu 40,0 Prozent der Familien in Anspruch genommen.17
- Die Studie „KiD 0-3 2022“ gibt ebenfalls Aufschluss darüber, inwiefern wichtige Zielgruppen wie Familien mit Säuglingen und Kleinkindern in Armutslagen (gemessen am Bezug staatlicher Transferleistungen nach Sozialgesetzbuch II – „Bürgergeld, Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II))“ erreicht werden 17:
- Universelle Angebote (z. B. Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme): Diese sind der großen Mehrheit der Familien (im Jahr 2023) unabhängig von der Armutslage bekannt, wobei hier immer noch eine geringere Kenntnis bei Familien in Armutslagen besteht. Familien in Armutslagen nutzten dieses Angebot mit 62,7 Prozent seltener als Familien ohne Armut (84,3 Prozent).
- Universellen Angebote der Familienbildung: Eltern-Kind-Gruppen wurden von Eltern ohne Armut doppelt so häufig genutzt wie von Eltern in Armutslagen (42,3 Prozent gegenüber 19,1 Prozent).
- Aufsuchende Angebote (wie die LaB, ehrenamtliche Besuche und Willkommensbesuche): Diese sind dagegen weniger Familien bekannt (unabhängig von der Armutslage: mehr als 50 Prozent).
- Sind die aufsuchenden Angebote der Frühen Hilfen bekannt, scheinen sie Familien in Armutslagen genauso gut oder sogar besser zu erreichen als andere Familien: 14,5 Prozent der Familien, die in Armut leben, haben die LaB durch eine Gesundheitsfachkraft genutzt. Damit wurden Familien in Armutslagen besser erreicht als Familien ohne Armut (9,5 Prozent).
- Willkommensbesuche nach der Geburt des Kindes erreichten Familien mit und ohne Armut in ähnlichem Maße: Sie wurden von 15,1 Prozent der Familien in Armutslagen vs. 14,7 Prozent der Familien ohne Armut in Anspruch genommen.
- Familien in Armutslagen nutzten universelle Angebote folglich bei Kenntnis seltener als Familien ohne Armut oder sie waren diesen etwas seltener nicht bekannt. Die Nutzung speziell unter armutsbelasteten Familien ist daher verbesserungsbedürftig. Bei den aufsuchenden Angeboten können hingegen kaum Nutzungsdisparitäten nach Armut beobachtet werden, lediglich der Kenntnisstand der Familien über die Angebote ist ausbaufähig.17
- Neben der Erkrankungs- und Entwicklungsfrüherkennung haben die sog. U‑Untersuchungen eine wichtige präventive Beratungsfunktion, etwa zu Impfungen, Unfallverhütung, Schlafumgebung, Medienkonsum, Mund- und Zahngesundheit sowie Förderung von Bewegung und Sprache im Alltag.51
- Die U-Untersuchungen zwischen dem 1.-3. Lebensjahr dienen der Früherkennung von Entwicklungsverzögerungen und Krankheiten. Im Fokus stehen dabei die allgemeine körperliche und geistige Entwicklung, Sprachentwicklung, Beweglichkeit, das Seh- und Hörvermögen sowie die soziale Entwicklung und die Kontaktfähigkeit.52
- Alle U‑Untersuchungen im Alter von 1-3 Jahren umfassen eine standardisierte Anamnese (u. a. Ernährung, Schlaf, Unfälle), eine vollständige körperliche Untersuchung, Messung von Körperlänge, Gewicht und Kopfumfang sowie die Beurteilung der somatischen und neurologischen Entwicklung.51 52
- Für Kinder im Alter von 1-3 Jahren sind in Deutschland insbesondere die kinderärztlichen Früherkennungsuntersuchungen (sog. U-Untersuchungen) – U6 (ca. 1 Jahr), U7 (ca. 2 Jahre) und U7a (ca. 3 Jahre) – vorgesehen, die nach der Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G‑BA) verbindlich im sog. „Gelben Heft“ dokumentiert werden.52 53
