Aktionsgruppe "Gesundes Altern in der Oberpfalz"

Die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Bayern organisierte gemeinsam mit der Regierung der Oberpfalz eine Regionalkonferenz zur Seniorengesundheit. Aus dieser ging die Initiative für die Aktionsgruppen "Gesundes Altern auf dem Land” und “Gesundes Altern in der Stadt" hervor, die sich inzwischen zu einer großen Gruppe zusammengeschlossen haben. Gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitswesens entwickeln die Mitglieder der Gruppe geeignete Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen in schwierigen Lebenslagen im Regierungsbezirk Oberpfalz.

Im Interview gibt Kathrin Steinbeißer Einblicke in die Ziele und Vorhaben der Aktionsgruppe. Sie ist Referentin der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e. V. (LZG).
(Erstellung des Interviews: April 2021)

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1. Warum wurde die Aktionsgruppe „Gesundes Altern in der Oberpfalz” ins Leben gerufen und welche Ziele verfolgt sie?

Die Aktionsgruppe „Gesundes Altern in der Oberpfalz“ entstand im Juli 2018 während des Workshops „Gesundes Altern“ auf dem Fachforum „Gesundheitliche Chancengleichheit in allen Lebensphasen in der Oberpfalz“ der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Bayern in Kooperation mit der Regierung der Oberpfalz. Die Teilnehmenden (z. B. ehrenamtliche Gesundheitsbotschafterinnen und -botschafter, Seniorenbeauftragte, politische Vertretende) entwickelten bereits während des Workshops erste Ideen zur Zusammenarbeit und äußerten den Wunsch, in dieser Konstellation weiter zusammen zu arbeiten, um ältere Personen in besonders schwierigen Lebenslagen in ihrer Gesundheit gemeinsam unterstützen zu können. Damit entstand an diesem Tag die Aktionsgruppe „Gesundes Altern in der Oberpfalz“ – am Anfang noch aufgeteilt in eine Stadt- und Landgruppe.

Die Aktionsgruppe setzt sich aus ehren- und hauptamtlichen Akteurinnen und Akteuren zusammen, die sich für die Gesundheit von Bürgerinnen und Bürgern in den Kommunen der Oberpfalz einsetzen. So sitzen Altenpflegende, Gesundheits- oder Seniorenamtsvertretende, Bürgermeister und viele weitere Professionen regelmäßig gemeinsam an einem (virtuellen) Tisch. Das große Ziel dabei ist, die Gesundheit jener älteren Menschen zu fördern, die schwer erreichbar sind und zielgerichtete Ansprachen sowie passgenaue Maßnahmen der Gesundheitsförderung brauchen. Die Aktionsgruppe lädt alle interessierten und engagierten Akteurinnen und Akteure in der Oberpfalz, die dasselbe Ziel verfolgen, dazu ein im Netzwerk mitzuwirken.

2. Welche Bedeutung hat die Aktionsgruppe für die Landschaft der Präventions- und Gesundheitsförderung in Bayern? Und welche Rolle übernehmen Sie als Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Bayern in diesem Netzwerk?

Der Name der Aktionsgruppe ist für die Mitglieder Programm – sie setzen gemeinsame Aktionen um, die richtungsweisend für die Gesundheitsförderung von und mit älteren Menschen in schwierigen Lebenslagen im Regierungsbezirk Oberpfalz sind. Die Mitglieder tauschen sich zu den Vorhaben in den Kommunen aus und arbeiten z. B. gemeinsam am Aufbau von Nachbarschaftshilfen, dem Einsatz von Rufbussen für mehrere kleinere Kommunen oder besprechen Stolpersteine und Lerneffekte, die somit kein zweites Mal gemacht werden müssen. Das Netzwerk stellt für andere Regierungsbezirke Bayerns ein gutes Beispiel dar: die KGC erhielt bereits erste Anfragen und Ideen zur Umsetzung eines solchen Netzwerkes in anderen Regionen Bayerns.

