Joint Action Addressing Dementia and Health (JADE Health)
Projekt zur Prävention und Stärkung der Gesundheitskompetenz in Europa
Voneinander lernen, Synergien nutzen und das gesellschaftliche Bewusstsein für Demenz in ganz Europa fördern – das ist das Ziel des EU-geförderten Projekts „Joint Action Addressing Dementia and Health“ (JADE Health).
JADE Health bringt 49 Institutionen aus 18 europäischen Ländern zusammen, um die Prävention und Früherkennung von Demenz sowie die Versorgung von Betroffenen zu verbessern. Beteiligt sind unter anderem Gesundheitsministerien auf nationaler und regionaler Ebene, öffentliche Gesundheitseinrichtungen und Forschungseinrichtungen.
Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) beteiligt sich gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und dem Robert Koch-Institut (RKI) als Akteur für Deutschland an JADE Health.
Was ist eine „Joint Action“?
Joint Actions sind von der Europäischen Union im Rahmen des Förderprogramms EU4Health kofinanzierte Kooperationsprojekte. An ihnen beteiligen sich Institutionen aus EU-Mitgliedstaaten und assoziierten Ländern. Ziel ist es, die Umsetzung gemeinsamer gesundheitspolitischer Prioritäten der EU zu unterstützen und die Kapazitäten der beteiligten Länder zu stärken.
EU4Health ist ein Finanzierungsinstrument des Mehrjährigen Finanzrahmens 2021–2027 der EU zur Umsetzung zentraler EU-Gesundheitsinitiativen. Die Joint Actions werden in den jährlichen Arbeitsprogrammen konkretisiert und ausgeschrieben.
In Joint Actions arbeiten die beteiligten Institutionen länderübergreifend zusammen, um bewährte Instrumente, Methoden und Ansätze gemeinsam zu nutzen, zu erproben und weiterzuentwickeln. Als Implementierungsprojekte verbinden Joint Actions Forschung, Politik und Praxis und tragen dazu bei, europäische gesundheitspolitische Ziele in konkrete Maßnahmen und Strukturen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu überführen.
Durchgeführt werden sie von Konsortien öffentlich-rechtlicher Akteure, etwa nationalen Ministerien, regionalen Gesundheitsbehörden oder kommunalen Public-Health-Einrichtungen. Die teilnehmenden Institutionen werden von den zuständigen Gesundheitsministerien der beteiligten Länder nominiert.
Gemeinsam für mehr Aufklärung und Kompetenz rund um das Thema Demenz
Durch länderübergreifenden Austausch, gemeinsame Strategien und die Erprobung bewährter Ansätze in Pilotprojekten sollen gesundheitliche Ungleichheiten abgebaut und Betroffene, Angehörige und Fachkräfte gezielt unterstützt werden.
Das dreijährige Projekt startete am 1. Januar 2025 und befindet sich derzeit in der zweiten Hälfte seiner Laufzeit.
Zu den Schwerpunkten von JADE Health gehören:
- die Stärkung der Gesundheitskompetenz zu Risikofaktoren;
- die Früherkennung und Prävention sowie die Sensibilisierung für das Thema;
- die Entwicklung neuer Diagnose- und Behandlungsmodelle unter Einsatz moderner Technologien;
- die frühzeitige Unterstützung und Aufklärung von Betroffenen und Angehörigen;
- die Stärkung der Kompetenzen von Fachkräften;
- die Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins.
An den einzelnen Arbeitspaketen sind unterschiedliche Länder und Einrichtungen beteiligt. Das BIÖG ist insbesondere in den Bereichen Prävention, Gesundheitskompetenz und Sensibilisierung involviert. Zur Halbzeit des Projekts im Sommer 2026 wurden in diesen Bereichen wichtige Meilensteine erreicht:
1. Länderübergreifende Analyse von nationalen und regionalen Strategien und Plänen zu Demenz bzw. zur Prävention von Demenzrisikofaktoren
In den an diesem Arbeitspaket zehn beteiligten Ländern untersuchten die Projektpartner zunächst, welche Strategien und Pläne zur Prävention von Demenz und ihrer Risikofaktoren bereits existieren, und wo Lücken oder Stärken bestehen. Daraus sollen Empfehlungen (zur Stärkung der Prävention) abgeleitet werden.