- Die U-Untersuchungen für Säuglinge im Alter von 0 bis 12 Monaten umfassen die U1 bis U6, die in bestimmten Zeitfenstern stattfinden, um die gesunde körperliche und geistige Entwicklung zu überprüfen. Die wichtigsten Termine sind die U1 direkt nach der Geburt, die U2 im Alter vom dritten bis zum zehnten Lebenstag, die U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche, die U4 im dritten bis vierten Lebensmonat, die U5 im sechsten bis siebten Lebensmonat und die U6 im zehnten bis 12. Lebensmonat.52
- Schwerpunkt der U6- bis U7a-Untersuchungen liegt auf der Beurteilung der grob- und feinmotorischen Meilensteine (z. B. freies Gehen, Treppensteigen, Malen, Greifen), der Sprachentwicklung (Wortschatz, Zweiwortsätze, Sprachverständnis) und der sozial-emotionalen Kompetenzen (Interaktion, Spielverhalten, Autonomie).54
- Zudem werden Seh- und Hörvermögen geprüft, Risikofaktoren für Entwicklungsstörungen (z. B. familiäre Belastungen, Frühgeburtlichkeit) erfasst und bei Auffälligkeiten eine Einleitung weiterführender Diagnostik oder Fördermaßnahmen (z. B. Frühförderung, Logopädie, Sozialpädiatrische Versorgung in einem Sozialpädiatrischen Zentrum/SPZ) empfohlen.54
- Die U7 ist für den 21.-24. Lebensmonat vorgesehen (mit festgelegten Toleranzzeiten, meist 20.-27. Monat) und fokussiert auf sprachliche, kognitive, motorische und soziale Entwicklung, Ess- und Schlafverhalten sowie Unfallprävention.55
- Die U7a folgt im 34.-36. Lebensmonat (Toleranzzeit meist 33.-38. Monat) und dient der frühen Erkennung von Sprachentwicklungsstörungen, Verhaltens- und Sozialisationsauffälligkeiten, Sehstörungen sowie Zahn‑, Mund- und Kieferanomalien.55
- Impfungen im Alter von 1-3 Jahren dienen v. a. der Vervollständigung der Grundimmunisierung und dem Aufbau eines langanhaltenden Schutzes gegen hochkontagiöse Erkrankungen wie Masern, die mit schwerwiegenden Komplikationen (z. B. Pneumonie, Enzephalitis) einhergehen können.56
- Kombinierte Impfpläne mit MMR- (Masern-, Mumps-, Röteln-) oder MMRV-Kombinationsimpfstoffen (Masern, Mumps, Röteln, Varizellen) oder Sechsfachimpfstoffen ermöglichen eine Reduktion der Injektionszahlen bei gleichzeitig hohem Impfschutz, ohne dass die Immunantwort abgeschwächt wird, und tragen auf Bevölkerungsebene zur Reduktion von Morbidität, Hospitalisationen und Ausbrüchen bei.57
- Für Kinder im Alter von 1-3 Jahren richtet sich der empfohlene Impfschutz in Deutschland nach den Standardimpfungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), die bis zum 2. Lebensjahr weitgehend die Grundimmunisierung abschließen und dann v. a. Auffrischungen und Vervollständigungen vorsehen.57
Standardimpfungen bei Kleinkindern
- Im zweiten Lebensjahr (ca. 11-23 Monate) stehen v. a. die Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMR/MMRV) sowie ggf. noch ausstehende Dosen von Pneumokokken-, Meningokokken-C- und Hepatitis‑B‑Impfstoffen an (58).
- Die STIKO empfiehlt zwei Dosen MMR, meist als Kombinationsimpfstoffe, mit der ersten Dosis im Alter von 11–14 Monaten und der zweiten Dosis im Alter von 15-23 Monaten; Varizellen können getrennt oder als MMRV kombiniert verabreicht werden (59).
- Damit wird auch die gesetzlich geforderte Masern-Immunität für Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Kindertagesstätten / Kita) erreicht, die mindestens eine Masernimpfung ab dem vollendeten 1. Lebensjahr und zwei Impfungen ab Vollendung des 2. Lebensjahres voraussetzt.
- Auch zur Zahngesundheit stehen für die Altersspanne der Kleinkinder im Alter von 1-3 Jahren keine spezifischen Datenbasen für Deutschland zur Verfügung. Daher wird auf Studienergebnisse zurückgegriffen, die diese Altersgruppen in weiten Teilen abdecken.
