Was gut fürs Herz ist, ist auch gut fürs Hirn – Aufklärung und Zugangswege
Viele der Präventionsmaßnahmen, die helfen, geistig fit zu bleiben, schützen auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder anderen nicht-übertragbaren Erkrankungen. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren spielen eine wichtige Rolle, um gesundheitsförderliche Botschaften zu verbreiten.
In diesem Forum wurden verschiedene Aufklärungs- und Interventionsansätze zur Demenzprävention vorgestellt.
Moderiert wurde das Forum von Claudia Vonstein, BIÖG, Referentin Q6 - Erwachsene, Ältere, Frauen- und Männergesundheit, gesundheitliche Chancengleichheit.
Vortrag 1: Demenzprävention – Wer weiß denn sowas?
Susanna Saxl-Reisen (Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz)
In den Jahren 2023/24 hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft zusammen mit dem BIÖG die interaktive Vortragsveranstaltung „Geistig fit bleiben – mit 10 Maßnahmen Demenz vorbeugen“ zum Thema Hirngesundheit und Demenzprävention im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie entwickelt. Diese steht Multiplikatorinnen und Multiplikatoren kostenfrei zur Verfügung. Im Vortrag werden die Konzeption der Vortragsveranstaltung und die Resonanz auf dieses Angebot vorgestellt.
Susanna Saxl-Reisen ist stellvertretende Geschäftsführerin und langjährige Mitarbeiterin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz (DAlzG). Sie hat einen Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, verantwortet die Publikationen der DAlzG und war maßgeblich an der Entwicklung der Vortragsmaterialien beteiligt.
Vortrag 2: Demenzprävention aus hausärztlicher Perspektive
Prof. Dr. Horst Christian Vollmar (Ruhr-Universität Bochum)
Es soll beleuchtet werden, welche Chancen und Grenzen Demenzprävention aus Sicht der Allgemeinmedizin aufweist. Quartärprävention ist dabei ein zentrales Motiv: Wie vermeiden wir Überdiagnostik und unnötige Verunsicherung, während wir evidenzbasierte, lebensstilbezogene Empfehlungen vermitteln – ganz im Sinne von ‚What’s good for your heart is good for your brain‘.
Univ.-Prof. Dr. med. Horst Christian Vollmar, MPH ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Inhaber der W3-Professur für Allgemeinmedizin an der Ruhr-Universität Bochum, wo er seit 2018 die Abteilung für Allgemeinmedizin (AM RUB) leitet. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der hausärztlichen Versorgungsforschung – insbesondere zu Altern und Demenz –, der digitalen Transformation sowie der Zukunft der Gesundheitsversorgung. Mit einem Netzwerk von über 500 Lehr- und Forschungspraxen verbindet er wissenschaftliche Evidenz mit der Realität hausärztlicher Versorgung im Ruhrgebiet und darüber hinaus.
Vortrag 3: Demenz vorbeugen – aber wie? Was Multikomponenten-Interventionen leisten können. Ergebnisse der AgeWell.de-Studie
Dr. Andrea Zülke (Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health, Universität Leipzig)
Im Vortrag werden die Relevanz von Lebensstil-Interventionen zur Reduktion des Demenzrisikos bei älteren Erwachsenen dargestellt und die Ergebnisse der AgeWell.de-Studie präsentiert, mit der erstmalig in Deutschland die Effekte einer Multikomponenten-Intervention auf die geistige Leistungsfähigkeit und weitere Zielgrößen bei älteren Erwachsenen untersucht wurde.
Dr. Andrea Zülke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Rolle beeinflussbarer Risikofaktoren für kognitiven Abbau und Demenzen, das heißt, wie sich unser Lebensstil, aber auch Faktoren wie unser Arbeits- oder Wohnumfeld auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken.
Diskussionen
In Forum 1 betonten die Teilnehmenden, dass Aufklärung die Aufgabe habe, die Angst der Menschen vor Demenz ernst zu nehmen.
Darüber hinaus ging es um die Frage, wie Patientinnen und Patienten auf präventive Ansprachen in der medizinischen Praxis reagieren. Dabei wurde deutlich, dass Nachfragen zum eigenen Gesundheitsverhalten häufig herausfordernd seien, zugleich aber bereits einen wichtigen präventiven Impuls setzen könnten. Kurze, gezielte und motivierende Gesprächsansätze in der Praxis könnten wirksam sein. Als gutes Beispiel wurde die ABC-Methode bei der Rauchentwöhnung hervorgehoben. Entscheidend seien realistische, kleine Schritte, die im Alltag umsetzbar seien. Prävention müsse alltagsnah und individuell angepasst erfolgen. Für ältere Menschen wurde Tanzen als Beispiel genannt, dies verbinde sowohl körperliche Aktivität als auch soziale Teilhabe.
Im Forum wurde zudem diskutiert, wie evidenzbasierte Präventionsprogramme und Multikomponenten-Interventionen erfolgreich in die Praxis übertragen werden könnten. Insbesondere wenn Hausärztinnen und Hausärzte nicht in entsprechende Studien oder Programme eingebunden seien, würden Risikopatientinnen und -patienten nicht erreicht. Niedrigschwellige Ansprache könnte die Teilnahmebereitschaft erhöhen.
Zudem seien Präventionsempfehlungen häufig zu abstrakt und müssten stärker konkretisiert werden, um im Alltag wirksam zu sein. Eine kontinuierliche Unterstützung durch geschulte Fachkräfte könne dabei helfen, Verhaltensänderungen nachhaltig umzusetzen. Diese Begleitung lasse sich nicht allein durch Ärztinnen und Ärzte leisten, sondern erfordere zusätzliche Beratungs- und Unterstützungsstrukturen.
Als wesentlicher Erfolgsfaktor wurde die Kombination verschiedener Präventionsbausteine benannt. Multikomponenten-Interventionen ermöglichen es, unterschiedliche Bereiche wie Bewegung, Ernährung und soziale Teilhabe miteinander zu verbinden. Dabei könne es sinnvoll sein, schrittweise einzelne Komponenten in den Fokus zu nehmen. Entscheidend sei, Prävention als flexibles und individuelles Angebot zu gestalten.
Fotos: © Oliver Wachenfeld