Sowohl nationale als auch regionale Strategien sowie Maßnahmen der primären und sekundären Prävention wurden hierzu systematisch erfasst und anhand einer strukturierten Checkliste qualitativ bewertet. Im Fokus standen folgende Fragen: In welchen Ländern existieren Strategien bzw. Pläne zur Demenzprävention? Was beinhalten diese? Welche Risikofaktoren, Adressatengruppen und Altersstufen werden hierin durch welche Arten von Präventionsmaßnahmen adressiert? Wie werden Strategien, Pläne und Maßnahmen operationalisiert bzw. überwacht und evaluiert?
Für Deutschland haben das BIÖG und das DZNE gemeinsam die vorliegenden Demenzstrategien und --pläne auf Bundes- und Landesebene untersucht. Hinzu kamen auch übergreifende Strategien, die Risikofaktoren wie z. B. Bewegungsmangel, Ernährung, Diabetes oder Einsamkeit adressieren.
Das RKI steuerte zudem nationale Datenquellen zur Prävalenz von Risikofaktoren für Demenz und Schlaganfall bei. Ziel war die Entwicklung eines einheitlichen methodischen Ansatzes, um die Zahl potenziell vermeidbarer Fälle von Demenz und Schlaganfall auf Grundlage länderspezifischer Daten zu veränderbaren Risikofaktoren zu schätzen. Hierzu wurden epidemiologische Ergebnisse, Datenquellen und Prävalenzschätzungen zusammengetragen, Daten- und methodische Einschränkungen sowie Evidenzlücken identifiziert und der entwickelte Methodenansatz getestet.
Zwischenergebnisse dieser Aktivitäten wurden anlässlich der BIÖG-Bundeskonferenz „Demenzprävention im Dialog – Aufklärung verbessern, Strukturen stärken, Risiken reduzieren“ 2026 präsentiert. Die finalen länderspezifischen und länderübergreifenden Ergebnisse fließen in einen gemeinsamen Bericht ein, der Ende 2026 veröffentlicht wird.
Parallel hierzu werden in acht Ländern Pilotinterventionen durchgeführt, um die Kompetenzen von Gesundheitsfachkräften in der Prävention von Demenz (und Schlaganfall) in unterschiedlichen Settings zu stärken und den Einsatz von Aufklärungsformaten und -materialien für gesunde Personen und Risikogruppen zu erproben. Dabei werden sowohl Multikomponenten-Ansätze zur Primärprävention von Risikofaktoren als auch individualisierte Präventionsmaßnahmen für Risikopatientinnen und Risikopatienten mithilfe von Online- und/oder Präsenzformaten umgesetzt. Die Ergebnisse fließen in die Entwicklung eines adaptierbaren Präventions-Toolkits ein.
2. Stärkung der Gesundheitskompetenz zu Demenz, Schlaganfall und anderen neurodegenerativen Erkrankungen
Ein weiteres Ziel von JADE Health ist die Stärkung der Gesundheitskompetenz rund um die Themen Demenz, Schlaganfall und andere neurodegenerative Erkrankungen. Adressatengruppen sind sowohl Fachkräfte als auch von Demenz betroffene oder gefährdete Menschen und ihre Betreuungspersonen. Hierzu werden Strategien und Maßnahmen zur Förderung der Gesundheitskompetenz in sieben Ländern erfasst und untersucht sowie Interventionen in vier Ländern (Lettland, Spanien, Tschechien und Ukraine) erprobt.