- Laut Auswertungen der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) erreichten 21,3 Prozent der 2- bis 6-Jährigen nicht die empfohlene Zahnputzhäufigkeit (d. h. zwei Mal pro Tag mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta); das Risiko ist bei Jungen, mit zunehmendem Alter, bei niedrigem sozioökonomischem Status sowie bei beidseitigem Migrationshintergrund deutlich erhöht. 13 Prozent der 3 bis 5-Jährigen erreichten die empfohlene Inanspruchnahme zahnärztlicher Vorsorgeuntersuchungen nicht (d. h. bei Kindern bis 5 Jahren mindestens einmal im Jahr, danach (bis zum Ende des 18. Lebensjahres) zwei Mal pro Jahr).60
- Weitere Auswertungen der KiGGS-Studie (Welle 2, 2014-2017) zeigen, dass ein niedriger SES der Familie mit einem erhöhten Risiko für Zahnschmerzen bei 3- bis 17-Jährigen assoziiert ist.61 Kinder aus Familien mit niedrigem SES haben ein 1,5-fach höheres Risiko im Vergleich zur hohen SES-Gruppe.61
- Die 3- bis 17-Jährigen mit Behinderungen berichteten in der KiGGS Welle 2 (2014-2017) häufiger über Zahnschmerzen (23,5 Prozent) als Gleichaltrige ohne Behinderung (15,9 Prozent).61
- Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren haben Anspruch auf die kostenlosen zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen Z1 bis Z6. Dabei werden die Zähne, die Mundschleimhaut sowie das Wachstum von Kiefer und Gebiss untersucht. Die Untersuchungen können in folgenden Alterszeiträumen wahrgenommen werden 62:
- Z1: 6. bis 9. Lebensmonat
- Z2: 10. bis 20. Lebensmonat (1 Jahr und 8 Monate)
- Z3: 21. bis 33. Lebensmonat (1 Jahr und 9 Monate bis 2 Jahre und 9 Monate)
Ausreichende Erholung und Schlaf werden als wesentliche Ergänzung zu Ernährung und Bewegung für eine gesunde Entwicklung bei Kleinkindern im Alter von 1-3 Jahren beschrieben.36 63 Regelmäßige Tagesstrukturen mit klaren Essens-, Aktivitäts- und Ruhephasen unterstützen das Wohlbefinden und die Selbstregulationsfähigkeit von Kleinkindern. Entspannende Routinen, eine ruhige Umgebung sowie das Vermeiden stimulierender Mediennutzung – insbesondere vor Ruhephasen – tragen zu einer besseren Erholung bei. Die Kombination aus Bewegung, ausgewogener Ernährung und ausreichender Ruhe bildet eine zentrale Grundlage für kurz- und langfristige Gesunderhaltung im Kleinkindalter.36
Schlaf und Ruhezeiten
- Eltern sollen regelmäßige Ruhe- und Schlafzeiten ermöglichen.
- Der individuelle Schlafbedarf des Kindes soll berücksichtigt werden.
Schlafdauer
Orientierung zur Schlafdauer (WHO-Empfehlungen, (63):
- 1- bis 2-Jährige: ca. 11-14 Stunden Schlaf pro Tag
- 3- bis 4-Jährige: ca. 10-13 Stunden Schlaf pro Tag (Tag- und Nachtschlaf zusammen)
- Für 1- bis 3-jährige Kinder liegen derzeit keine aktuellen repräsentativen Daten zur Schlafdauer in Deutschland vor. Die bundesweit repräsentative KiGGS-Studie zeigt für den Erhebungszeitraum 2014-2017, dass 1- bis 2-Jährige durchschnittlich 12,6 Stunden (Jungen) bis 12,7 Stunden (Mädchen) pro Tag schliefen (64).
- Die nicht-repräsentative LIFE Child Studie der Universität Leipzig (Erhebungszeitraum 2018-2024) zeigt zudem, dass sich die durchschnittliche Schlafdauer von 1-Jährigen (12,6 Stunden) auf durchschnittlich 10,3 Stunden Nachtschlaf und 2,3 Stunden Tagschlaf verteilte (65).
