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AlltagsTrainingsProgramm (ATP)

Aktuelle wissenschaftliche Studien belegen, dass bereits eine moderate Steigerung der Bewegung älterer Menschen im Alltag und in der Freizeit positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Diesen Effekt möchte sich das AlltagsTrainingsProgramm (ATP) zunutze machen. Es hat sich zum Ziel gesetzt, „noch inaktiven“ Seniorinnen und Senioren ab dem 60. Lebensjahr zu mehr Aktivität im Alltag und somit zu einer nachhaltigen Bewegungssteigerung zu verhelfen.

Die Interviewfragen stellten wir Herrn Prof. Dr. Ingo Froböse (Projektleitung).

1. Wie kam es zu der Idee Ihres Angebotes?

Es gibt viele Möglichkeiten bei alltäglichen Aktivitäten und ohne großen Aufwand etwas für die Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer zu tun. Der Alltag bleibt häufig als Gelegenheit zur Steigerung der körperlichen Aktivität unerkannt. Der grundlegende Gedanke beim AlltagsTrainingsProgramm  (ATP) liegt darin, den Blick von „inaktiven älteren Menschen“ auf Bewegungsmöglichkeiten und -herausforderungen des Alltags zu lenken.

2. Was macht dieses Angebot in Ihren Augen so wichtig?

Der Alltag bietet ein breites Spektrum an Trainingsmöglichkeiten. So können zum Beispiel Treppensteigen, ausgiebige Spaziergänge und Haushaltsarbeiten helfen, fit zu bleiben. Auf klobige oder teure Geräte im klassischen Sinne wird im ATP verzichtet, damit jede Übung mit dem individuellen Alltag der älteren Menschen vereinbar ist. Das Ziel des ATP ist es, die Bewegung langfristig in ihren Alltag zu integrieren und die Begeisterung an körperlichen Aktivitäten (wieder) zu wecken.

Durch eine fachmännische Übungsanleitung und Aushändigung von Übungs-/ Informationsblättern im ATP Kurs sollen die Teilnehmenden erkennen, dass sie den altersbedingten Leistungseinbußen auch nach Abschluss des Kurses selbstständig entgegenwirken und somit auch ohne Anleitung ihren Körper trainieren können.

Durch einen aktiven Lebensstil bleiben sie lange selbstständig und tun ganz nebenbei noch etwas für Ihre Gesundheit!

3. Eine Vielzahl an Sportvereinen haben bereits Angebote im Bereich des Senioren- oder Gesundheitssportes. Was ist das Besondere am ATP und wie können Sport- oder Turnvereine an dem Programm teilnehmen?

Beim ATP Programm handelt es sich um einen Präventionskurs, der das Ziel verfolgt, besonders älteren Menschen wieder mehr Lust auf Bewegung zu machen, indem er den Teilnehmenden vermittelt, wie sie den Alltag aktiver gestalten können. Er umfasst zwölf Kurseinheiten und wird derzeit in Sportvereinen angeboten. Deutschlandweit finden Übungsleiter-Schulungen statt.

Damit eine möglichst große Zielgruppe von diesem innovativen Angebot des Gesundheitssports angesprochen werden kann, soll dieses künftig breitflächig von möglichst vielen Sportvereinen angeboten werden.

Weitere Informationen zur bundesweiten Umsetzung des ATP

Das ATP Programm unterscheidet sich von herkömmlichen Bewegungsprogrammen dadurch, dass der individuelle Alltag der Teilnehmenden als Trainingsstätte erkennbar und nutzbar gemacht wird. Alltägliche Aktivitäten (Heben, Tragen, Stützen, Hinsetzen und wieder Aufstehen) werden als Möglichkeit angesehen, den Körper wieder in Schwung zu bringen. Während des Kurses wie auch beim selbstständigen Trainieren nach Abschluss der zwölf Kurseinheiten kann weitgehend auf Trainingsgeräte, spezielle Räumlichkeiten und Sportkleidung verzichtet werden.

4. Wie gehen Sie vor, einen möglichst leichten Zugang zum Angebot zu ermöglichen?

Die Rahmenbedingungen des ATP sind „einfach“ und übersichtlich gestaltet, so dass zum Beispiel keine großen Investitionen und Anschaffungen in Hinblick auf Trainingsgeräte und Sportbekleidung gemacht werden müssen. Es kann einfach in Alltagsbekleidung trainiert und der Park in der Nachbarschaft für ein kurzes Fitnessprogramm genutzt werden. Nach dem einfachen Motto: „Rein in die Schuhe raus in den Park und aktiv werden!“

Durch die 800 von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geförderten ATP-Kurse soll zudem der Zugangsweg für die Zielgruppe erleichtert werden. Der Kurs bleibt nämlich sowohl für die Vereine als auch für die Teilnehmenden im Jahr 2017 kostenfrei.

5. Im Rahmen der Pilotphase erfolgte bereits eine erste wissenschaftliche Evaluation. Zeigt diese bereits erste Erkenntnisse zu fördernden sowie hemmenden Faktoren bei der Umsetzung des Programmes?

Wir konnten feststellen, dass die Akzeptanz des ATP sowohl bei den befragten Teilnehmenden als auch bei den Übungsleiterinnen und Übungsleiter und Expertinnen und Experten aus dem organisierten Sport sehr gut war. Über die Hälfte der befragten Teilnehmenden bewerteten die Kursinhalte auf einer Schulnotenskala (sehr gut bis ungenügend) mit sehr gut und weitere vierzig Prozent mit gut. Die Durchschnittsnote liegt somit bei 1,48.

Auch alle befragten Übungsleiterinnen und Übungsleiter betonten, dass ihnen die Kursleitung Spaß gemacht habe und sie erneut einen ATP-Kurs leiten würden. Des Weiteren hoben sie hervor, dass die ATP- Inhalte gut in den Alltag der Teilnehmenden integrierbar und somit praktikabel und gut umsetzbar seien.

Die innovativen Ansätze und die neu definierte Zielgruppe des ATP stoßen zudem bei den Akteurinnen und Akteuren des organisierten Sports auf großes Interesse.

Diese Ergebnisse aus der Pilotstudie, die eine gute Akzeptanz der ATP-Inhalte von allen Seiten abbilden, sind also ein wichtiger Förderfaktor für die bundesweite Umsetzung des ATP.

Auch die strukturellen Bedingungen sind unter diesem Gesichtspunkt nicht zu vernachlässigen, denn die flächendeckenden Strukturen des organisierten Sports auf Landes-, Stadt- und Kreissportbund-Ebene und dessen besagte Expertise im vorliegenden Themenbereich werden mittel- und langfristig zu einer erfolgreichen bundesweiten Umsetzung des ATP beitragen können.

Bei weiteren Fragen zum Angebot kontaktieren Sie gerne Christian Ammann

Christian Ammann M.A.
Zentrum für Gesundheit durch Sport und Bewegung
Deutsche Sporthochschule Köln
Tel: (Dienstag bis Donnerstag): 0221 4982 7115
Mail: c.ammann(at)dshs-koeln.de
Web: http://www.aelter-werden-in-balance.de/atp/