Auf Grundlage einer systematischen Literaturanalyse wurde im Sommer 2026 eine mehrsprachige Online-Befragung zu bestehenden Strategien und Maßnahmen zur Gesundheitskompetenzförderung in den teilnehmenden Ländern durchgeführt. Die Befragung basiert auf dem M-POHL-Instrument der Health Literacy Survey 2024–2026 (HLS24) und wurde an die Anforderungen von JADE Health angepasst. In Deutschland wurde sie mit Unterstützung des BIÖG verbreitet; die Auswertung der europäischen Ergebnisse ist für Herbst/Winter 2026 vorgesehen.
Die Ergebnisse fließen in die Entwicklung einer Toolbox mit Materialien, Instrumenten und Praxisbeispielen zur Förderung der Gesundheitskompetenz verschiedener Adressatengruppen ein.
3. Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Demenz und Bekämpfung von Stigma
Das BIÖG beteiligt sich auch an dem Arbeitsschwerpunkt zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die verbreitete Stigmatisierung von Demenz und Alzheimer und zum Abbau des Stigmas. Dabei werden auch vulnerable migrantische Adressatengruppen, insbesondere Roma und ukrainische Geflüchtete, berücksichtigt.
Am Beginn stand eine Literaturanalyse zu sozialen Normen, Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen in Bezug auf Demenz und Alzheimer in verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Europa. Darauf aufbauend wurde eine praktische Anleitung zur schrittweisen Erstellung eines Sensibilisierungsplans auf Grundlage des Ansatzes der Social and Behaviour Change Communication (SBCC) entwickelt. Die Anleitung soll bei der Planung von Sensibilisierungskampagnen unterstützen.
Beteiligung von Betroffenen und Fachkräften
Um die Perspektiven von Menschen mit Demenz, pflegenden Angehörigen und Fachkräften einzubeziehen, wurde in der Zeit zwischen Oktober 2025 und April 2026 in Spanien, Deutschland, Ungarn, Bulgarien und Malta eine Online-Befragung zu gesellschaftlichen Einstellungen, Verhaltensweisen und Diskriminierungserfahrungen im Zusammenhang mit Demenz durchgeführt. Die vom BIÖG verantwortete Befragung in Deutschland richtete sich an Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz sowie an pflegende Angehörige und Fachkräfte.
Die Analyse von rund 806 Antworten zeigt ein über die Länder hinweg konsistentes Bild: Demenz wird vielfach missverstanden und ist nach wie vor stark stigmatisiert. Gesellschaftliche Vorstellungen von Demenz werden häufig mit geistigem Abbau, Unfähigkeit und Abhängigkeit verbunden. Dies führt im Alltag von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu Ausgrenzung, Unverständnis und Ungleichbehandlung. Gleichzeitig zeigen die Rückmeldungen den deutlichen Wunsch nach Veränderung. Die Teilnehmenden fordern
- eine menschlichere und respektvollere Darstellung von Demenz,
- die Anerkennung der Persönlichkeit und Würde von Menschen mit Demenz,
- stärkere Unterstützung für Angehörige,
- eine bessere Qualifizierung von Fachkräften, inklusive Gemeinschaften sowie
- eine Gesundheitspolitik, die über einen rein medizinischen Ansatz hinausgeht.
Sensibilisierung für Demenz bedeutet daher nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern auch gesellschaftliche Vorstellungen von Vulnerabilität, Abhängigkeit, Alter, Fürsorge und menschlicher Würde zu verändern.
Eine detailliertere Auswertung der Umfragedaten aus Deutschland (mit 314 Teilnehmenden) zur Nutzung für den deutschen Kontext ist derzeit in Planung.
Joint Action Addressing Dementia and Health (JADE Health)
JADE Health steht für „Joint Action addressing DEmentia and Health“. Das Ziel des Kooperationsprojekts ist es, die Belastung durch Demenz und andere neurologische Erkrankungen zu verringern und die Behandlungsqualität für Menschen mit diesen Erkrankungen zu verbessern.