- Die Mehrheit der Kleinkinder erreichten nach Angaben der KiGGS-Studie die empfohlenen Schlafdauer. Zwischen 2014 und 2017 erfüllten 91 Prozent (Jungen) und 93 Prozent (Mädchen) der 1- bis 2-jährigen Kinder die altersgerechte Schlafempfehlung von 11 bis 14 Stunden pro Tag (64).
- Die Ergebnisse der nicht-repräsentativen LIFE Child Studie (Erhebungszeitraum 2018-2024) deuten darauf hin, dass eine längere elternberichtete nächtliche Schlafdauer des einjährigen Kindes (t1: 2018-2021) mit weniger Schlafschwierigkeiten (z. B. Einschlafschwierigkeiten oder Angst vor dem Alleinschlafen) sowie mit einer längeren Schlafdauer im Alter von 4 bis 5 Jahren (t2: 2021-2024) assoziiert ist (65).
Wechsel von Aktivität und Entspannung
- Intensive Aktivitätsphasen sollen sich mit Ruhephasen abwechseln.
- Ein ausgewogenes Verhältnis unterstützt Stressregulation und gesunde Entwicklung (36, 63).
Gesundheitsverhalten der 1- bis 3-Jährigen mit Schwerpunkt Bewegung
Gesundheitsverhalten: „Als Gesundheitsverhalten werden Handlungen von gesunden Menschen bezeichnet, die das Risiko von Erkrankungen nachweislich senken oder die Chance für den Erhalt der Gesundheit erhöhen“.66
Bewegungsempfehlungen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Säuglinge (1.-12. Monat) und Kleinkinder (1-3 Jahre) ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben sollten.63 67 Die nationalen Bewegungsempfehlungen in Deutschland raten Kleinkindern im Alter von 1-3 Jahren zu so viel Bewegung wie möglich unter Berücksichtigung sicherer Umgebungsbedingungen.68 Vermeidbare Sitzzeiten, insbesondere durch Bildschirmmedienkonsum, sollten möglichst vermieden werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte die Sitzzeit auf 0 Minuten pro Tag reduziert werden.69
Häufigkeiten
- Die Datenlage für das Bewegungsverhalten ist für die Altersgruppe der 11- bis 17-Jährigen besser ausgeprägt als für jüngere Kinder im Alter von 1-3 Jahren.70
- Datenquellen: Die Bestandsaufnahme des BMG zur „Bewegungsförderung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (BMG 2022)“ verdeutlicht, dass für die Bewegungshäufigkeiten bei Säuglingen (1.-12. Monat) sowie Kleinkindern (1-3 Jahre) in Deutschland keine Daten verfügbar sind.70 Auch international gibt es für diese Altersgruppe der Kleinkinder bisher kein Monitoring zum Bewegungsverhalten.
Prävalenzen
- Aus verfügbaren Erhebungen zeigt sich, dass etwa 50-60 Prozent der 3-jährigen Kinder ausreichend körperlich aktiv waren (definiert über WHO-Empfehlungen bzw. Spiel/Bewegung) und dass der Anteil an ausreichend aktiven Kindern mit zunehmendem Alter abnahm.71
- Die allgemeine WHO-Kriterien (≥ 60 Min moderate-intensive Aktivität/Tag) wurden bis 2018 in Deutschland insgesamt nur von ca. 26 Prozent der 3- bis 17-jährigen Kinder erfüllt.71
Folgen körperlicher Aktivität auf die Gesundheit und Entwicklung
- Regelmäßige körperliche Aktivität wird als zentraler Faktor für die motorische, kognitive und psychosoziale Entwicklung im Kleinkindalter hervorgehoben.36 63 72
- Bewegung unterstützt den Erwerb fein- und grobmotorischer Fähigkeiten, fördert das Körperbewusstsein und wirkt bereits ab dem Kleinkindalter präventiv gegenüber Übergewicht und nichtübertragbaren Erkrankungen.73 Regelmäßige körperliche Aktivität im Kleinkindalter unterstützt das gesunde Längen- und Gewichtswachstum, die Entwicklung der Knochen- und Muskelmasse sowie kardiovaskuläre und metabolische Regulation und wirkt präventiv gegenüber Übergewicht und Adipositas.74
Bewegungsanreize und Bewegungsempfehlungen
- Eltern und Bezugspersonen sollen vielfältige Bewegungsanreize im Alltag schaffen, etwa durch freies Spielen, aktive Mobilität und bewegungsfreundliche Umgebungen.70 75 76 77 78 Empfohlen wird ein breites Spektrum an alltagsnahen und spielerischen körperlichen Aktivitäten, etwa Krabbeln, Gehen und Laufen, Klettern, Rutschen, Ballspiele, Tanzen und freies Toben in Innen- und Außenräumen, um motorische Basisfertigkeiten (Koordination, Gleichgewicht, Kraft) zu entwickeln.
