Sie sind hier: Startseite >  Projektdatenbank >  Interviews mit Projektverantwortlichen > Gemeinsam nicht einsam

Gemeinsam nicht einsam…

Der Verein Wabe e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen im niedersächsischen Lingen (Ems), Ortsteil Holthausen-Biene zusammen zu bringen. Das Angebot „Gemeinsam nicht einsam“ konnte vom Projekt „lN FORM Mittagstisch für ältere Menschen“  (2016) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) gewonnen werden und somit seine Erfahrungen an andere Projekte weitergeben. Das Angebot ermöglicht Seniorinnen und Senioren mit und ohne Behinderungen sowie Alleinstehenden an vier Tagen in der Woche ein gemeinschaftliches Mittagessen im Dorfgemeinschaftshaus.

Das Interview führten wir mit Frau Swenna Vennegerts (Wabe e. V. Holthausen - Biene).

1. Wie kam es zur Idee des Angebotes?

Unser Ortsteil (3.400 Einwohnerinnen und Einwohner) liegt sechs Kilometer von der Innenstadt entfernt. Die Menschen leben überwiegend in Einfamilienhäusern. Kindergarten, Grundschule, zwei Kirchengemeinden und viele Vereine beleben die Dorfgemeinschaft. Spezielle Angebote für Seniorinnen, Senioren und alleinstehende Menschen gibt es so gut wie gar nicht. Mir fiel auf, dass viele Personen alleine in ihren Häusern leben. Sie erledigen alles, sofern es körperlich oder geistig möglich ist, alleine. Dadurch entsteht eine Einsamkeit, die auch durch Kontakte zu Familie, Freunden und Nachbarn nicht aufgefangen wird. Die Aussage einer Nachbarin, „Ich bin immer alleine. Ich kaufe ein, ich koche und esse alleine. Und um einen Kopf Salat aufzuessen, brauche ich drei Tage!“, hat mich auf das Problem aufmerksam gemacht und ich wurde aktiv.

2.Was macht dieses Angebot in Ihren Augen so wichtig?

Ein gesunder Mensch kann nur gesund bleiben, wenn neben dem Körper auch der Geist und die Psyche gepflegt werden. Der Mensch braucht meiner Meinung nach ein soziales Umfeld, welches durch Kontakte zu anderen Menschen geprägt ist.

3. Wie erreichen Sie ältere Menschen, die von Einsamkeit oder sozialer Isolation betroffen sind?

Wir bieten an vier Tagen in der Woche (Mo.-Do.) um 12:00 Uhr ein Mittagessen an. Der Speiseplan, auch als Einladung formuliert, wird an sechs Stellen im Dorf ausgehängt und über Facebook und die Internetseite des Vereins veröffentlicht. Gäste, die am Donnerstag am Mittagessen teilnehmen, bekommen den Speiseplan für die nächste Woche persönlich vom Koch überreicht. Die Veranstaltung findet immer am gleichen Ort statt.

Wir berichten mit Hilfe verschiedenster Kanäle über den Mittagstisch, zum Beispiel:

  • in der lokalen Tageszeitung;
  • in Flyern, die an alle Haushalte verteilt werden;
  • in Interviews im örtlichen Radiosender;
  • in den kirchlichen Mitteilungsblättern;
  • durch persönliche Gespräche;
  • durch Verteilung von Geschenk-Gutscheinen zu Geburtstagen und Ehejubiläen durch den Ortsbürgermeister;
  • auf der Internet- und Facebook -Seite des Vereins WABE e. V. www.wabe-holthausen-biene.de;
  • durch die persönlichen Kontakte der 33 Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler, die im Projekt mitarbeiten;
  • durch Präsenz beim jährlichen örtlichen Weihnachtsmarkt.

4. Können Sie uns bitte fördernde sowie hemmende Faktoren bei der Umsetzung des Projektes nennen?

Fördernd erlebe ich die Bereitschaft des Vereins WABE e. V. unser Projekt ideell zu unterstützen. So sind alle Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler im Namen des Vereins tätig und abgesichert. 26 Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler übernehmen die Bedienung am Mittagstisch (immer eine männl. und eine weibl. Person), vier Personen sind für die Veröffentlichung und Aushang der Speisepläne verantwortlich und zwei Personen nehmen im Wechsel am Montag von 9:00 – 10:00 Uhr die Anmeldungen entgegen. Die Organisation übernehme ich auch ehrenamtlich. Durch die hohe Zahl an Mitarbeitenden wird jede Person zeitlich nur selten in Anspruch genommen. Dadurch fühlt sich niemand überfordert und seit fast vier Jahren habe ich keine Absagen. Fördernd ist auch, dass das ganze Projekt kostenneutral durchgeführt wird. Den Raum stellt die kath. Kirchengemeinde kostenlos zur Verfügung, alle Arbeiten werden ehrenamtlich erledigt und die Kosten für Servietten werden durch Spenden aufgebracht. Schließlich erlebe ich die ideelle Unterstützung von Politik, Kirche und Vereinen als fördernd.

Hemmend wirkt sich dagegen die fehlende Transportmöglichkeit für Personen aus, die nicht mobil sind. Die mobilen Seniorinnen und Senioren kommen mit dem eigenen Auto, dem Rad oder zu Fuß. Es sind inzwischen auch einige Fahrgemeinschaften entstanden, aber es gibt keinen verlässlichen "Fahrdienst" im Ort, den unsere Gäste nutzen könnten.

6. Was geben Sie denen mit auf den Weg, die ähnliches planen?

Inzwischen sind auch in anderen Ortsteilen und umliegenden Gemeinden Angebote zum Mittagessen nach unserem Vorbild entstanden. Wichtig sind aus meiner Sicht:

  • viele verlässliche Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler,
  • eine Köchin bzw. ein Koch oder ein gastronomischer Betrieb, der zu einem moderaten Preis ein einfaches gutes Essen anbietet,
  • ein Raum, der verlässlich zu den Mittagszeiten genutzt werden kann und
  • viele Mitbürger, die das Projekt ideell unterstützen.

Bei weiteren Fragen zum Angebot kontaktieren Sie gerne Frau Vennegerts

Swenna Vennegerts
Wabe e. V. Holthausen - Biene
Am Kreuzbach 18
49808 Lingen
Tel.: 0591-65571
E-Mail: vennegerts(at)gmx.de
Web: http://www.wabe-holthausen-biene.de/index.php/mittagstisch