Die KGC Bayern unterstützt die Aktionsgruppe bei der Vernetzung mit neuen Mitgliedern, moderiert die Veranstaltungen und fördert die Öffentlichkeitsarbeit. Dabei ist sie stets in engem Austausch mit dem Leitungs- und Organisationsteam des Netzwerkes, um bedarfs- und bedürfnisorientiert handeln zu können und die nächsten Treffen gemeinsam zu planen.

3. Mit Blick auf die Good Practice-Kriterien der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung, wie würden Sie die Arbeit der Aktionsgruppe beschreiben?

Ob Partizipation, Zielgruppenorientierung oder Nachhaltigkeit – die Aktionsgruppe lebt den Good Practice-Ansatz in der eigenen Zusammenarbeit unter den Mitgliedern, wie auch in der Erstellung gesundheitsförderlicher Maßnahmen mit Menschen in schwierigen Lebenslagen. Der Grundsatz des Netzwerkes basiert auf einem bedarfsorientierten und partizipativen Ansatz (z. B. Erstellen des Protokolls durch Mitglieder rotierend, gemeinsame Planung des Programmes für nächste Treffen, Wahl der Leitung aus Mitgliedern). Es werden die wichtigsten Stakeholder sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in alle Planungsprozesse mit einbezogen. Die Zielgruppe der älteren Personen selbst ist auch im Rahmen des Mitgliederkreises vertreten. Dies ermöglicht einen direkten Einblick in die aktuellen Problemlagen vor Ort.

4. Können Sie uns konkrete Beispiele für entwickelte und umgesetzte Maßnahmen geben, die auf die Gesundheitsförderung älterer Menschen in der Oberpfalz abzielen?

Die Maßnahmen der einzelnen Mitglieder reichen vom Bürgerbus bis hin zur Gestaltung von Nachmittagen für Seniorinnen und Senioren zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe in der eigenen Kommune. Gerade in Zeiten von COVID-19 steht das Thema „Digitale Souveränität“ von Älteren im Vordergrund. Hierzu hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die niedrigschwellige Angebote für Ältere in der Oberpfalz entwickelt, um damit die digitale Souveränität und somit die Gesundheitskompetenz der Älteren nachhaltig zu stärken. Einige Mitglieder geben aktuell gezielt 1:1-Laptop- und Tablet-Schulungen für Seniorinnen und Senioren vor Ort. Andere kümmern sich darum, dass Geräte niedrigschwellig zur Verfügung gestellt werden – denn das sind oft schon die ersten Hürden, welche in der Arbeit mit Älteren überwunden werden müssen.

5. Welchen besonderen Herausforderungen und Chancen sieht sich die Aktionsgruppe gegenüber – insbesondere in der aktuellen Pandemie-Situation?

Gesundheitliche Chancengleichheit ist ein herausforderndes, jedoch auch chancenreiches Themenfeld. Bereits kleine Schritte müssen insbesondere in der Arbeit mit Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen (z. B. alleinlebende Seniorinnen und Senioren auf dem Land) als große Erfolge gesehen werden. Es gilt, diejenigen zu erreichen, die sonst nicht oder nur selten erreicht werden – und das ist eine große Herausforderung, welche die Mitglieder und auch uns dazu auffordert, oftmals auf Umwegen ans Ziel zu gelangen. Gerade unter COVID-19 sind die älteren Menschen von der gesellschaftlichen Isolation besonders hart betroffen. Da sie zusätzlich eine Risikogruppe darstellen, können die Vorhaben der Mitglieder nicht mehr in der gewohnten Weise umgesetzt werden. Die Chancen liegen vor allem darin, dass die intensive Zusammenarbeit der Mitglieder dazu geführt hat, dass das Netzwerk auch in Krisenzeiten als großer Mehrwert und Motivationsfaktor gesehen wird – es bleibt also weiterhin aktionsreich!

Bei weiteren Fragen zum Angebot

Kathrin Steinbeißer
Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit
Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V. (LZG)
Geisenhausenerstraße 18
81379 München
Tel.: 089/7244193-18
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Der Kooperationsverbund wurde 2003 von der BZgA initiiert. Sein zentrales Ziel ist die Stärkung und Verbreitung guter Praxis in Projekten und Maßnahmen der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten.

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