- Für einen Säugling bedeutet aktiv sein: Strampeln im Liegen, das Abstützen auf den Unterarmen in Bauchlage, das Greifen nach den eigenen Füßen sowie das selbstständige Drehen zwischen Rücken- und Bauchlage. Dazu zählen außerdem das eigenständige Aufsetzen aus dem Liegen, freies Sitzen, Kriechen und Krabbeln sowie das Hochziehen in den Stand mit Unterstützung der Arme und das Fortbewegen entlang von Möbeln.
- Für ein Kleinkind bedeutet aktiv sein: Das selbstständige Gehen, das Hinaufsteigen oder Hochkrabbeln von Treppen, schnelles Laufen, Springen, Klettern sowie das Hochziehen und Umhersteigen. Ebenso zählen das altersentsprechende Tragen und Verschieben von Gegenständen sowie das Werfen und Auffangen eines Balls zu den körperlichen Aktivitäten.
- Gleichzeitig wird empfohlen, Phasen der Inaktivität – insbesondere durch Bildschirmmedien – möglichst zu vermeiden, da diese mit ungünstigen Gesundheitsentwicklungen assoziiert sind.63 69 85
- Die Bewegungszeit soll über den gesamten Tag verteilt sein. Ein Teil dieser Zeit darf ruhig moderat bis intensiver sein. Bei nicht angeleiteter Bewegung steht der natürliche Bewegungsdrang im Vordergrund (u. a. Toben, Rennen, Klettern, Hüpfen, Balancieren oder Ballspiele). Wichtig ist, dass Bewegung vielfältig, spielerisch und ohne Leistungsdruck stattfindet.36
- Die Bewegungsförderung soll in die Lebenswelten der Kinder (Familie, Kita) integriert sein, mit ausreichend Gelegenheit für selbstgesteuertes Spiel und variierende Bewegungsanreize in sicherer, anregender Umgebung.71 73
- Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) stellt Materialien zum Thema Bewegung und Bewegungsförderung u. a. für das Kindes- und Jugendalter bereit.32
Medienempfehlung: Säuglinge im ersten Lebensjahr sollen nicht mit Medien und Bewegtbildern in Berührung kommen. Für Kleinkinder im Alter von unter drei Jahren sind Bildschirmmedien zu vermeiden und erst ab dem 3. Bis 6. Lebensjahr auf maximal 45 Minuten Hörmedien (z. B. Musik, Hörbücher) und maximal insgesamt 30 Minuten Bildschirmmedien (z. B. Fernsehen, Video, Tablet, Smartphone) täglich zu begrenzen. 79 80 81 Die Weltgesundheitsorganisation 63 begrenzt die Bildschirmzeit von Kindern ab 3 Jahre auf maximal eine Stunde pro Tag. Eltern sollten feste Bildschirmregeln vereinbaren und Medieninhalte überprüfen. Bildschirmmedien (wie Fernseher, Handy und Tablet) während der Mahlzeiten oder vor dem Schlafengehen sollten vermieden werden 36).
- Die „miniKIM“-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs)82 liefert aktuelle Erkenntnisse zur Medienverfügbarkeit und Mediennutzung von Kleinkindern im Alter von 1 bis 3 Jahren in Deutschland.
- Die „miniKIM“-Studie82 liefert Basisdaten zur Mediennutzung von Kindern im Alter zwischen zwei und fünf Jahren. Sie zeigt, dass bereits in frühen Lebensjahren vielfältige Medienangebote zum Alltag vieler Kinder gehören, wobei analoge Aktivitäten wie Spielen und Bücher weiterhin eine zentrale Rolle einnehmen.
