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Erkenntnisse zu Einsamkeit bei Menschen mit Behinderungen vorgestellt

Menschen mit Behinderungen sind deutlich häufiger von Einsamkeit betroffen als Menschen ohne Behinderungen. Das zeigt das Einsamkeitsbarometer 2026, das das Bundesfamilienministerium am 5. Juni vorgestellt hat.

Am 5. Juni hat das Bundesbildungs- und -familienministerium das Einsamkeitsbarometer 2026 vorgestellt. Die aktuelle Ausgabe widmet sich umfassend dem Einsamkeitserleben von Menschen mit Behinderungen. Die Analyse wurde vom Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik im Auftrag des Bundesbildungs- und -familienministeriums entwickelt und durchgeführt. Die Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Dr. Petra Bahr, lud anlässlich der Vorstellung des Einsamkeitsbarometers 2026 zum Fachgespräch. 

Dr. Petra Bahr: "Einsamkeit beginnt oft mit kleinen Momenten im Alltag: wenn im Bus der Platz daneben frei bleibt, wenn man im Café übersehen wird oder wenn andere selbstverständlich miteinander sprechen, während man selbst das Gefühl hat, nicht wirklich dazuzugehören. Für viele Menschen mit Behinderungen sind solche Erfahrungen keine Ausnahme, sondern Alltag - und das macht mich sehr nachdenklich. Das Einsamkeitsbarometer 2026 zeigt eindrücklich, wie tief dieses Gefühl des Ausgeschlossenseins gehen kann. Einsamkeit bedeutet nicht nur, alleine zu sein. Einsamkeit bedeutet oft, sich unsichtbar zu fühlen. Deshalb müssen wir als Gesellschaft genauer hinschauen, Barrieren abbauen und aufeinander zugehen. Jeder Mensch soll sich willkommen, gesehen und als selbstverständlicher Teil unserer Gemeinschaft fühlen können. Der Bericht zeigt zugleich: Bildung, Arbeit und soziale Teilhabe schützen wirksam vor Einsamkeit. Mit unserer Allianz gegen Einsamkeit wollen wir deshalb gerade diejenigen stärken, die im Alltag noch viel zu oft übersehen werden."

Dr. Irina Volf, Direktorin des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik: "Menschen mit Behinderungen sind in besonderer Weise von Einsamkeit betroffen - nicht, weil sie per se isolierter sind, sondern weil ihnen gesellschaftliche Teilhabe häufig erschwert wird. Das Einsamkeitsbarometer 2026 zeigt deutlich: Wo Zugänge zu Bildung, Arbeit und sozialem Leben eingeschränkt sind, steigt auch das Risiko für Einsamkeit. Einsamkeit ist damit kein individuelles Defizit, sondern Ausdruck ungleicher Teilhabechancen und eine Frage von Inklusion und gesellschaftlicher Verantwortung."

Einsamkeit ist ein belastendes Gefühl, das entsteht, wenn Menschen ihre sozialen Beziehungen als nicht passend oder nicht ausreichend erleben - sei es in der Qualität oder in der Anzahl. Viele Betroffene haben das Gefühl, dass ihnen die Nähe oder Gesellschaft anderer fehlt.

Zentrale Ergebnisse des Einsamkeitsbarometers

  • Menschen mit Behinderungen weisen insgesamt deutlich höhere Einsamkeitsbelastungen auf als Menschen ohne Behinderungen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Grad der Behinderung.
  • In beiden Bevölkerungsgruppen sind vor allem junge Erwachsene (18-40 Jahre) sowie Personen ab 75 Jahren besonders betroffen. Bei Menschen mit Behinderungen fällt die Einsamkeitsbelastung in diesen Altersgruppen jedoch noch einmal höher aus.
  • Eine feste Partnerschaft stellt für Menschen mit Behinderungen einen besonders starken Schutzfaktor gegen Einsamkeit dar. Sie wirkt entlastend und stärkt soziale Verbundenheit.
  • Ein höherer Bildungsgrad geht bei Menschen mit und ohne Behinderungen mit geringeren Einsamkeitsbelastungen einher. Bildung verbessert Zugangschancen und soziale Teilhabe.
  • Erwerbsbeteiligung wirkt schützend: Arbeitsmarktintegration stärkt soziale Kontakte, gesellschaftliche Sichtbarkeit und die finanzielle Unabhängigkeit - Faktoren, die das Risiko von Einsamkeit reduzieren können.
  • Strukturelle Einschränkungen der gesellschaftlichen Teilhabe - etwa durch Barrieren im öffentlichen Raum oder eingeschränkte Zugänge zu Dienstleistungen - können das Risiko für soziale Isolation weiter erhöhen.

Breite Allianz setzt sich gegen Einsamkeit ein

Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung vereinbart, die Einsamkeitsstrategie fortzuschreiben und die Arbeit bestehender Netzwerke zu unterstützen. Dafür setzt das Bundesbildungs- und -familienministerium die Allianz gegen Einsamkeit um. Sie ist ein breites Bündnis aus Gesellschaft und Politik, das anlässlich der Aktionswoche "Gemeinsam aus der Einsamkeit", die vom 22. bis zum 28. Juni 2026 stattfindet, offiziell starten wird. Ziel ist es, Einsamkeit sichtbar zu machen und gemeinsam wirksame Lösungen zu entwickeln. Besonders die Forschung zum Thema Einsamkeit im Bereich der Kinder und Jugendlichen soll gestärkt werden, um zielgenaue Maßnahmen zur Bekämpfung der zunehmenden Einsamkeit vom Kindesalter bis zu den älteren Menschen zu entwickeln. 

Das Kompetenznetz Einsamkeit

Das Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) setzt sich mit den Ursachen und Folgen von Einsamkeit auseinander und fördert die Erarbeitung und den Austausch über förderliche und hinderliche Faktoren in der Prävention von und Intervention bei Einsamkeit in Deutschland. Dazu verbindet das KNE Forschung, Netzwerkarbeit und Wissenstransfer. Das Projekt hat zum Ziel, das bestehende Wissen zum Thema Einsamkeit zu bündeln, Wissenslücken zu schließen und gewonnene Erkenntnisse in die politische und gesellschaftliche Praxis einfließen zu lassen. Das Projekt wird durch das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. umgesetzt und das Bundesbildungs- und -familienministerium gefördert.

Zitiert nach einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 05.06.2026.

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