Zurück zur ÜbersichtIdealtypischer Prozess - Warum eine Prozessbegleitung?

Prozessbegleitung

Verfasser: Prof. Dr. Wolfgang Schlicht

Stand: Juni 2021


Auf dem Weg zu einer bewegungsförderlichen Kommune

Frau Müller und Herr Maier kümmern sich in der Gemeindeverwaltung um die Förderung der Gesundheit. Sie haben beschlossen, dass ihre Kommune insbesondere für ältere Menschen bewegungsfreundlicher werden soll. Um ihre Vision von einer bewegten Kommune erfolgreich umzusetzen, nutzen sie den Impulsgeber Bewegungsförderung. Dieser führt sie Schritt für Schritt von der Idee über die Gewinnung von Kooperationspartnerinnen und -partnern, die Erhebung von wichtigen Daten als Grundlage für ihre Pläne, Möglichkeiten der Finanzierung bis zur Umsetzung ihrer Ideen und der Evaluation.

Inhalt

Städte und Gemeinden (Kommunen) stehen vor großen Herausforderungen. Sie sind nicht nur von der demografischen Entwicklung, sondern auch von der Notwendigkeit zur Mobilitätswende und vom Klimawandel betroffen, um nur drei Herausforderungen zu nennen. In Kommunen leben und arbeiten Menschen, die Erwartungen an das haben, was ein „gutes Leben“ ausmacht und dabei unterschiedliche Interessen und Ziele verfolgen. Darauf wirken sich wiederum politische und administrative Entscheidungen unmittelbar aus.

Als Akteurin oder Akteur der kommunalen Gesundheitsförderung, als engagierte Bürgerin oder engagierter Bürger, die bzw. der sich um ältere Menschen kümmert, verstehen Sie es als kommunale Querschnittsaufgabe, die Mobilität und körperliche Aktivität der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger zu fördern. Sie arbeiten daran, die Kommune bewegungsförderlicher zu gestalten. Sie wollen nicht nur an einzelnen Stellschrauben drehen, sondern die gesamte Kommune in den Blick nehmen, sozusagen als Lebenswelt Kommune.

Da dies ein äußerst vielschichtiges Vorhaben ist, spricht man auch von komplexen Interventionen. Wie erfolgreich Interventionen in der Lebenswelt Kommune sein werden, ist im Vorfeld nur schwer vorauszusagen. Die Komplexität ergibt sich dadurch, dass die ausgewählten Interventionen zumeist aus mehreren, wechselseitig voneinander abhängigen Komponenten bestehen, die ihrerseits in ein komplexes und bereits bestehendes System eingreifen. Mögliche Interventionen können zum Beispiel Maßnahmen sein, die auf das Verhalten der älteren Menschen zielen, oder auf Netzwerke, Strukturen und bauliche Veränderungen. Das stellt Sie, wenn Sie Ihre Kommune bewegungsförderlicher gestalten möchten, vor große Herausforderungen.

Jede Kommune ist einzigartig, aber auch die Bedürfnisse in der Bevölkerung, wenn es um das Thema Bewegung geht, können sehr unterschiedlich sein. Nutzen Sie daher den Impulsgeber Bewegungsförderung, dessen Vorgehen sich am Public Health Action Cycle 1 bzw. an einem idealtypischen Prozess der Weltgesundheitsorganisation (WHO) orientiert, um bewegungsförderliche Strukturen aufzubauen, die auf Ihre Kommune zugeschnitten sind.  

Mit dem Impulsgeber Bewegungsförderung durchlaufen Sie mehrere Schritte. Auf diese Weise erhalten Sie einen Überblick über anstehende Arbeiten und können Ihre Planungs- und Umsetzungsprozesse besser kontrollieren.

