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Die Zukunft der ambulanten Pflege gestalten

BAuA untersucht alternative Organisationsformen in der ambulanten Pflege aus der Perspektive Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
Zusammen mit dem AOK-Bundesverband hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein Fachgespräch mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Pflegepraxis durchgeführt. Im Mittelpunkt standen unterschiedliche Organi­sationsformen ambulanter Pflege, die im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Arbeits- und Gesundheitssituation ambulant Pflegender diskutiert wurden. Die Ergebnisse hat die BAuA in einem Kompaktbericht veröffentlicht. Alternative Organisations­formen ambulanter Pflege bieten Chancen, die Arbeits- und Gesundheitssituation der Beschäftigten zu verbessern, darin waren sich die Expertinnen und Experten einig. Drei alternative Organisations­formen ambu­lanter Pflege und deren Auswirkungen werden im Kompaktbericht näher erläutert:

"Buurtzorg"
Das Konzept der "Nachbarschaftspflege" kommt aus den Niederlanden. Die Förderung der Selbstständigkeit von Menschen mit Versorgungsbedarf ist das pflegerische Kernziel und steht im Mittelpunkt dieses Konzeptes. Dafür wird das erweiterte soziale und lokale Umfeld mit in die Versorgung einbezogen. So beteiligen sich Ehrenamtliche sowie Nachbarinnen und Nachbarn aktiv an der Versorgung Pflegebedürftiger, indem sie beispielsweise Einkäufe übernehmen oder bei Aktivitäten begleiten. Die Pflegeteams organisieren sich selbst. Erste Evaluationsergebnisse aus Deutschland weisen auf eine leicht verbesserte Arbeitsfähigkeit Pflegen­der in Buurtzorg-Teams hin. Allerdings werden auch unerwünschte Wirkungen von Pflegearbeit in diesem Konzept berich­tet. Da die Verantwortung für alle Prozesse (Quartiersmanagement, Einbezug der Nachbarschaft in die Versorgung und Leistungs­abrech­nung) bei den beruflich Pflegenden liegt, besteht die Gefahr einer Überforderung sowie einer Entgrenzung zwischen Berufs- und Privatleben. 

"Pflegenachbarn"
Das Projekt "Pflegenachbarn" greift einige Aspekte des Buurtzorg-Konzeptes auf: kleine, selbstorganisierte pflegerische Teams, Budgetkontrolle, mehr fachlicher Entscheidungsfreiraum für Pflegende und verstärkter Einbezug von Angehörigen sowie den Menschen im Quartier in die Versorgung. Allerdings setzt das Konzept auf Change-Prozesse bestehender Pflegeteams anstatt auf Neugrün­dungen, wie es beim Buurtzorg-Konzept oft der Fall ist. Bislang wird das Konzept nur im ländlichen Raum eingesetzt. Auch bei diesem Konzept wird die Aufgabe des Quartiersmanagements als ein entscheidender Punkt für die zukünftige Umsetzung betrachtet, da dies bisher nicht zu den Kernkompetenzen von Pflegediensten gehörte und die praktische Anwendung für Pflegende deshalb eine Herausforderung darstellt.

Ambulante Wohngemeinschaften
Eine weitere alternative Organisationsform in der ambulanten Pflege sind ambulante Wohngemeinschaften. Gegründet werden diese in der Regel durch Träger ambulanter Pflegeeinrichtungen, sozialpflegerische Vereine oder durch Betroffene und Ange­hörige. Kernmerkmal ist die geteilte beziehungsweise gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten (Pflegedienst, Alltags­betreuen­den, Angehörigen, Nachbarinnen und Nachbarn). Die Arbeitssituation Pflegender in ambulanten Wohngruppen unter­scheidet sich von der Arbeitssituation bei traditionellen ambulanten Pflegediensten dadurch, dass mehrere Pflegebedürftige an einem Ort betreut werden können. Dadurch fallen lange Wege und Fahrzeiten zwischen den Versorgenden weg und Gefährdungen für Pflegende, die in der häuslichen Umgebung oftmals vorkommen (beispielsweise Stolperfallen, aggressive Haustiere) können reduziert werden. Voraussetzungen für gelingende ambulante Wohngemeinschaften sind eine Kooperation aller Beteiligten auf Augenhöhe, flache Hierarchien, gute Kommunikations- und Aushandlungsprozesse, die Schaffung eines Koordinierungskreises zur Abstim­mung sowie ein spezialisierter Onboarding-Prozess neuer Personen, damit das Prinzip der geteilten Verantwortung vermittelt werden kann.

Der baua: Bericht kompakt "Alternative Organisationsformen ambulanter Pflege aus der Perspektive von Sicherheit und Gesund­heit bei der Arbeit" kann als PDF auf der Internetseite der BAuA heruntergeladen werden unter www.baua.de/publikationen.

Zitiert nach einer Pressemitteilung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vom 19.10.2023

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