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Woran Sie eine Depression erkennen

Wenn Sie mehrere der folgenden Krankheitszeichen gleichzeitig und dauerhaft über zwei Wochen bei sich bemerken, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber sprechen:

  • Neben der gedrückten Stimmung zählen ein dauerhaftes, tiefes Erschöpfungsgefühl und das völlige Fehlen von Freude und Interesse an der Welt zu den Hauptsymptomen.
  • Fast immer bestehen hartnäckige Schlafstörungen und ein verminderter Appetit, der oft mit Gewichtsverlust einhergeht.
  • Hinzu kommen Konzentrationsstörungen, die Neigung zu Schuldgefühlen und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit. So stellen sich häufig finstere Gedanken ein, die darin münden können, sich etwas antun zu wollen.
  • Viele Betroffene berichten von einer dauernden inneren Anspannung und von Ängsten.
  • Auch eine Verlangsamung im Denken besteht häufig, ebenso Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten.

Haupt- und Nebensymptome der Depression


Im höheren Alter wird eine depressive Erkrankung leicht übersehen. Sie kann nämlich durch körperliche Beschwerden, verursacht von anderen Erkrankungen, überlagert werden. Ein Beispiel: Rückenschmerzen oder Ohrgeräusche sind im Alter häufig. In den meisten Fällen werden diese in Kauf genommen, ohne dass die Lebensqualität zu sehr leidet. Kommt es nun zu einer Depression, dann empfinden betroffene Menschen die gleichen Beschwerden als viel intensiver. Sie rücken in den Mittelpunkt der Wahrnehmung und werden als Ausdruck der Hoffnungslosigkeit der Lage fehlgedeutet.

Wichtig wäre nun, die Depression zu behandeln. Dadurch werden die Schmerzen, Ohrgeräusche oder anderen körperlichen Beschwerden zwar nicht verschwinden, sie werden dann aber wieder als hinnehmbar und als Teil eines Lebens mit auch freudigen und genussvollen Momenten erlebt. Wird die Depression nun übersehen oder fassen Sie die Hoffnungslosig- und Freudlosigkeit falsch auf – nämlich als Folge der körperlichen Beschwerden statt einer eigenständigen Depression – dann besteht die Gefahr, dass die Depression nicht konsequent behandelt wird.

Daher ist es auch besonders wichtig, dass Sie dem Arzt oder der Ärztin nicht nur über die körperlichen Beschwerden berichten, sondern auch über die psychischen, also z. B. Hoffnungslosigkeit, Ängste, Lebensüberdruss und Freudlosigkeit. Der Arzt bzw. die Ärztin kann dann durch gezielte Untersuchungen abklären, ob es sich um eine Depression oder eine andere Erkrankung handelt.

Eine erste Hilfestellung, um zu erkennen, ob Sie Anzeichen einer Depression zeigen, kann ein Selbsttest  bieten. Ein solcher Test kann jedoch keine Diagnose ersetzen.

Suizidgefahr („Suizidalität“) erkennen

Der hohe Leidensdruck und das Gefühl der Ausweglosigkeit, das sich bei Depression häufig einstellt, führen dazu, dass viele Betroffene daran denken, sich etwas anzutun. Die Suizidgefahr ist deshalb bei depressiv Erkrankten erhöht, mehr als bei allen anderen Erkrankungen.

Gerade ältere Menschen scheuen sich häufig davor, anderen von ihren Suizidgedanken zu berichten. Auch Ärzten oder Ärztinnen teilen sie sich nicht mit, weil sie Sorge haben, den anderen damit zu belasten oder zu überfordern.

Falls Sie einige der folgenden Anzeichen bei sich erkennen, sprechen Sie unbedingt mit einem Fachmann oder einer Fachfrau darüber! Ärzte und Psychotherapeuten bzw. Ärztinnen und Psychotherapeutinnen sind ausgebildet, um Ihnen auch in dieser schweren Situation zu helfen. In den meisten Fällen kommen mit einer konsequenten Behandlung und dem Abklingen der Depression auch die Lebensfreude und Hoffnung wieder. Die Suizidgedanken verschwinden.

Anzeichen für eine Suizidgefährdung sind:

  • Suiziddrohungen und -ankündigungen. Das Vorurteil, dass ein Mensch, der darüber spricht, sich nichts antut, ist falsch!
  • große Hoffnungslosigkeit und Äußerungen wie: „Es hat doch keinen Sinn mehr“, „ich falle anderen nur noch zur Last“ oder „es wäre besser, wenn ich nicht mehr bin“
  • das Regeln persönlicher Angelegenheiten, Verschenken persönlicher Gegenstände
  • vermehrter sozialer Rückzug, Freudlosigkeit und Interessenverlust
  • das Verweigern von Essen und Trinken, der Medikamente oder der Mithilfe bei der Pflege

Bei älteren Menschen führen Versuche, sich das Leben zu nehmen, häufiger zum Tod als bei jüngeren. Das heißt, die Zahl der vollendeten Suizide steigt mit zunehmendem Alter an. Die Mehrzahl der Suizide und -versuche werden von alleinstehenden älteren Männern begangen. Besonders bei alleinstehenden Männern ab 80 Jahren nimmt das Risiko dramatisch zu. Nicht nur eine depressive Erkrankung, auch Vereinsamung und Trauer, Alkoholmissbrauch und körperliche Erkrankungen bzw. Behinderungen können insbesondere bei älteren Männern die Gefahr der Selbsttötung erhöhen.

