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Engagiert im Alter – neue Chancen als „seniorTrainerin“

Engagiert im Alter – neue Chancen als „seniorTrainerin“

Das Bedürfnis der Älteren, auch nach Beendigung des Berufes, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, nimmt zu. Als seniorTrainerin werden ältere Menschen in Mecklenburg-Vorpommern für künftiges bürgerschaftliches Engagement qualifiziert. Im Interview berichtet Helga Bomplitz, Projekt- und Kursleiterin, über die Projektentstehung, Inhalte der Ausbildung und mögliche Einsatzgebiete für teilnehmende Ältere sowie herausfordernde Rahmenbedingungen im Freiwilligensektor.

Die Interviewfragen stellten wir der Projekt- und Kursleiterin Helga Bomplitz.

1. Wie kam es zur Idee Ihres Angebotes und was macht die Ausbildung als seniorTrainerin in Ihren Augen so wichtig?

Unser Projektanliegen, ältere Menschen für bürgerschaftliches Engagement als seniorTrainerin zu qualifizieren, ist aus einer bundesweiten Ausschreibung im Jahr 2002 des Bundesfamilienministeriums hervorgegangen. Nachdem die Förderung für das Bundesprogramm „EFI- Erfahrungswissen für Initiativen“ zur Stärkung bürgerschaftlichen Engagements älterer Menschen 2006 auslief, entschied sich der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern das Projekt weiterzuführen. Seit 2002 wurden weit über 700 seniorTrainerin ausgebildet, die sich in unterschiedlichen Projekten freiwillig engagieren – und das zum Teil seit Beginn der Ausbildung 2002. Die Aufgabengebiete reichen von generationsübergreifenden Projekten mit Kindern und Jugendlichen (wie Familien- und Jugendpaten) oder einem interaktiven Radioprojekt für Bewohner von Pflegeeinrichtungen (Projekt „HÖRMAX“) über Angebote für Angehörige von Menschen mit Demenz und Quartiersprojekten (wie Bürgerbusse) bis hin zu politischem Ehrenamt und Mitarbeit in Interessenvertretungen. SeniorTrainerin sind für uns in erster Linie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in ihrem Lebensumfeld, in ihrer Kommune vor Ort, die sich um ihre Interessen und alles, was so ansteht, kümmern – natürlich gemeinsam mit Verwaltung und Kommunalpolitik, Vereinen und Unternehmen. Durch die Ausbildung als seniorTrainerin sowie die anschließende fachliche Begleitung durch Agenturen und kontinuierliche Weiterbildungsangebote wird den Älteren ein Rahmen geboten, über den sie partizipieren und mitbestimmen können oder es ggf. auch erst erlernen.

2. Wie ist Ihr Projekt strukturell verankert?

Das Landesprojekt „Weiterbildung älterer Menschen für bürgerschaftliches Engagement als seniorTrainerin sowie deren fachliche Begleitung“ wird durch das Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung gefördert. Da wir, der Landesrings M/V des Deutschen Seniorenringes e. V., als Träger die Begleitung der seniorTrainerin nicht allein bewältigen können, unterstützen sechs Agenturen vor Ort die Betreuung und Begleitung der seniorTrainerin.

  • Rostocker Seniorenakademie der Universität Rostock
  • Seniorenbüro Schwerin
  • Seniorenbüro Neubrandenburg
  • Bürgerhafen Greifswald
  • Mehrgenerationenhaus Stralsund
  • Mehrgenerationenhaus Torgelow

In einer Landeskoordinierungsgruppe mit Vertretungen der regionalen Agenturen, des Bildungsträgers, des Landesnetzwerkes der seniorTrainerin und des Ministeriums für Soziales, Integration und Gleichstellung Mecklenburg-Vorpommern wird regelmäßig über die Projektentwicklung beraten.