  1. Sensibilisierung: Um bewegungsförderliche Strukturen aufzubauen, ist es hilfreich, von Beginn an den Rückhalt in der kommunalen Verwaltung und die Unterstützung in der Bevölkerung zu haben. In Gesprächen mit politischen und administrativ verantwortlichen Personen und der jeweiligen Zielgruppe können Sie auf die vielen Vorteile einer bewegungsfreundlichen Kommune hinweisen und für das Thema sensibilisieren.
  2. Etablierung einer Steuerungsgruppe: Richten Sie eine Steuerungsgruppe ein, um sämtliche Schritte gemeinsam zu planen, umzusetzen und zu steuern. Das entlastet Sie nicht nur, sondern ermöglicht auch einen Austausch von Informationen und Ideen, die Ihr Vorhaben voranbringen.
  3. Entwicklung eines Leitbildes: Ein Leitbild hilft Ihnen dabei, Ihre Ziele klar zu formulieren, Ihr Vorhaben zu bewerben und einen Orientierungsrahmen für Entscheidungen zu schaffen. Ein Leitbild zu entwickeln ist ein kreativer Prozess, in den Sie unterschiedliche Interessen­gruppen (Mitglieder der Steuerungsgruppe, Mitglieder der Gemeinde, engagierte Vertreterinnen/Vertreter der Zielgruppe usw.) einbeziehen sollten.
  4. Bestands- und Bedarfsanalyse (IST-Analyse): Bevor Sie etwas Neues schaffen, brauchen Sie erst einmal eine Übersicht, welche Bewegungsangebote und Hindernisse da sind, aber auch welche Bedürfnisse die (älteren) Menschen in Ihrer Kommune haben. Für die Analyse stehen Ihnen verschiedene Verfahren und Methoden zur Verfügung.
  5. Handlungsziel- und Strategieentwicklung: Um Ihre Ziele und die dazu notwendigen Maßnahmen und Ressourcen festzulegen, kann es Ihnen helfen ein Planungsmodell zu erstellen. Dieses können Sie nicht nur als Arbeitsgrundlage für Ihre Planung, Steuerung und Evaluation Ihrer Maßnahmen nutzen. Vielmehr können Sie mit einem entsprechenden Modell Ihre Strategie auch gegenüber anderen Entscheidungsträgern wirkungsvoll illustrieren.
  6. Prüfung des Finanzierungskonzepts: Um Ihr Vorhaben umzusetzen, benötigen Sie Personal- und Sachmittel. Ein Finanzierungskonzept, in dem sowohl Ausgaben als auch zur Verfügung stehende Mittel dargelegt sind, hilft Ihnen dabei, finanzielle Mittel bei verschiedenen Quellen zu beantragen.
  7. Umsetzung der Maßnahmen: Aufgrund der Analyse der Bedürfnisse der Zielgruppe, Ihrer festgelegten Handlungsziele und Ihrer finanziellen Maßnahmen können Sie die einzelnen Schritte für Ihre Maßnahme festlegen und umsetzen. Ein Blick auf Aktivitäten anderer Kommunen kann Ihnen dabei helfen, das richtige Projekt für Ihre eigene Kommune zu finden.
  8. Evaluation und Streuung der Ergebnisse 2 : Nach Ende aber auch während einer Maßnahme hilft eine (Zwischen-)Evaluation die Wirkung und Wirksamkeit Ihrer Maßnahme festzuhalten und Verbesserungen anzuregen. Mit einem Ergebnisbericht können Sie Kooperationspartner, Geldgeber und die Bevölkerung über das Erreichte informieren. Dadurch regen Sie vielleicht auch wieder neue Ideen für Bewegungsangebote in Ihrer Kommune an.

[ 1 ]

Hartung, S. & Rosenbrock, R. (2022). Public Health Action Cycle / Gesundheitspolitischer Aktionszyklus. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.). Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden. https://doi.org/10.17623/BZGA:Q4-i099-2.0

[ 1 ]Rosenbrock R, Hartung S. Public Health Action Cycle / Gesundheitspolitischer Aktionszyklus. Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention: Glossar zu Konzepten. 2015;Strategien und Methoden.

[ 2 ]

Edwards, P. & Tsouros, A.-D. (2008). A healthy city is an active city: a physical activity planning guide. WHO Regional Office for Europe.
https://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0012/99975/E91883.pdf;
letztmaliger Zugriff, Juni 2021.

[ 2 ]Edwards P, Tsouros AD, Weltgesundheitsorganisation, Regionalbüro für Europa. A healthy city is an active city: a physical activity planning guide. 2008.

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