Wie eine Depression verläuft

Die Depression hat viele Gesichter und kann unterschiedlich verlaufen. Es gibt verschiedene Formen der Depression:

Depressive Störung und rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung

Manche Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens nur eine depressive Krankheitsphase („Episode“). Eine solche Episode kann sich innerhalb weniger Tage entwickeln, meist aber über mehrere Wochen. Ebenso kann sie von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten unterschiedlich lange anhalten. Die Dauer der Episode hängt auch davon ab, wie schnell die Behandlung einsetzt.

Die Mehrzahl der Betroffenen hat eine Veranlagung zur Depression und erlebt deshalb mehrere solcher Episoden („rezidivierende depressive Störung“). Wie viel Zeit zwischen den einzelnen Episoden vergeht, ist ebenfalls von Mensch zu Mensch verschieden. Sie können jedoch neben der Behandlung selbst dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Episode zu verringern.

Chronische depressive Verstimmung (Dysthymie)

Bei der sogenannten Dysthymie, also der chronischen depressiven Verstimmung, sind die depressiven Symptome weniger stark ausgeprägt. Sie bestehen aber seit der Jugend und halten über Jahre an. Auch die Dysthymie kann gut mit Medikamenten behandelt werden. Damit die Diagnose gestellt werden kann, müssen die Symptome mindestens zwei Jahre lang vorliegen.

Die häufigsten Verlaufsformen der Depression
Quelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe


Manisch-depressive Erkrankung (Bipolare Affektive Störung)

Bei den depressiven Störungen und der Dysthymie kommt es nur zu Stimmungsveränderungen in Richtung Depression („unipolare Depressionen“). Bei der manisch-depressiven Erkrankung („bipolare affektive Störung“) ist das anders: Hier treten neben den depressiven Episoden auch sogenannte manische Episoden auf. Das Umkippen von einer depressiven in eine manische Phase und umgekehrt kann innerhalb weniger Tage erfolgen, manchmal sogar über Nacht.

Die manischen Phasen gehen mit übermäßig guter Stimmung einher. Oft sind sie verbunden mit starkem Tatendrang und Ruhelosigkeit, mit einem fehlenden Schlafbedürfnis und mit Selbstüberschätzung, mit Gereiztheit oder übertriebenem Optimismus. In solchen Phasen treffen die Betroffenen häufig unüberlegte, risikoreiche Entscheidungen. Es liegt auf der Hand, dass diese auch dauerhaft negative Folgen haben können. Die bipolare Erkrankung sollte daher unbedingt schnell mit den entsprechenden Medikamenten behandelt werden.

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Depression und Demenz

Menschen mit einer depressiven Erkrankung bemerken bei sich häufig Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten oder eine Verlangsamung im Denken und Sprechen. Diese Beschwerden können leicht mit einer Demenz verwechselt werden, insbesondere mit der häufigsten Demenzform, der Alzheimer-Demenz. Es gibt jedoch einige Unterschiede zwischen einer Alzheimer-Demenz und einer Depression.

Folgende Anzeichen sprechen
eher für eine Depression
Folgende Anzeichen sprechen
eher für eine Alzheimer-Demenz
Beginn innerhalb weniger WochenSchleichender Beginn über Monate
Die depressive Stimmung ist kaum beeinflussbar und konstant über einen längeren Zeitraum zu beobachtenDie Stimmung ist insgesamt eher instabil und leichter zu beeinflussen, „umzustimmen“
Betroffene leiden sehr unter ihrem Zustand: „Ich kann und weiß nichts mehr“Betroffene klagen wenig, sie verleugnen: „Ich habe keine Probleme“
Neigung zu Schuldgefühlen
Das Denken ist eher gehemmt und verlangsamt, aber die Menschen sind orientiert. Das heißt, sie kennen das Datum und wissen, wo sie sindDie Orientierung hinsichtlich Ort, Zeit und Situation fällt zunehmend schwerer. Nicht selten treten nächtliche Verwirrtheitszustände auf

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Depression und Trauer

Verlusterlebnisse nehmen im Alter häufig zu. Dass Sie nach einem Verlust, z. B. des Partners oder eines guten Freundes, für eine gewisse Zeit Trauer empfinden, ist normal. Diese Trauer muss auch nicht behandelt werden. Ein erlittener Verlust kann aber ein Auslöser für eine depressive Episode sein, die dann durchaus behandlungsbedürftig ist. Depression und Trauer voneinander zu unterscheiden, ist nicht immer leicht. Es gibt aber einige Anhaltspunkte, die dabei helfen können.

Folgende Anzeichen sprechen
eher für eine Depression
Folgende Anzeichen sprechen
eher für eine Trauerreaktion
Depressive Stimmung und Freudlosigkeit stehen im Mittelpunkt, oft auch das Gefühl der inneren Versteinerung. Das heißt, weder Glück noch Trauer werden empfunden Im Mittelpunkt stehen Gefühle von Leere und Verlust. Diese können aber auch von positiven Gefühlen, schönen Erinnerungen an den Verstorbenen und Humor begleitet sein
Die depressive Stimmung ist kaum beeinflussbar und anhaltend über einen längeren Zeitraum zu beobachtenWellenförmiger Verlauf, Abnahme der Trauer nach ungefähr zwei Monaten
Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit, dauernde innere Anspannung („wie vor einer Prüfung“), hartnäckige Schlafstörungen
Anhaltende Beeinträchtigungen im Beruf oder im SoziallebenEinschränkungen im Beruf oder im Sozialleben sind vorübergehend
Es gab bereits frühere depressive Episoden