3. Wie ist die Ausbildung als seniorTrainerin gestaltet?

Die Ausbildung besteht aus einem Grundkurs mit 60 Kursstunden auf drei Veranstaltungsblöcke verteilt und einer individuellen Erfahrungsphase. In den Kursen wird eine Vielzahl an relevanten Themen für bürgerschaftliches Engagement bearbeitet, u. a.:

  • Bürgerschaftliches Engagement und Engagementstrategien
  • politisches Engagement
  • Strukturen, Rahmenbedingungen
  • Quartiersmanagement
  • demografischer Wandel, zukunftsfähige Kommunen/Zukunft der Dörfer, soziale Innovationen – im ländlichen Raum
  • gesellschaftliche Teilhabe und Strukturwandel des Alters
  • Vereinsgründungen und Vorstandsarbeit, Vereinsrecht
  • Projekt- und Konzeptentwicklung
  • Entwicklung einer Kooperations- und Vernetzungskultur
  • Fördermöglichkeiten (Spendenwesen, Crowdfunding, Fundraising, Wettbewerbe etc.) und Mittelverwendung
  • Veranstaltungsformen, u. a. World-Café, Marktplatz
  • Grundlagen Kommunikation, Konfliktbewältigung, Teamentwicklung
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Umgang mit neuen Medien
  • Datenschutz

Um die Kurse praxisnah zu gestalten, laden wir Vor-Ort-Akteure, z. B. Bürgermeisterinnen oder Bürgermeister, Landtagsabgeordnete sowie Vertretende von Unternehmen und Stiftungen ein. In den Projektpräsentationen der seniorTrainerin zum Abschluss des Grundkurses kommt die Vielfalt der Tätigkeitsfelder zum Ausdruck.                   

Nach der Grundausbildung werden die seniorTrainerin durch örtliche Agenturen fachlich begleitet. Sie informieren, beraten, motivieren und unterstützen bei der Netzwerkbildung und dem Finden von Kooperationspartnern vor Ort. Zudem bieten sie seniorTrainerin Weiterbildungsveranstaltungen sowie regelmäßige Gruppen- und Teamtreffen vor Ort an. Der Bildungs- und Projektträger veranstaltet zudem viermal im Jahr eine Fachtagung zu aktuellen Themen, wie z. B. Herausforderungen für eine Engagementpolitik der Zukunft, Digitalisierung – Chancen und Herausforderungen in der digitalen Arbeits- und Lebenswelt, Engagement und Bildung im Alter, demografischer Wandel etc.

4. Wen möchten Sie als seniorTrainerin gewinnen und wie gelingt Ihnen das?

Grundsätzlich haben wir keine Altersgrenzen – ab 55 ist alles dabei bis zu den Hochaltrigen. Auch wenn keine konkreten Teilnahmevoraussetzungen bestehen, ist unsere Ausbildung in der Realität doch eher mittelstandsorientiert – das lässt sich auch bundesweit für das bürgerschaftliche Engagement beobachten.

5. Was sind Ihrer Meinung nach fördernde sowie hemmende Faktoren, auf die Sie mit Ihrem Projekt im Freiwilligensektor stoßen?

Zum einen ist die Mobilitätsfrage ein großes Hemmnis. Auf dem Land fährt oft kein Bus oder er fährt irgendwann mal. Es fehlt an Engagementinfrastruktur, an Ansprechpartnern vor Ort.

Zudem muss man sich bürgerschaftliches Engagement irgendwie auch „leisten“ können.Das fängt an bei einem kleinen Geschenk zum Schulabschluss des Patenkindes, wie einer Tafel Schokolade oder einem Kinobesuch, das mit einem kleinen (Renten)-Einkommen nicht machbar ist und geht weiter damit, dass nicht jeder 14 Tage lang auf die Reisekostenerstattung warten kann. Eine Engagementstrategie, die auch bisher engagementfernen Gruppen ein Ehrenamt ermöglicht, wäre wünschenswert. Eine reine Maßnahmepolitik ersetzt keine Strategie, zu der u. a. auch die Entbürokratisierung des Ehrenamtes gehört.

Weiterhin ist es notwendig, das Selbstbewusstsein Älterer zu stärken. Es muss sich nach wie vor das Selbstverständnis und gesellschaftliche Bild vom Alter ändern. Weg von einem defizitären Altersbild hin zu einem ressourcenorientierten Verständnis, das Bildung und Engagement im Alter fördert und unterstützt (Stichwort lebenslanges Lernen). Älteren Menschen kostenlose Qualifizierung anzubieten, ihnen eine Plattform zu geben, sich zu engagieren und ihnen Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit zu zeigen, gehört dazu.

Bei weiteren Fragen zum Angebot kontaktieren Sie gerne Helga Bomplitz

Landesring M/V des Deutschen Seniorenringes e. V.
Helga Bomplitz
Wismarsche Str. 144
19053 Schwerin
Telefon: 0385 / 5 57 49 62     
Mail:  
Web: https://seniorenring-mv.de/