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Präventive Hausbesuche – Interview mit einer Projektteilnehmerin

Der 82-jährigen Interviewpartnerin aus Frankfurt am Main fiel es nicht leicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, obwohl sie im Alltag weitestgehend auf sich allein gestellt war. Umso intensiver war für sie die Erfahrung eines Präventiven Hausbesuches der Caritas Frankfurt. Die Wärme und Offenheit seitens der Caritas-Gesundheitsberaterin (Dipl.-Pflegewirtin) sowie die vertrauensvolle Atmosphäre zu Hause wirkten der anfänglichen Scham vor der Hilfesuche entgegen. Sie machten den Beratungsbesuch zu einem wertvollen Angebot, das Leben in den eigenen vier Wänden ein wenig zu erleichtern.
Die Interviewpartnerin möchte anonym bleiben, berichtet aber gerne von ihren Erfahrungen. 

1. Erzählen Sie uns gerne zum Einstieg etwas von sich.

Ich bin 82 Jahre alt und lebe allein. Familie und Verwandtschaft habe ich leider nicht mehr. Meine Freunde wohnen außerhalb von Frankfurt am Main und die meisten Personen in meinem Umfeld sind naturgemäß so alt wie ich und haben selbst Gebrechen, so dass sie mir nicht zur Hilfe gehen können. Allein von Januar bis Mai diesen Jahres war ich wegen meines Herzens und der damit verbundenen Einschränkungen mehr als vier Mal im Krankenhaus. In der Zeit vor und zwischen den Krankenhausaufenthalten war ich auf mich allein gestellt. Das war manchmal nur mit einem eisernen Willen möglich.

2. Welche persönlichen Gründe gab es für Sie, das Angebot der präventiven Hausbesuche in Anspruch zu nehmen?

Im Jahr 2017 hatte ich eine Gallenblasenerkrankung. Zu Hause konnte mir niemand helfen, obwohl mir sterbensübel war und ich mich immer wieder stark übergeben musste. Meine Hausärztin war meine einzige Anlaufstelle. Doch sie riet mir nur, den ärztlichen Notdienst anzurufen, wenn es schlechter würde. Dabei konnte es mir schon gar nicht mehr schlechter gehen. Und so dämmerte ich in diesem Zustand einige Tage allein zu Hause vor mich hin. Oftmals konnte ich noch nicht einmal aufstehen, um mir etwas zu trinken zu holen oder zur Toilette zu kommen. In meiner Not rief ich zum Wochenende den ärztlichen Notdienst an. Dieser versprach mir, am Abend zu kommen. In der Nacht um 2:30 Uhr klingelte dann das Telefon und die diensthabende Ärztin des Notdienstes meinte, jetzt hätte ich so lange gewartet, nun könnte ich auch morgen (Samstag) ins Krankenhaus gehen. Ich dachte, jetzt springe ich vom Balkon: Schmerzen, Übelkeit bis zum Erbrechen und allein gelassen. Das war das erste Mal, dass ich Hilfe brauchte und dachte, irgendetwas ist in unserem System nicht in Ordnung. Ich hatte mich noch nicht einmal getraut, einen Krankenwagen zu rufen, weil ich bis zu diesem Tag noch nie Hilfe angefordert hatte. Mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich daran zurückdenke.
Damit ich so etwas nicht noch einmal erleiden muss, entschied ich mich, etwas zu unternehmen und mir Hilfe über die Caritas zu suchen.

3. Wie sah ein Hausbesuch bei Ihnen aus?

Ich nahm eine Recherche über das Internet auf und die Auskünfte auf den Webseiten der Caritas Frankfurt erschienen mir verständlich und vertrauenserweckend. Ein erstes Telefongespräch war sehr freundlich und informativ. Im Anschluss wurde ich sofort durch eine E-Mail benachrichtigt und bekam die Kontaktdaten zu der Gesundheitsberaterin, die von da an als Ansprechperson für mich und meine Probleme zuständig war. Nachdem wir am Telefon einen Termin ausgemacht haben, fand der erste Besuch in meiner Wohnung statt. Es herrschte sofort eine sehr vertrauensvolle Atmosphäre: ruhig und ohne Stress. Da für mich alles Neuland war, ergaben sich die Fragen und Antworten aus dem Gespräch und umfassten bereits vieles, was zur Hilfe in meinem Fall wichtig war. Wir haben z.B. über weitere Unterstützungsmöglichkeiten für mich gesprochen und darüber, welche Hilfesysteme für meine Wohnung sinnvoll wären. Ich habe mich dann bspw. dazu entschieden, in meiner Wohnung einen Notfallknopf installieren zu lassen, sowie eine Pflege und Haushaltshilfe zu engagieren. Für die weiteren Schritte, die hierfür notwendig waren, konnte ich ebenfalls die Hilfe der Caritas in Anspruch nehmen. Nach ca. drei Stunden war der Besuch zu Ende.

4. Gibt es etwas, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ja, die Hilfe, Wärme und Offenheit der Gesundheitsberaterin, die mir die Peinlichkeit der Inanspruchnahme der Hilfen genommen hat, so dass ich mich auch nachträglich an sie wenden kann, wenn sich Fragen ergeben. Ich war außerdem überrascht, wie schnell alle Stellen reagiert und sich zurückgemeldet haben. Ich brauchte nicht mehr nachzuhaken, was heute recht selten geworden ist.

5. Welchen Gewinn sehen Sie dabei für sich oder andere?

Der Hausbesuch war für mich ein großer Gewinn, da ich zu relevanten Themen gut verständliche und umfangreiche Informationen erhalten habe. Ich wusste danach, dass ich das Richtige getan habe, indem ich diese Form der Unterstützung in Anspruch nahm.

6. Würden Sie die Präventiven Hausbesuche weiterempfehlen?

Unbedingt! Ehrlich gesagt, bei mir waren keine Wünsche und Fragen nach dem Besuch offen. Es werden Fragen abgedeckt, an die der Laie nicht denkt bzw. überhaupt nicht weiß, dass es sie gibt.