- (Digitale) Medien werden überwiegend im familiären Kontext genutzt und ergänzen klassische Freizeitbeschäftigungen. 83 Die Ergebnisse verdeutlichen sowohl frühe Medienkontakte als auch die Bedeutung begleiteter Nutzung durch Eltern für die Entwicklung im Kleinkindalter.
Erste Medienkontakte
- Das erste Bewegtbild wird im Alter von 2,4 Jahren zum ersten Mal erlebt, die erste Handy-/Smartphone-Nutzung mit 2,9 Jahren (acht Prozent schon im Alter von einem Jahr).82
- Zugang zu digitalen Mediengeräten: Die Ergebnisse der „miniKIM“-Studie 2023 zeigen, dass bereits ein relevanter Anteil der 2-3-jährigen Kinder Zugang zu digitalen Mediengeräten wie Tablets (13 Prozent), Smartphones (8 Prozent) sowie zu Fernseh- und Streamingangeboten (rund 9-10 Prozent) hatte, während Sprachassistenten, Spielkonsolen und Internetradios bislang nur eine geringe Rolle spielten (1-3 Prozent). 82
- Internet- und Mediennutzung von 1- bis 3-Jährigen geschieht primär indirekt, d. h. über elterliche Endgeräte im Haushalt.84
- Freizeitaktivitäten und Mediennutzung: Kleinkinder verbringen ihren Alltag v. a. mit täglichem Spielen drinnen und draußen (jeweils rund 70 Prozent) sowie mit Büchern.
- Bücher, Hörspiele und digitale Endgeräte: Bücher werden am häufigsten vor dem Schlafengehen genutzt (69 Prozent) und zum Entspannen am Nachmittag (58 Prozent) genutzt. Hörspiele/Podcasts werden von 35 Prozent der 2- bis 3-Jährigen fast jeden Tag gehört und digitale Geräte (wie Computer oder Laptop) werden dagegen von 2- bis 3-Jährigen seltener genutzt (11 Prozent regelmäßig).
- Dauer: Hörspiele werden im Durchschnitt 38 Minuten und Bewegtbildangebote etwa 62 Minuten pro Tag genutzt, während digitale Spiele für die Mehrheit der 2-3-Jährigen noch kaum eine Rolle spielen (13 Prozent spielen mind. einmal wöchentlich). 82
Die WHO-Empfehlung zur Bildschirm- und digitalen Mediennutzung empfiehlt für Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren eine möglichst geringe Bildschirm- und digitale Mediennutzung im Tagesverlauf63:
- Säuglinge im ersten Lebensjahr sollen keine Bildschirmzeit haben.
- Kleinkinder im zweiten Lebensjahr sollen Bildschirmmedien vermeiden und erst ab dem 3. Lebensjahr auf maximal eine Stunde täglich begrenzt werden.63
- Insgesamt unterstreichen die Empfehlungen die Bedeutung aktiver, interaktionsreicher und medienarmer Alltagsgestaltung für eine gesunde frühkindliche Entwicklung.
Medienkonsum und die Bedeutung für die (gesundheitliche) Entwicklung
- Eine erste S2K-Leitlinie „Zur Prävention von dysreguliertem Bildschirmmediengebrauch in Kindheit und Jugend“ ist von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Universität Witten/Herdecke veröffentlicht worden.85
- Die S2K-Leitlinie85 und weitere Überblicksarbeiten36 weisen auf die Folgen des Medienkonsums – auch in Zusammenhang mit Bewegung – im Kleinkindalter hin:
- Bildschirmmedien wirken sich auf (Klein-)Kinder gesundheitlich ungünstiger als auf Erwachsene aus. Folgen des Medienkonsums auf die (gesundheitliche) Entwicklung:
- Im Kleinkindalter geht die übermäßige Nutzung von Bildschirmmedien, sowohl durch die Eltern als auch durch die Kinder selber, mit zahlreichen negativen gesundheitlichen Auswirkungen einher (z. B. Regulations- und Bindungsstörungen, Entwicklungsstörungen, insbesondere der Sprache und Kognition).85
- Medienkonsum und Übergewicht: Ergebnisse einer weiteren Studie mit Kindern im Alter von 2 Jahren stellte einen Zusammenhang der Erhöhung des Body-Mass-Indexes (BMI) mit jeder Stunde in der Woche, in der Medien konsumiert werden, heraus, wobei nicht die Menge des Fernsehkonsums allein, sondern die Kombination aus erhöhtem Fernsehkonsum und wenig körperlicher Aktivität einen bedeutenden Faktor ausmacht.85
- Fernsehkonsum und Entwicklungsstörungen (Feinmotorik, Grobmotorik, Sprache): Kinder unter 30 Monaten verzeichneten Schwierigkeiten, aus zweidimensional dargebotenen Inhalten zu lernen, da sie die Übertragung in die dreidimensionale Welt nicht in dem nötigen Ausmaß leisten konnten. Dies wird den im Vergleich zu Erwachsenen noch nicht ausgereiften Fähigkeiten im symbolischen Denken, der Aufmerksamkeitskontrolle sowie der Flexibilität des Gedächtnisses zugeschrieben. Bei Kindern zwischen 2 und 3 Jahren konnte ein positiver Zusammenhang von einer längeren Bildschirmzeit und einem niedrigerem Entwicklungsstatus im Alter von 5 Jahren nachgewiesen werden.85
- Fernsehkonsum und Grobmotorik: Eine weitere Studie fand einen negativen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß des Fernsehkonsums im Kleinkindalter und den späteren grobmotorischen Fähigkeiten heraus.85
- Vorlesen und das Anschauen von Bilderbüchern sind dagegen ausdrücklich erwünscht; Hörmedien nur in begrenztem Umfang.84 Die elterliche digitale Gesundheitskompetenz wird damit zur Schlüsselrolle im frühen Kindesalter.
- Die Datenlage zum Ernährungsverhalten in der Altersgruppe der 1- bis 3-Jährigen ist für Deutschland als gering einzuschätzen.
- Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft das Konzept der Optimierten Mischkost (OMK) als besonders richtungsgebend für die Erstellung lebensmittelbasierter Ernährungsempfehlung (Food-Based Dietary Guidelines, FBDG) für Kinder ein.
Das Konzept der Optimierten Mischkost (OMK) wurde in den 1990er vom Forschungsinstitut für Kinderernährung erarbeitet und im Jahr 2017 überarbeitet. Das Konzept stellt sicher, dass der Energie- und Nährstoffbedarf von u. a. Kleinkindern im Alter von 1-3 Jahren durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung gedeckt wird. Die OMK legt einen besonderen Fokus aus einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel (36 Prozent der täglichen Gesamtzufuhr), einen maßvollen Konsum tierischer Produkte (22 Prozent der täglichen Gesamtzufuhr) und einen sparsamen Umgang mit geduldeten Lebensmitteln wie Süßigkeiten und Softdrinks (maximal 10 Energieprozent). 86 87
- Kleinkinder im Alter von 1-3 Jahren sollen schrittweise in die sog. Familienkost (d. h. die gleichen Speisen wie für die ganze Familie) übergehen.
- Für eine gesunde Entwicklung empfehlen deutsche Fachgremien eine altersgerechte, überwiegend pflanzenbetonte Optimierte Mischkost (OMK) mit regelmäßigem Mahlzeitenrhythmus, zuckerfreien Getränken und einer maßvollen Zufuhr tierischer Lebensmittel.36 86 87 88
- Zentrale Bestandteile einer „Optimierten Mischkost (OMK)“ sind reichlich Wasser sowie pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Getreide (inkl. Vollkornprodukte), Kartoffeln und Hülsenfrüchte, ergänzt durch tierische Produkte in mäßigem Umfang (Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier). Zuckerreiche Lebensmittel und gesüßte Getränke sollen sparsam konsumiert werden.86 87
- Zentral ist, dass Eltern und Bezugspersonen Hunger- und Sättigungssignale respektieren und Essen nicht als Belohnung oder Beruhigung einsetzen.
- Kleinkinder sollen regelmäßig strukturierte Mahlzeiten einnehmen, idealerweise gemeinsam mit der Familie, in ruhiger Atmosphäre und ohne Bildschirmmedien.36 86 87 89
Mahlzeitenstruktur und Essalltag
Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gibt folgende Empfehlungen für die Mahlzeitenstruktur und den Essalltag von Kleinkindern 89:
- Mahlzeiten sollen möglichst gemeinsam mit der Familie eingenommen werden.
- Regelmäßiger Rhythmus: z. B. drei Hauptmahlzeiten sowie zwei weitere kleinere Zwischenmahlzeiten; dazwischen essensfreie Zeiten (typische Essenspause: 2-3 Stunden).88
- Zwischen den Mahlzeiten: außer Wasser/ungesüßten Getränken keine Milch(-produkte) anbieten, um ständiges „Nebenbei-Essen“ zu vermeiden.88
- Gemeinsame Familienmahlzeiten (mit Vorbildwirkung) fördern ein gesundheitsförderliches Essverhalten.
- Essen soll in ruhiger, freundlicher Atmosphäre ohne Bildschirmmedien oder andere Reize stattfinden.
- Selbstständiges Essen soll gefördert werden, sobald das Kind dazu in der Lage ist.
Gerade das Ernährungsverhalten der Eltern und die Mahlzeitenstruktur in der Familie wirken sich entscheidend darauf aus, wie sich Kinder ernähren.90
Die Beachtung von Hunger- und Sättigungssignalen fördert die Selbstregulation der Nahrungsaufnahme und unterstützt eine gesunde Gewichtsentwicklung 36 86 87 89, wie u. a.:
- Eltern und Bezugspersonen sorgen für ein ausgewogenes Angebot und lassen das Kind entscheiden, wie viel es isst.
- Zunächst kleine Portionen anbieten, Nachschlag ermöglichen.
- Keine Tricks, Belohnungen oder Druck zum Essen einsetzen.
- Essen nicht zur Belohnung oder Bestrafung verwenden.
- Bei Essverweigerung ein- bis zweimal ermutigen, aber keine Ersatzspeisen anbieten.
Erweiterung der Lebensmittelvielfalt 88:
- Vielfältiges Angebot an Lebensmitteln bereitstellen.
- Neue Lebensmittel mehrfach und ohne Zwang anbieten.
- Zeitweilige Ablehnung akzeptieren; wiederholtes Probieren fördert Akzeptanz.
Verpflegung von Kleinkindern im Setting Kita/Kindertagespflege
- Für die Verpflegung außer Haus bietet der DGE-Qualitätsstandard für Kitas eine strukturierte, nachhaltigkeitsorientierte Orientierung (Lebensmittelauswahl und Häufigkeiten).34 Die Empfehlungen zur Kita-Verpflegung für Kleinkinder (1-3 Jahre) nach dem DGE-Qualitätsstandard der Deutsche Gesellschaft für Ernährung 34 beinhalten folgende Verpflegung im Setting Kita/Kindertagespflege:
- Die Verpflegung in Kindertageseinrichtungen soll eine ausgewogene, altersgerechte und überwiegend pflanzenbetonte Ernährung gewährleisten und sowohl die gesunde Entwicklung als auch nachhaltige Essgewohnheiten fördern. Mahlzeiten sollen vielfältig, nährstoffreich und kindgerecht gestaltet sein, mit regelmäßigen Mahlzeitenstrukturen sowie in einer angenehmen Essatmosphäre stattfinden.
- Grundprinzipien: Orientierung an einer vollwertigen Mischkost 86 87, Betonung pflanzlicher Lebensmittel, maßvoller Einsatz tierischer Produkte, Reduktion von Zucker, Salz und stark verarbeiteten Lebensmitteln sowie Wasser und ungesüßte Getränke jederzeit verfügbar.
Empfohlene Lebensmittelzusammensetzung:
- Täglich bzw. regelmäßig: Gemüse und Rohkost, Obst (möglichst auch als Stückobst), Getreideprodukte und Kartoffeln, davon regelmäßig Vollkorn, Wasser bzw. ungesüßte Getränke 91
- Mehrmals pro Woche: Milch und Milchprodukte
- In Maßen: Fleisch und Wurst (max. einmal pro Woche), Fisch (einmal pro Woche)
- Sparsam: Süßigkeiten, süße Getränke, fettreiche Snack
Pädagogische Rahmenbedingungen 34:
- Gemeinsame Mahlzeiten in ruhiger, wertschätzender Atmosphäre
- Förderung von Genuss, Selbstständigkeit und Lebensmittelakzeptanz
- Einbindung der Kinder in altersgerechte Esssituationen
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